Vom Klima bis zur Mobilität Vision vor Realismus

Verschiedene Zukunftsthemen werden auf der zweiten Regionalkonferenz im Landratsamt in Workshops erörtert. Hier bündelt Martin Imkeller Ideen für den Öffentlichen Personennahverkehr.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auf der zweiten Regionalkonferenz bringen 130 Teilnehmer zur künftigen Entwicklung des Landkreises Ideen ein. Was in Bereichen wie Klimaschutz oder Wohnungsbau einmal umgesetzt werden kann, wird freilich erst der politische Entscheidungsprozess zeigen

Von Leonie Albrecht, Fürstenfeldbruck

Die Ehrenamtsbörse informiert seit vergangenem Jahr auf einer Onlineplattform und mittels persönlicher Beratung über ehrenamtliches Engagement. Freiwillige können so ganz unkompliziert freie Stellen finden und mit Institutionen in Kontakt treten. Initiiert wurde die Börse nach der ersten Regionalkonferenz 2016, als der Wunsch nach einer Vermittlungsstelle geäußert wurde. Vor kurzem hat diese Konferenz nun zum zweiten Mal stattgefunden. Hier wurde über bisher erreichte Ziele und künftige Projekte gesprochen, um den Landkreis gemeinsam nachhaltiger zu gestalten. Rund 130 Teilnehmer brachten ihre Ideen in vier Workshops ein. "Nachhaltigkeit ist fest im Leitbild der Stadt verankert", sagt Doris Kömmling von KlimaKom, die Kommunen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen berät. "Jetzt ist die Zeit reif, etwas zu tun." Wie auch 2016 veranstalteten das Agenda-21-Büro, das Klimaschutzmanagement, das Referat für Räumliche Planung und Entwicklung, das Regionalmanagement und die Wirtschaftsförderung die Regionalkonferenz. In diesem Jahr kamen außerdem der Öffentliche Personennahverkehr, der Radverkehrsbeauftragte und das Tourismusmanagement hinzu.

"Wenn der Wohnraum, der einer einzelnen Person zur Verfügung steht, gesetzlich begrenzt wird, könnte man Energie sparen", schlug eine Teilnehmerin vor. Einige Gruppenmitglieder quittierten das mit hochgezogenen Augenbrauen. Doch genau solche weitgreifenden Ideen sollen in der "Phase der Visionäre" gesammelt werden. Die Teilnehmer sollten groß denken, unabhängig davon, wie realistisch der Vorschlag ist. Im Workshop des Regional- und des Klimaschutzmanagements überlegten knapp 25 Teilnehmer, wie Klimaschutz in der Region umgesetzt werden kann. Unter ihnen waren Politiker, Vertreter verschiedenster Unternehmen und Inititiativen sowie Mitarbeiter der Verwaltung. Obwohl die Konferenz allen interessierten Einwohnern offen steht, waren unter den 130 Teilnehmenden nur etwa zehn "normale" Bürger. Umweltthemen müssen höchste Priorität in politischen Entscheidungen haben, war sich die Gruppe einig. "Für alles ist Geld da, aber nicht für die wichtigen Sachen", beklagte ein Teilnehmer.

Auch aus Bequemlichkeit und fehlendem Bewusstsein finden Umweltthemen oftmals nicht ausreichend Gehör. Verändern ließe sich das, wenn zehn Prozent des Haushalts in den Umweltschutz fließen und das verpflichtend, lautete ein Vorschlag der Gruppe. "Eine bessere Vernetzung zwischen den Gemeinden, aber auch kleineren Initiativen, wäre sinnvoll", äußerte ein Mitglied des Umweltbeirats. Außerdem müssten Bildungsprojekte an Kindergärten, Schulen und Volkshochschulen gefördert werden. Im Moment seien die Lehrpläne zu voll, Lehrer und Eltern zu wenig sensibilisiert, erkannte die Gruppe kritisch. Um dem Klimaschutz Raum zu geben, soll ein Gremium gegründet werden, das Bildungsangebote berücksichtigt. "Es gibt bereits die Umweltbildung der Agenda 21", erklärt Lisa Ayernschmalz vom Regionalmanagement. "Im nächsten Schritt werden wir sehen, ob sich das noch konkreter mit dem Vorstellungen des Workshops verbinden lässt." Die Teilnehmer hätten sehr weit gedacht und eine "bunte Mischung" an Ideen zusammengetragen, die es nun zu konkretisieren gelte.

Auch was die Siedlungs- und Mobilitätsentwicklung betrifft, wurden eifrig Anregungen gesammelt. "Es ist wichtig, diese Themen gemeinsam anzugehen, um den optimalen Nutzen zu erzielen", erklärt Monika Beirer vom Öffentlichen Personennahverkehr. Alternative Konzepte für bezahlbares Wohnen seien gefragt, im Workshop wurde eine interkommunale Wohnungsbaugenossenschaft gefordert. Solch ein Projekt ist bereits in der Planung. Mehrgenerationenhäuser könnten eine geeignete Lösung für die innovative Nutzung von Wohnraum sein. Die Anregung, Mobilitätsstationen im Landkreis zu errichten, war auch dieses Mal ein wichtiges Thema. "Wir haben bereits ein Konzept erarbeitet, das aktuell für die einzelnen Gemeinden geprüft wird", sagt Martin Imkeller vom Öffentlichen Personennahverkehr. Die Teilnehmer äußerten den Wunsch nach einer Machbarkeitsstudie, vor allem im Hinblick auf den Platzbedarf der Stationen. "Es wird sich bald schon zeigen, ob die geplanten Plätze geeignet sind und genug Raum bieten", erklärt Imkeller. Das Fahrrad als nachhaltiges Fortbewegungsmittel kam nicht zu kurz. Neben einer Radtour mit Picknick wurde ein Konzept für Arbeitgeber entwickelt, um es für Angestellte attraktiver zu gestalten, mit dem Rad zur Arbeit zu kommen. Dazu gehören unter anderem Duschen und Umkleiden im Büro sowie geeignete Abstellmöglichkeiten.

Während der zweistündigen Workshops wurde eifrig diskutiert, die Gruppen entschieden selbst über die Themen. Alles konnte jedoch nicht besprochen werden. "Kein Vorschlag geht aber verloren, alles wird weitergedacht", betont Kömmling. Dass die Ergebnisse der Workshops ernst genommen werden, zeigt eine Reihe von Projekten, die seit der letzten Regionalkonferenz vor drei Jahren umgesetzt wurden. Dazu gehören neben der Ehrenamtsbörse auch ein Ernährungsrat und ein Tourismuskonzept für den Landkreis. Seit der letzten Konferenz wurden außerdem weitere Personalstellen in den beteiligten Fachstellen geschaffen und der regelmäßige Austausch zwischen ihnen verstärkt. Bis zur nächsten Regionalkonferenz in zwei bis drei Jahren werden sich die Fachstellen intensiv mit den gesammelten Vorschlägen auseinander setzen, um den Landkreis Stück für Stück nachhaltiger zu gestalten.