Fürstenfeldbruck:Möblierter Straßenrand

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In etwa so wird es auch an der Schöngeisinger Straße aussehen: Auf dem Parkplatz der Stadtbücherei Aumühle sind bereits Holzmöbel und Pflanztröge aufgestellt worden, die von der Technischen Universität zur Verfügung gestellt werden. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Auf einem Abschnitt der Schöngeisinger Straße gilt Tempo 20. Die Verkehrsberuhigung soll im Sommer durch Holzfertigelemente mit Sitzgelegenheiten und Pflanztröge stärker ins Bewusstsein rücken.

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Schöngeisinger Straße soll an einigen Stellen "möbliert" werden. Damit soll das im innerstädtischen Abschnitt geltende Tempolimit 20 stärker im Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer ankommen und zudem die Aufenthaltsqualität in diesem "verkehrsberuhigten Geschäftsbereich" für Kunden und vor allem für Passanten, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, steigen. Noch in diesem Sommer sollen vor allem schräg gegenüber dem AEZ zwei Holzelemente und im weiteren Verlauf mehrere Pflanzentröge aufgestellt werden, wie es sie in ähnlicher Form bereits vor der Stadtbibliothek gibt.

Auf Höhe der Hausnummern 41 und 42 soll auf einem Stellplatz (links) ein sogenanntes Parklet aus Holz aufgestellt werden, ... (Foto: Carmen Voxbrunner)
...ein weiteres gegenüber dem AEZ auf Höhe der Hausnummern 51 und 53 (Foto: Carmen Voxbrunner)

Zwei Parkplätze sollen dadurch zumindest vorerst wegfallen. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll die Bushaltestelle am südlichen Straßenrand verlegt und barrierefrei umgestaltet werden - zusammen mit dem neuen überdachten Wartebereich kostet dies drei bis vier Parkplätze. Die CSU-Fraktion lehnt Tempo 20 ebenso ab wie die Möblierung, solange die Maßnahmen nicht in ein umfassenderes Verkehrskonzept eingebettet sind.

Einfach nur Schilder aufzustellen reiche nicht, heißt es. Fernziel könnte Shared Space sein

Die Holz-Fertigelemente mit Sitzelementen, die zum Verweilen und zum Treffen mit Freunden animieren sollen, werden von der Technischen Universität zur Verfügung gestellt. Die Kosten der Stadt fürs Aufstellen und den Unterhalt sind somit sehr überschaubar. Mobilitätsmanagerin Montserrat Miramontes wies bei der Vorstellung im Fachausschuss darauf hin, dass die Verkehrsberuhigung der Schöngeisinger und künftig auch der Pucher Straße in dem vor drei Jahren einstimmig beschlossenen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) verankert sind. Ausdrückliches Ziel ist es, die Stadt "sicher, ökonomisch effizient, sozial gerecht, gesundheitsfördernd, umweltfreundlich und klimaschonend" zu gestalten. Das geht zwangsläufig auf Kosten des fließenden und ruhenden Autoverkehrs.

Tempo 20 gilt im Abschnitt zwischen Lederer- und Kapuzinerstraße seit zwei Jahren, vor einem Jahr wurde es beschränkt auf werktags von 6 bis 20 Uhr. (Foto: Jana Islinger)

Einfach nur Schilder aufzustellen sei aber nicht genug. Um Wirkung zu entfalten und angenommen zu werden, bedürfe es einer baulichen Umgestaltung. Das könnte auch eine "sanftere" Trennung von Fahrbahn und Gehweg sein, die eine gemeinsame Nutzung durch motorisierte und nicht motorisierte Akteure ermöglichen würde. Bekannt ist das Modell als "Shared Space" (geteilter Raum). Das allerdings wäre baulich aufwendig und somit teuer. Die kostenlose und eher punktuelle Holzmöblierung ist als pragmatische Zwischenlösung gedacht. Ergänzt wird sie durch zusätzliche Fahrradständer auf der Fläche von zwei Parkplätzen.

Ermöglicht wird die ganze Maßnahme durch die formale Herabstufung der Schöngeisinger Straße von einer Staats- zur Gemeindestraße - über die nun die Stadt Planungshoheit hat. Tempo 20 gilt dort im Abschnitt zwischen Ledererstraße und Kapuzinerstraße seit zwei Jahren, vor einem Jahr wurde es beschränkt auf werktags von 6 bis 20 Uhr.

Die CSU lehnt Tempo 20 ab und will nicht auf Parkplätze verzichten

Am Sinn des ganzen Konzepts zweifelt die CSU. "Wir wollen es so nicht", sagte Franz Höfelsauer. Tempo 20 habe sich eher als Gefahrenquelle erwiesen. Und mit dem Wegfall von Parkplätzen vergraule man die Leute. Einer im VEP verankerten Tempo-20-Zone habe man nur unter der Bedingung zugestimmt, so Andreas Lohde, dass zuvor die Bundesstraße 2 aus der Stadtmitte herausverlegt wird und die Stadt auch Planungshoheit über die Hauptstraße erlangt.

Stadtbaurat Johannes Dachsel bestritt allerdings nachdrücklich eine Verbindung zwischen VEP und der wohl frühestens im Jahre 2050 realistischen B-2-Verlegung. Der Bauamtsleiter warnte davor, bei der Verkehrsberuhigung "auf die Premiumlösung" zu warten - "und wir diskutieren uns zu Tode und nichts geht voran". Er plädierte für die Umsetzung der vorliegenden "Minimallösung" und dafür, zu schauen, was passiert. Städte wie Freising und dortige Läden hätten mit viel konsequenteren Modellen beste Erfahrungen gemacht.

Brückner will mehr Bäume und greift damit eine Empfehlung der Stadtklimaanalyse auf

Thomas Brückner (Grüne), der sich seit vielen Jahren für die Verkehrsberuhigung und in der Fortführung für Einbahnstraßenkonzepte einsetzt, geht diese Minimallösung denn auch nicht weit genug. Ihm fehlt es an Grün. Konkret schlägt er neun Standorte für weitere Bäume vor. Eine Forderung, die eine Erkenntnisse der kurz zuvor vorgestellten Stadtklimaanalyse aufgreift. Aus der Expertise geht hervor, dass in den kommenden Jahren die nächtlichen Durchschnittstemperaturen um mehr als zwei Grad steigen werden und es auch mit Dach-, Fassaden oder Innenhofbegrünungen kaum getan sein dürfte. Es sei ratsam, Bäume mit Schatten spendenden Kronen zu erhalten und neu zu pflanzen.

Hört man sich bei Geschäftsleuten und Kunden an der Schöngeisinger Straße um, dann bietet sich ein uneinheitliches Bild. Der Wegfall weiterer Parkmöglichkeiten wird mit Sorge beobachtet. Gleichwohl sei es sehr zu begrüßen, wenn der verkehrsberuhigte Geschäftsbereich als solches auch baulich aufgewertet werde und die Aufenthaltsqualität steige, sagt eine Ladenbesitzerin. Auch mehr Sitzmöglichkeiten jenseits der Gastronomie seien zu begrüßen.

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:Pro und Contra Straßenmöbel

In Fürstenfeldbruck soll die Tempo-20-Zone auf einem Abschnitt der Schöngeisinger Straße baulich stärker kenntlich gemacht werden - das kostet Parkplätze.

Kommentare von Heike A. Batzer und Erich C. Setzwein

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