Volksfest in Fürstenfeldbruck:Große Sorgen um die zweite Stammstrecke

Lesezeit: 2 min

Umweltminister Markus Söder sagt im Brucker Bierzelt seine Hilfe zu. Die SPD fordert Wirtschaftsminister Martin Zeil zum Handeln auf.

Erich C. Setzwein

Die Enttäuschung über die gescheiterte Olympiabewerbung war am Mittwochabend bei den CSU-Politikern aus dem Landkreis ebenso groß wie die Sorge um den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. Und so klang es fast flehentlich, als Landrat Thomas Karmasin bei der Begrüßung des bayerischen Umweltministers Markus Söder im Fürstenfeldbrucker Festzelt den Ehrengast der CSU-Veranstaltung um Unterstützung bat. Söder ging gleich darauf ein, versprach sich zu kümmern und sagte: "Wir werden die zweite Stammstrecke bauen, weil wir sie brauchen."

Für wie nötig der Bahnbypass in der Münchner Innenstadt gehalten wird, das war den Äußerungen von Kommunalpolitikern und von Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet vor der Veranstaltung mit Söder zu entnehmen. "Ich habe Angst um die zweite Stammstrecke", sagte etwa Karmasin. "Olympia hätte uns Schub gegeben", fügte er bedauernd an. Dass man sich mit der Finanzierung nun schwer tun werde, das glaubte wie Karmasin auch Reinhold Bocklet. Dennoch strich er den großen Vorteil des Münchner Projekts gegenüber anderen Vorhaben der Bahn hervor, nämlich den Fortschritt bei den Planungen.

Wie das Geld für den Bau der Stammstrecke zusammenkommen könnte, dazu brachte Markus Söder den Länderfinanzausgleich ins Spiel. Bayern sei einer der stärksten Zahler in den Topf, aus dem sich finanzschwächere Bundesländer bedienten, und er, Söder, habe noch nie ein Dankeschön dafür vom Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit gehört. Söder kühn: "Wir holen uns das Geld zurück."

Doch Söder und sein als "Lebensministerium" tituliertes Ressort sind nicht zuständig für den Bahnausbau, wie auch der Landrat eingangs betonte. Dennoch setzt die CSU auf jede erdenkliche Unterstützung. Die SPD im Landkreis geht dagegen direkt den verantwortlichen Minister an. Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) wurde deshalb noch am Mittwochabend aufgefordert, nicht nur die zweite Stammstrecke rasch zu verwirklichen, sondern gleichzeitig "die längst überfälligen Maßnahmen zu Ertüchtigung und Ausbau der S4" zu beginnen. "Jetzt muss Staatsminister Zeil handeln, um die beiden Projekte auf die Schiene zu bringen", äußerte sich die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner in einer Presseerklärung.

Die SPD rügte, dass Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Realisierung der zweiten Stammstrecke mit dem Olympiazuschlag verknüpft habe. Dies sei unsinnig gewesen. Weit vor der Olympiabewerbung sei die Notwendigkeit der Ertüchtigung der Stammstrecke bekannt gewesen und die Planung eingeleitet worden. Der SPD-Kreisvorsitzende Michael Schrodi sagte: "Jetzt muss endlich das Geld fließen, damit die S-Bahnfahrer im Landkreis wieder einen funktionierenden öffentlichen Verkehr bekommen."

Auch wenn noch nicht klar ist, ob und wann Geld für den Bau der Stammstrecke bereit steht, so will die Deutsche Bahn das Projekt vorantreiben. Das bei der Bahn für Infrastruktur zuständige Vorstandsmitglied, Volker Kefer, kündigte am Mittwochabend an, in der kommenden Woche die benötigten Bundesmittel zu beantragen.

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