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Verkehrsmodell:Mehr Aufenthaltsqualität

Brucks Grüne fordern ein schlüssiges Innenstadtkonzept

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Grünen vermissen ein schlüssiges Verkehrskonzept für die Innenstadt. In einem Antrag an Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) spricht sich deshalb Verkehrsexperte Thomas Brückner namens seiner Fraktion für eine bessere Verkehrslenkung und -beruhigung aus. Den Boden bereiten soll "ein integriertes Gesamtkonzept mit einem Maßnahmenpaket", als Basis dienen sollen aktuelle Daten aus den Voruntersuchungen zum Verkehrsentwicklungsplan (VEP).

In seiner Begründung verweist der Sprecher des Verkehrsforums FFB auf die seit fast 20 Jahren andauernden Diskussionen und Untersuchungen. Brückner erhofft sich von den aktuellen Verkehrszählungen und Haushaltsbefragungen Aufschluss darüber, was sich relativ schnell machen lässt - im Gegensatz beispielsweise zu langwierigen Umfahrungsprojekten.

Der VEP-Prozess soll im Frühjahr 2021 abgeschlossen werden - mit der Vorlage eines Maßnahmen-Katalogs. In der Ausarbeitung eines Verkehrsmodells, das Einzelmaßnahmen bündelt und auf ihre Wirkung überprüft, sieht Brückner "die logische Fortführung des VEP-Prozesses". Berücksichtigt werden solle der Bereich von der Puchermühlstraße im Westen bis zur inneren Dachauer Straße im Osten, von der historischen Amperbrücke im Süden bis zum Knotenpunkt Augsburger/Marthabräustraße einschließlich Kapellen- und innere Maisacher Straße im Norden.

Ziele sind laut Stadtratsbeschluss eine Reduzierung und Verflüssigung des motorisierten Verkehrs - vor allem im Verlauf der Bundesstraße zwei - sowie eine Attraktivitätssteigerung und höhere Aufenthaltsqualität in den Einkaufsstraßen. Zudem sollen die Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer steigen und der öffentliche Nahverkehr beschleunigt werden.

Die Grünen haben schon sehr konkrete Vorstellungen. So wünschen sie sich eine Verkehrsberuhigung in Teilen der Schöngeisinger und Pucher Straße. Durch Tempo 20 und die bauliche Umgestaltung ähnlich eines Shared-Space-Bereichs soll das bloße Durchfahren unattraktiver werden - zugunsten der Radfahrer und Fußgänger. Werde die innere Dachauer Straße in das Konzept integriert, so sei darauf zu achten, dass kein motorisierter Verkehr in die nördlich angrenzenden Wohngebiete verdrängt werde.

Der Viehmarkt soll zur neuen Mitte der Altstadt werden, wo - im Gegensatz zur Hauptstraße - ein Aufenthalt ohne Lärm und Abgase möglich sein soll. Im Vordergrund stehe die Aufenthaltsqualität, Bausteine könnten begehbarer Brunnen, Spielplatz und Platz für Märkte und Feste sein. Die Tiefgarage solle allein von der Pucher Straße aus angebunden werden, sofern ein zusätzlicher Verbund über jene des AEZ an der Schöngeisinger Straße nicht möglich ist. Brückner: "Eine Zufahrt über die Wohnstraße Ludwigstraße lehnen wir strikt ab."

Recht konkrete Vorstellungen haben die Grünen auch hinsichtlich einer Einbahnstraßenregelung und eines Kreisverkehrs für die Maisacher Straße und den Knoten Augsburger/Marthabräustraße sowie eine Optimierung des Busverkehrs und eine Reduzierung oberirdischer Parkplätze. Brückner erinnert zudem an Vorschläge des Verkehrsforums, Teile von Schöngeisinger und Pucher Straße zu Einbahnstraßen zu machen und vermehrt auf Kreisverkehre zu setzen.

Thomas Brückner kommt zu dem Schluss, dass sich durch eine "massive Fuß- und Radverkehrsförderung und die weitere Optimierung des ÖPNV-Angebotes" der Umstieg auf den Umweltverbund beschleunigen lässt und viele Fahrten mit dem eigenen Auto letztlich überflüssig werden.

© SZ vom 26.01.2021
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