Volksbank Raiffeisenbank FürstenfeldbruckEine Woche einzigartig

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Die Bank gibt Negativzinsen an bestimmte Kontoinhaber weiter. Das löst bundesweit Wirbel aus. Seither haben Vorstand und Kundenberater viele Fragen zu beantworten

Von Erich C. Setzwein, Fürstenfeldbruck

Dieses freie Wochenende haben sich die Mitarbeiter der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck (VR Bank) redlich verdient. Vier Tage lang standen sie unter ganz besonderer Beobachtung, ihre Bank war plötzlich in den Mittelpunkt des Medieninteresses gerückt. Die Bild-Zeitung prägte für das Gebaren der Brucker Genossenschaftsbank den Begriff der "Sparschweinerei", es wurde von einem "Tabubruch" gesprochen und ein "Dammbruch" vorhergesagt für den Fall, dass das Brucker Beispiel Schule machen würde. Was die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung zu der Überschrift veranlasste "Und jetzt alle". Denn vom ersten Euro an Negativzinsen für Kundeneinlagen zu verlangen, damit brach die VR Bank sprichwörtlich durchs dünne Eis der europäischen Zinspolitik. Vor allem aber, suggerierten die in- und ausländischen Kommentatoren in klassischen wie sozialen Medien, es treffe jetzt den "normalen Sparer".

Banker sprechen vom "Verwahrentgelt"

"Die letzten Tage waren nicht lustig", sagt Robert Fedinger, seit April vergangenen Jahres Vorstand der VR Bank Fürstenfeldbruck, am Ende dieser turbulenten Woche. Seit am Montag, zunächst von einem Fernsehsender verbreitet, dann über andere Medien die Nachricht von der Weitergabe des Negativzinses von 0,5 Prozent an Kunden vom ersten Euro an innerhalb weniger Stunden die Runde macht, sind die Brucker Bank und ihr Vorstand in Wort, Bild und Ton nahezu überall vertreten. Es melden sich dann viel mehr Kunden als sonst bei ihren Filialen, suchen das Gespräch mit ihren Kundenberatern. 115 hat die VR Bank im ganzen Landkreis, sie alle kennen die Problematik der Niedrigzinsphase gut und auch der Negativzins ist ihnen ein Begriff. Banker sagen aber lieber "Verwahrentgelt". Und so können die Berater ein ums andere Mal den Kunden nur erklären, dass sie als normale Sparer nicht betroffen seien. Nach dem Feedback, das Robert Fedinger in der Zentrale mitbekommen hat, "war es den meisten Kunden nach zwei Minuten Gespräch klar". Es habe keine erzürnten Anrufe gegeben, "wir haben nichts Negatives gespürt".

Betroffen sind etwa 20 Kunden

Wie auch, denn laut Fedinger sind von dem "Verwahrentgelt" gerade einmal etwa 20 Kunden betroffen. Von 60 000 Kunden, die die VR Bank im Landkreis hat.

Robert Fedinger, Vorstand der VR Bank Fürstenfeldbruck.
Robert Fedinger, Vorstand der VR Bank Fürstenfeldbruck. (Foto: Günther Reger)

Die wenigen, die es betrifft, sind neue Kunden der VR Bank Fürstenfeldbruck, die eine gewisse hohe Summe auf ein Tagesgeldkonto einzahlen. Dieses Konto wirkt wie ein Sparkonto, "für den Notgroschen", wie der VR-Bankvorstand es nennt, das Geld ist jederzeit verfügbar und bringt normalerweise auch minimal Zinsen. 0,001 Prozent bezahlt die VR Bank ihren Bestandskunden.

So wie jeder Kunde, der ein Tagesgeldkonto anlegt, einen Freibetrag bekommt, so hat auch die VR Bank Fürstenfeldbruck bei der EZB einen Freibetrag. Wird er überschritten, werden Negativzinsen fällig. Weil aber im Spätsommer immer mehr Neukunden" bei der VR Bank Tagesgeld parken wollen und damit die VR Bank ihre eigene Freigrenze überschreiten würde, wären, wie Fedinger erläutert, die Bestandskunden die Leidtragenden gewesen. Auch sie hätten Negativzinsen bezahlen müssen. So habe man den Neukunden vom 1. Oktober an keinen Freibetrag mehr eingeräumt und quasi "vom ersten Euro an" das Verwahrentgelt in Rechnung gestellt. Sechs Wochen später wird diese Regelung zur Schlagzeile.

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Auch Bestandskunden müssen unter Umständen bezahlen

Die VR Bank dreht den Spieß darauf um und verbreitet ihrerseits die Marketingbotschaft, sie sei die "erste Bank Deutschlands, die ihre Kunden schützt". Und gibt dazu noch die Garantie ab, dass für Kunden "weiterhin ein unbegrenzter Freibetrag in voller Höhe der bisherigen Einlage" gelte. Das heißt aber auch: Stockt ein Bestandskunde sein Tagesgeldkonto auf, wird auch er bezahlen müssen.

Auch in der Vorstandsetage der Sparkasse Fürstenfeldbruck, die ihren Sitz in Wurfweite der VR-Bank hat, wird das Thema diskutiert. Vorstandsvorsitzender Peter Harwalik sagt: "Seit Juni 2014 besteht nun die Negativzinspolitik der EZB. Einige Jahre haben wir die Wirkungen abfedern können, jetzt müssen wir handeln." Auch dort werden individuelle Vereinbarungen mit den Kunden getroffen, die hohe Beträge deponieren. Im Laufe des vergangenen Jahres sei man gezwungen gewesen, "auch vermögende Kunden auf das Thema Verwahrentgelt anzusprechen und damit unsere eigenen Aufwendungen weiterzugeben".

"Prellbock der EZB"

Das alles aber ist keine Erfindung aus Fürstenfeldbruck, wohl aber eine Reaktion auf die europäische Finanzpolitik. Ähnlich wie VR Bankvorstand Fedinger drückt sich auch der Sparkassenvorstand aus. Man habe das Problem der Negativzinsen nicht geschaffen, sagt Harwalik, und fährt fort: "Wir sind Prellbock der Europäischen Zentralbank und ihrer Negativzinspolitik." Ob nun auch die Sparkasse bei den Sichteinlagen, wie etwa bei Tagesgeldkonten von Neukunden und Neuanlagen, reagiert, dazu sei der Meinungsbildungsprozess noch nicht abgeschlossen, heißt es aus dem Kreditinstitut. Einen Hinweis gibt Harwalik aber doch: "Keine Sparkasse kann sich auf Dauer von den Marktzinsen abkoppeln."

© SZ vom 23.11.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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