Verkehrserziehung Anlass zum Nachdenken

Rettungskräfte zeigen den Schülern, wie drastisch es aussehen kann, wenn sie sich um Unfallopfer kümmern müssen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gymnasiasten befassen sich mit den Gefahren beim Fahren

Von Julius Giehr, Fürstenfeldbruck

Blinkende Scheinwerfer, bunte Lichtschlangen und laute Discomusik von einem DJ - Merkmale, die einen nicht unbedingt an eine Veranstaltung im schulischen Rahmen erinnern. Dennoch verlief so zumindest der Beginn des vom Viscardi-Gymnasium veranstalteten Projekts. Unter dem Motto "Discofieber" wurden der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums am Montagmorgen Folgen und Gefahren im Straßenverkehr unter dem Einfluss von Drogen, Handy und überhöhter Geschwindigkeit aufgezeigt.

Das Vorhaben wird vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat der Schule organisiert. "Ein tolles Projekt", findet auch der Schulleiter des Gymnasiums, Walter Zellmeier. Beim Lob legt er ein besonderes Augenmerk auf die Organisatoren, die die Veranstaltung überhaupt erst möglich gemacht haben. So waren unter anderem ehrenamtliche Mitglieder der Feuerwehr Fürstenfeldbruck, des Technischen Hilfswerks, des Rettungsdienstes sowie des Malteser Hilfsdienstes anwesend.

Die Initiative für dieses Projekt ging von Elternbeirat Robert Krenn aus. Wie er erläutert, seien mittlerweile die Hälfte aller Autounfälle auf die Benutzung von Mobiltelefonen während der Fahrt zurückzuführen. Zudem seien primär junge Autofahrer im Alter von 18 und 24 Jahren aufgrund von Alkoholeinfluss und hohen Geschwindigkeiten in Verkehrsunfälle verwickelt. Diese "tragischen Unfälle", so Krenn, wären wohl auch ausschlaggebend dafür gewesen, das Projekt schlussendlich anzupacken.

Die Vorträge der einzelnen Referenten drehen sich rund um Erzählungen von miterlebten Verkehrsunfällen. Dabei stehen aber vor allem die Emotionalitäten im Vordergrund, die oft "verantwortlich für unser Verhalten im Straßenverkehr sind", so Andrea Kriegner vom Landesamt.

Das empfand auch Schüler Maximilian Krenn als sehr lehrreich. "Somit konnte weit mehr als das plumpe Alkohol-ist-böse-Thema behandelt werden", so Krenn. "Verletzte Kinder und junge Erwachsene sind besonders tragisch", sagte Thomas Bethke, der seit 30 Jahren als Notarzt tätig ist. Diese Einsatzerlebnisse könnten auch zu posttraumatischen Störungen bei den eingesetzten Rettungskräften führen. "Ihr habt das Leben noch nicht gehabt", rechtfertigt Stefan Seitz vom Technischen Hilfswerk das erhöhte Angstniveau, wenn es um das Bergen von Kindern geht.

Zum Abschluss der Veranstaltung schildert die stellvertretende Leiterin des Malteser Kriseninterventionsteams, Carmen Sturz, wie sie Eltern die Nachricht vom Verkehrsunfall des Kindes überbringen muss. Dies bewertet sie als "eine der schlimmsten Aufgaben". Eindrucksvoll beschreibt sie die Fassungslosigkeit und das Entsetzten der betroffenen Eltern und erreicht somit wohl den Großteil der Schüler.

Geht man nur von der Reaktion der Schüler aus, so scheint das Projekt ein voller Erfolg gewesen zu sein. Während der ganzen Vorstellung herrscht Stille, wie sonst wohl kaum in einer normalen Unterrichtsstunde. Klara Jordan, die vor einem halben Jahr erst ihren Führerschein gemacht hat, erzählt: "Dass ich nicht betrunken fahren will, war mir schon davor klar." Jedoch will sie nun auch besonders darauf achten, sich nicht von ihrem Handy ablenken zu lassen. Das Risiko sei einfach zu hoch.

Schüler Maximilian Stahl betont, dass vor allem die realistischen Berichte der Referenten einen nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterlassen hätten. Sie hätten ihm geholfen, die jeweiligen Situationen auf sein eigenes Leben zu beziehen, was ihn zusätzlich abgeschreckt habe. Seine Konsequenzen aus der Veranstaltung habe er bereits gezogen. Er will in Zukunft mehr aufpassen, mit wem er im Auto mitfährt. Und eines hat er sich vorgenommen: Andere davon abhalten, unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol zu fahren.