Der immer deutlicher werdende Konflikt zwischen der Kreisstadt Fürstenfeldbruck und den Anliegergemeinden des Fliegerhorstes ist auch der Immobilienwirtschaft nicht verborgen geblieben. Als Hauptproblem sehen Olching, Maisach und Emmering die hohe Verkehrsbelastung an, die sich ergeben könnte, wenn auf dem Kasernenareal Wohnungen für einige Tausend Menschen und Tausende Arbeitsplätze entstehen. Die Nachbar-Kommunen möchten insgesamt mehr in die Planungen für das Großprojekt einbezogen werden, heißt es im aktuellen Marktbericht des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), der sich insbesondere mit den Folgen der Pandemie auf den Immobilienmarkt befasst.
Auch der IVD geht davon aus, dass die Bundeswehr den Fliegerhorst im Jahr 2026 verlässt und dass im Anschluss die Stadt Fürstenfeldbruck das Areal erwerben und verwerten kann. Mittelfristig sehen die Immobilienexperten "enormes Entwicklungspotenzial". Die Schaffung neuen Wohnraums scheint auch dringend nötig zu sein in einer Region, in der Eigentumswohnungen und Doppelhäuser Tag für Tag an Wert gewinnen. Selbst von der Corona-Krise zeige sich der Wohnimmobilienmarkt im Münchner Umland "größtenteils unbeeindruckt", stellt der IVD fest. Die Kaufpreise seien weiter deutlich angestiegen, erklärt Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts bei einer Video-Pressekonferenz. Nur der Mietmarkt habe sich etwas verhaltener entwickelt. Während die Kaufpreise für Eigentumswohnungen zwischen 2015 und 2020 im Durchschnitt der Kreisstädte um 55 Prozent stiegen, verteuerten sich laut IVD Mietwohnungen um 23 Prozent. In der kurzfristigen Betrachtung seit Frühjahr 2020 seien die Mieten in Freising, Erding und Starnberg konstant geblieben, für Dachau, Ebersberg und Fürstenfeldbruck weist der IVD-Marktbericht "moderate Preissteigerungen" aus. Erkennbar zurückgegangen sind die Angebote seit März 2020, was unmittelbar auf die Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens zurückgeführt wird. Seien im Durchschnitt der Kreisstädte des Münchner Umlandes 2019 pro 1000 Einwohner acht Eigentumswohnungen und 7,3 Häuser angeboten worden, so seien es 2020 nur noch 6,9 beziehungsweise 5,6 Objekte gewesen.
Eine andere Rechnung macht das Pestel-Institut auf, kommt aber zum gleichen Ergebnis. Die Mieten steigen deutlicher als die Verbraucherpreise, stellt das Forschungsinstitut fest, das sich als Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Verbände sieht. Das trifft vor allem Geringverdiener. Die vom Job-Center übernommenen Mieten für Single-Haushalte seien von März 2014 bis August 2020 um 38,1 Prozent gestiegen, während die Verbraucherpreise in nur um 6,5 Prozent zulegt hätten, heißt es in der am Freitag vorgelegten Wohnungsmarktanalyse. "Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist." Dabei bauen Vermieter auf die Job-Center als zuverlässige Zahlstelle, auch wenn diese nur die Kosten für Wohnungen einfachen Standards übernehmen.
Auf genau diese Wohnungen sind aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern eben auch die vielen anderen Haushalte mit niedrigen Einkommen", sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Das Angebot an günstigen Wohnungen sei rar. Gerade Neuvermietungen nutzten viele Vermieter, um Maximalmieten zu erzielen. Ein weiterer Grund, so das Pestel-Institut, sei der Mangel an sozial gefördertem Wohnraum. "Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptieren muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen", so Günther.