Volksmusik Wie im Bierzelt

Volksmusikalische Mädchenpower aus Niederbayern: die "Blechbixn" bei ihrem Auftritt im Puchheimer Kulturzentrum.

(Foto: Günther Reger)

Die "Blechbixn" bringen das Puchheimer Publikum in Schunkelstimmung

Von Sonja Pawlowa, Puchheim

"Aus. Äpfe. Amen" heißt das neue Album von "Blechbixn". Friede, Freude, Eierkuchen hätte in Puchheim genauso gepasst, so harmonisch war die Stimmung im voll besetzten und eng bestuhlten Veranstaltungssaal des Puc. Das bunt gemischte Publikum war neugierig und gut gelaunt. Da musste die "Blechbixn"-Frontfrau Karin Obermaier nur "Auf geht's, Puchheim" rufen und hatte schon gewonnen. Mit Posaune, Trompeten, Akkordeon, Schlagzeug und Bass kommen die "Blechbixn" wie eine typische Bierzelt-Kapelle daher. Der kleine Unterschied sticht jedoch sofort ins Auge: Mädels in Lederhosen. In karierten Hemden zeigen sie "cold shoulders" und anstelle von Haferlschuhen zieren Pumps die unbehaarten Waden. Es handelt sich also um eine Mädchenband, unterstützt von zwei jungen Männern ohne "High Heels".

Die Bühnenkleidung ist sorgfältig gewählt, denn in den Texten geht es um Bayern, Frauen, Männer, Schuhe und Lederhosen. In der letzten Reihe sitzt passend dazu eine Gruppe von Dirndl tragenden Dirndln und einem Buam mit "Lederhosenhaxn", die besonders enthusiastisch klatscht, schunkelt und mitsingt. Die Abiturklasse ist eigens aus Landshut nach Puchheim gekommen, um ihre Lehrerinnen auf der Bühne zu bewundern. "In der 6. Stunde hatten wir noch Biologie bei Frau Ruhland," sagt Lena Hackenberg. Die Akkordeonistin Judith Ruhland und Posaunistin Hilde Biller unterrichten nämlich tagsüber Biologie, Chemie, Physik, Musik und Latein am Gymnasium Seligenthal. Die "Blechbixn" waren dort selbst Schülerinnen, heute sind sie Lehrerinnen und Vorbild. "Es ist cool, Lehrer von der anderen Seite zu sehen," erklärt Anna Euringer.

In der ehemaligen Mädchenschule hat sich die "Blechbixn" kennengelernt und noch heute sind sie vereint. Und einig ist sich die Band nicht nur in musikalischer Sicht, sondern sogar beim Essen. "Sechs mal Schnitzel und Radler" lautet die Bestellung im Wirtshaus. Mit viel Augenzwinkern erzählt Songwriterin Karin Obermaier Geschichten über einen Auftritt bei Stefan Mross, für den sie eigens "Sommerliab" geschrieben hat, und von LaBrassBanda, als deren Vorgruppe sie ihren ersten Auftritt hatten. Sie lässt das Publikum über tänzerische Fähigkeiten von Männern abstimmen und animiert bei jeder Gelegenheit zum Aufstehen und Mitmachen. Das kommt an und reißt mit, vor allem aber die Musik. Ihr Können stellen sämtliche Bandmitglieder mit mindestens einem Solo unter Beweis. Immer wieder steigen Hilde und Tine von der Bühne und blasen mit Horn und Posaune in die Menge.

Ein wichtiges Element ist die bairische Sprache. Deutlich hieß es ganz zu Anfang in der Heimat-Hymne "Bayern ist in" man solle doch "von Passau bis Minga Boarisch singa". Ein wenig wird mit der niederbayrischen Herkunft kokettiert. "Erdäpfe klaum" (Kartoffeln ernten) ist selbst Dialektsprechern mancherorts unbekannt. Sprachmelodisches wie "Deans di drucka, deans di zwicka" im Song "High Heels" erinnern an "Du Depp" von Haindling.

Anders als von der Band "Dicht und Ergreifend" werden umstrittene Themen nicht angetastet, sondern allenfalls alte Klischees bedient. Auch wenn das noch so ironisch gemeint ist: Frauen machen sich Sorgen um ihre Bikinifigur und lieben Männer, Thermomix und Schuhe. Dem Konsumrausch konnten sich nach dem Konzert Frauen wie Männer am Merch-Standl hingeben. Neben T-Shirts, Turnbeuteln und Unterhosen gab es natürlich die beiden Alben "Großstadtfieber" und "Aus. Äpfe. Amen" käuflich zu erwerben. Der Andrang war groß, Autogramme gefragt. Wer leer ausging, sollte nicht gleich "FoxDevilsWild" werden, dann ein neues Album mit gleichlautendem Namen wird im Herbst erscheinen und dann im Rahmen einer Tour vorgestellt.