Volksbegehren Artenvielfalt Der Landkreis der Bienenretter

Fürstenfeldbruck erreicht beim Volksbegehren mit 25,7 Prozent den dritten Platz in ganz Bayern. Das Aktionsbündnis will nun erste Maßnahmen für den Artenschutz voranbringen

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" haben im Landkreis 25,7 Prozent der Wahlberechtigten unterschrieben - 39 571 Menschen sind dazu in die Rathäuser und die anderen Eintragungsorte gekommen. Fürstenfeldbruck liegt damit bayernweit hinter Starnberg und München Land auf dem dritten Platz. In sechs Gemeinden haben mehr als 30 Prozent unterschrieben, und auch die beiden Gemeinden mit den niedrigsten Ergebnissen liegen bei mehr als 17 Prozent.

Kein Wunder, dass die Sprecher des Aktionsbündnisses sich am Donnerstag in Hochstimmung befinden, wohl wissend, dass das erfolgreiche Volksbegehren nur der erste Schritt ist. Schließlich steht in etwa sechs Monaten der Volksentscheid über den Gesetzentwurf des Begehrens und den bereits angekündigten Alternativ-Entwurf der Staatsregierung an. Bis dahin wollen Dieter Kreis von der ÖDP, Uschi Anlauf vom Landesbund für Vogelschutz, Alexa Zierl (Die Partei und frei) und Jan Halbauer (Grüne) mit allen anderen Kooperationspartnern in Kontakt bleiben.

Eine Honigbiene labt sich an einem Weidenkätzchen, einer wichtigen Futterquelle im Frühling.

(Foto: Caroline Seidel/dpa)

Die Arbeit für das Volksbegehren bezeichnet Anlauf bei einem Pressegespräch am Donnerstag als "super spannende Erfahrung. Man hat gesehen, wie viele Leute das gleiche Ziel haben und an der gleichen Sache arbeiten". Dieses "Momentum" wolle und müsse man weiter nutzen und auch im Kreis mindestens bis zum Volksentscheid weiter zusammenarbeiten. Ihre Erfahrung aus vielen Gesprächen: "Die Leute haben gemerkt, sie müssen jetzt etwas tun." Das sehr gute Ergebnis führen die vier auf das Engagement der vielen Helfer zurück, die in vielen Gesprächen skeptische Menschen überzeugt hätten.

Mit dem Unterschreiben allein sei es aber nicht getan. Nach dem erfolgreichen Volksbegehren setzen die vier Sprecher darauf, dass die Energie nicht verpufft und im Landkreis schon bald konkrete Maßnahmen für die Artenvielfalt angestoßen werden. "Man kann sofort ansetzen und etwas ändern", sagt Halbauer. In den Kommunen könnte man etwa über Ortsgestaltungssatzungen gegen Kieswüsten in Vorgärten vorgehen, man könnte die Begrünung von Dächern voranbringen und über Bildungsmaßnahmen das Thema noch mehr Menschen nahebringen, sagen Kreis, Halbauer und Zierl. Alle drei gehören dem Brucker Stadtrat an. Zudem könnte auch Fürstenfeldbruck die Anbieter von Schul- oder Kitaessen verpflichten, einen gewissen Prozentsatz an Bio-Lebensmitteln zu verwenden. So handhabt es etwa Gröbenzell bereits. Die Menschen müssten auch in ihren eigenen Gärten tätig werden "und sich an ungepflegte Wiesen gewöhnen", sagt Anlauf.

Das neue Gesetz solle auch "für die Bauern gut sein", erklärt Halbauer. "Die Landwirte müssen auf eine ökonomisch gute Basis gesetzt werden", sagt er. "Das Höfesterben darf nicht weiter gehen." Zierl betont, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau hätten das Volksbegehren unterstützt. "Das größte Problem sind die Pestizide", ergänzt Anlauf, "da müssen wir ansetzen." Der Gebrauch von Giftstoffen soll durch das neue Gesetz stark beschränkt werden.

Viele Landwirte unterstützten den Gesetzentwurf, nicht aber der Bayerische Bauernverband und die industrielle Landwirtschaft: "Die haben am meisten zu verlieren." Halbauer berichtet, er habe mit Bäuerinnen und Bauern gesprochen, die von den Funktionären des Bauernverbands und deren Positionen enttäuscht seien. Das Volksbegehren hatte auch mit Widerständen zu kämpfen, vor allem in Mammendorf, wo zahlreiche Plakate beschädigt oder gestohlen wurden. Dennoch unterschrieben dort 27,3 Prozent oder 3604 Menschen. Unter dem Landesdurchschnitt blieben Mittelstetten mit 17,8 Prozent und Moorenweis mit 17,6 Prozent. In Schöngeising, Eichenau und Grafrath unterschrieben prozentual die meisten Menschen. Unter den Städten liegt Puchheim mit fast 30 Prozent vorne, es folgen Fürstenfeldbruck, Olching und Germering.

Uschi Anlauf hofft nun, dass das Beispiel Bayerns über die Grenzen des Freistaats hinaus ausstrahlt, auf den Rest Deutschlands und auch auf Europa, wo in der Europäischen Union gerade über die Landwirtschaftspolitik der Zukunft debattiert wird.