Verkehrsinfrastruktur Auch ohne Auto mobil

Der Landkreis will den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen. Möglichst flächendeckend sollen Fahrgäste künftig von Bahn und Bus sogar aufs Leihfahrrad umsteigen können

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Der Landkreis arbeitet mit Nachdruck daran, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver zu machen und den Menschen den Umstieg vom eigenen Auto auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu erleichtern. Künftig soll sich die Wahl der öffentlichen Verkehrsmittel für die Fahrgäste leichter verbinden lassen, indem an bestimmten Verkehrsknotenpunkten - genannt Mobilitätsstationen - Umsteigemöglichkeiten bestehen zwischen klassischem ÖPNV wie Bahnen, Bussen, Ruftaxis, zwischen buchbaren Verkehrsmitteln wie Bike- und Carsharing und zwischen sogenannten sanften Fortbewegungsformen wie zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren. Dafür soll im Landkreis ein übergreifendes Netz an Mobilitätsstationen mit einheitlichen Standards aufgebaut werden.

Brucker Bus-Bahnhof.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Wie Martin Imkeller, seit vorigem Herbst zuständiger Koordinator im Fürstenfeldbrucker Landratsamt, im Energie-, Umwelt- und Planungsausschuss des Kreistags berichtete, erhielten mittlerweile alle 23 Städte und Gemeinden im Landkreis entsprechende Standortvorschläge für solche Mobilitätsstationen. Die können sich in Bahnhofsnähe, aber auch in Innenstädten befinden. Bis Ende April sollen die Kommunen dies in ihren Gremien diskutieren und Rückmeldung geben.

Bahnhof Buchenau.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Imkeller, studierter Geograf, hatte sich bereits in seiner Masterarbeit mit sogenannten multimodalen Schnittstellen beschäftigt. Der Landkreis will die teils unterschiedlichen Planungen einzelner Kommunen auf ein gemeinsames Ziel hin ausrichten. Die Kommunen können die Vorschläge zwar ablehnen, allerdings sei "nur ein flächendeckendes Netz auch nutzerfreundlich", sagt Imkeller der SZ.

Als Vorbild könnte der Landkreis München gelten, der als bundesweit erster Landkreis zumindest ein nahezu flächendeckendes Leihradsystem einführt. Im vorigen Oktober eröffnete die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in Garching die erste Mietrad-Station außerhalb der Landeshauptstadt. Die blau-grauen Fahrräder können alle nutzen, die sich die zugehörige MVG-App heruntergeladen haben. In die Standortplanung des Brucker Landkreises flossen deshalb auch Erkenntnisse aus dem Bikesharing des Landkreises München ein. Berücksichtigt wurden daneben auch vom Münchner Verkehrsverbund (MVV) erhobene Fahrgastzahlen, Bevölkerungszahlen, die Verteilung von Arbeitsplätzen und touristischen Zielen sowie räumliche Begebenheiten. Die Standards sollten einheitlich sein, betont Imkeller, damit es möglich werde, ein Rad an der einen Stelle auszuleihen und an anderer Stelle zurückzugeben. Auch ein einheitliches Erscheinungsbild sei wichtig. Deshalb soll eine Stele mit Logo entstehen, die künftig auf die Mobilitätsstation hinweist.

S-Bahnnetz und Bussystem im Landkreis gelten als gut ausgebaut und leistungsfähig. Leihräder, wie jene des Münchner Verkehrsverbundes in Garching fehlen aber noch weitgehend.

(Foto: Robert Haas)

Mit potenziellen Leihrad- und Leihauto-betreibern hat der Landkreis bereits Kontakt aufgenommen. Ein Treffen mit Bürgermeistern, Kreistagsreferenten, Vertretern des Energiewendevereins Ziel 21 und der Kreisverwaltung hatte vor einem Vierteljahr ergeben, dass in den Kommunen die Einsicht durchaus vorhanden ist, dass ein solches Netz an Mobilitätsstationen Sinn macht, sich aber die Anforderungen und bereits angebotenen Verkehrsdienstleistungen bisweilen recht deutlich unterscheiden. In Germering zum Beispiel wurde, angeregt durch eine Initiative zur Fahrradförderung in der Kraillinger Innovationsmeile (Kim) im Nachbarort, am S-Bahnhof Germering-Unterpfaffenhofen eine Fahrradverleihstation der Firma Nextbike mit sieben Plätzen eingerichtet. Ein Carsharing will in diesem Jahr die Firma Strom Germering mit vier Elektroautos aufbauen, in Grafrath soll im Sommer ein Kleinwagen zum Ausleihen zur Verfügung stehen. Auch sind bereits einige Kommunen mit dem Aufbau einzelner Elektro-Ladesäulen befasst. In anderen Kommunen wie Alling, Egenhofen, Emmering oder Türkenfeld gibt es solche Angebote noch nicht.

Künftig soll es vier Kategorien von Mobilitätsstationen geben, je nachdem welche Verkehrsmittel dort miteinander verknüpft werden sollen. An einzelnen Standorten will man sich lediglich mit Bikesharing als Ergänzung zum klassischen Öffentlichen Nahverkehr zufrieden geben. An allen Stationen ist zudem geplant, konventionelle Fahrradabstellanlagen auf- und auszubauen oder auch Schließfächer - sogenannte Quartiersboxen - für Anlieferung und Aufbewahrung einzurichten. Die Mobilitätsstationen sollen zudem eine gute Anbindung an das Straßen- und Wegenetz haben.