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Vogelplage:Saatkrähen trotzen den Puchheimern

Die Vögel lassen sich weder von Ballons noch zerstörten Nestern irritieren. Nun will das Umweltamt sich in Kempten über den Einsatz von Drohnen informieren.

Die Saatkrähen lassen sich aus Puchheim nicht verscheuchen. Weder Umsiedlung noch Zerstörung von Nestern oder der Einsatz von Ballonen waren erfolgreich, stattdessen haben sich zwei Splitterkolonien gebildet. "Wir wissen jetzt, was wir nicht zu machen brauchen", sagte Manfred Sengl (Grüne), der Vorsitzende des Umweltbeirates. Manche greifen indes zur Selbsthilfe. Angeblich soll sogar auf die geschützten Tiere geschossen worden sein.

Krähe

Eine Saatkrähe auf dem Puchheimer Friedhof.

(Foto: Günther Reger)

Gestützt auf eine neue Studie hatte die Stadt im Herbst mit Genehmigung der Regierung begonnen, die Tiere aus den Wohngebieten zu vertreiben. Ein Baumkletterer war im Einsatz sowie Bauhofarbeiter mit einem Hubsteiger. Sie entfernten Nester am Mozartweg sowie an der Egenhofener Straße, zuletzt am 14. März, am Tag bevor wegen der Brut die Schonzeit begann.

Das Ergebnis ist bescheiden. Nach Angaben von Monika Dufner vom Umweltamt haben sich zwei Splitterkolonien gebildet. Hinter dem Seniorenheim Haus Elisabeth nisten Vögel in sieben Nestern, gegenüber in dem Wäldchen vor der Sprenger Siedlung wurden weitere sieben Nester gesichtet und in der Allinger Straße in Höhe der Hausnummer 42 zwei Brutpaare.

Im Herbst hatten die Experten 51 Nester von den Wohngebieten in das Innere des Schopflachwäldchens umgesetzt. Die Krähen holten sich das Material der Nester und bauten woanders, nur zwei der umgesetzten Nester haben die Tiere akzeptiert. Die Ballone, die im Februar aufstiegen, machten nach ein paar Tagen schlapp und beeindruckten die Tiere nur kurzzeitig.

Am Mozartweg hat Dufner drei bis vier Nester erspäht, weniger als vorher, im Bereich der Einmündung des Ihleweges in die Allinger Straße waren es Anfang April zehn, entlang des Weges haben sich vier weitere Paare niedergelassen. In der Egenhofener Straße lebten vor der letzten Zerstörung von Nestern 16 Brutpaare. Eine Woche später, am 21. März, registrierte Dufner 27 neue Nester, bis 3. April waren es schon 34 Heimstätten.

"Der Aufwand ist enorm, aber wir waren nicht wirklich erfolgreich", räumte Dufner ein, die am Dienstag den Umweltbeirat informierte. Der Vorsitzende des Gremiums gestand zeigte sich ebenfalls ratlos. "Wir müssen weiter nach Alternativen suchen", meinte Sengl. Die Diplom-Biologin Monika Sepp sieht hingegen einen Lerneffekt. "Wir wissen jetzt, dass die Tiere ihre Nester selber bauen wollen und die Umsetzung nichts bringt", erklärte sie der SZ.

Im Auftrag der Stadt ist Sepp für die wissenschaftliche Begleitung der Gegenmaßnahmen zuständig. "Es ist schwierig, weil die Vögel einfach schlau sind. Deshalb müssen wir ausprobieren, was möglich ist", sagte die Expertin. Zumindest ein Teil der Saatkrähen sei in das Innere des Schopflachwäldchens gezogen, weg von der Allinger Straße und den Menschen. Aber immer noch sind dort Nester zu finden, weil der Standort aufgrund der hohen Bäume einfach attraktiv für die Tiere ist. Vor allem dort seien jedoch Anlieger "genervt" wegen des Krachs, sagt Sepp.

Die Kommune müsse handeln, sonst würden manche zur Selbsthilfe greifen. Im Büro von Dufner melden sich wütende Bürger per Telefon oder E-Mail. Allerdings gibt es auch Menschen, die für die Saatkrähen eintreten, berichtet sie. Eine komplette Umsiedlung der Saatkrähen ist nicht nur schwierig, sondern in Puchheim unmöglich, weil noch nicht einmal ein Gehölz gefunden wurde, wohin man die Tiere locken könnte. Seit mehr als drei Jahren klagen Bürger, dass die Saatkrähen lärmen und Dreck hinterlassen. Vogelschützer hatten von Anfang an gewarnt, die Tiere vertreiben zu wollen.

Dufner will nun in Kempten nachfragen. Dort hat die Stadt Drohnen eingesetzt. Die kleinen Hubschrauber kann man für 400 Euro kaufen, allerdings müsste jemand stundenlang die Fernbedienung betätigen, sagt Sepp. Die Expertin hält davon gar nichts: "Das ist völlig ungerichtet, sprengt die Vögel auseinander und führt zu neuen Splitterkolonien."