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Verkehr:Gröbenzell verleiht kostenlos Fahrräder

Unkompliziert ist das neue Konzept für Leihräder in Gröbenzell, das Bürgermeister Martin Schäfer (Mitte) am Mittwoch vorgestellt hat.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Als erste Kommune im Landkreis wagt die Gemeinde einen Versuch. Nutzer müssen sich registrieren

Von Ariane LindenbacH, Gröbenzell

Einfach, schnell und vor allen Dingen kostenlos können in Gröbenzell seit Mittwoch Fahrräder ausgeliehen werden. Bürgermeister Martin Schäfer präsentierte das neue Projekt namens "Frei.Leih.Rad" am Vormittag bei einer der beiden Verleihstationen am S-Bahnhof Gröbenzell. Wie er betonte, hatte ihn der damalige Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister Klaus Pleil auf die Idee gebracht. Bis zur Verwirklichung dauerte es aber fünf Jahre. Doch nun stehen die aufbereiteten Fundräder allen Bürgern von 16 Jahren an zum Ausleihen nach einer Registrierung bereit.

Die lange Vorbereitungszeit hat sich offenbar gelohnt. Ehrenamtlich hergerichtet von Eugen Schlegel und einheitlich markiert - das Design harmoniert farblich mit dem der Gemeinde und enthält auch das Ortswappen - stehen jeweils sieben Leihfahrräder auf beiden Seiten der S-Bahnlinie bereit. Geparkt sind sie im hinteren Bereich der Fahrradständer, nahe dem Gröbenbach. Eine im selben Farbton gehaltene Tafel weit darauf hin, dass dieses Abteil nur für die Leihräder reserviert ist. Außerdem - und das dürfte der entscheidendere, weil haftungsrechtlich relevante Teil sein - werden die Nutzer darauf hingewiesen, dass sie vor jeder Fahrt selbst dafür verantwortlich sind, das Fahrrad auf seine Verkehrstüchtigkeit zu prüfen.

Bremsenfunktion, Licht vorne und hinten, Reifenluftdruck sowie Schrauben sind explizit aufgeführt, außerdem der Hinweis, dass das Leihrad bei einem Mangel nicht mehr genutzt und der Gemeinde als defekt gemeldet werden soll.

Damit und mit der für die Registrierung (unter www.freileihrad.de) notwendigen Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen kann die Gemeinde ihr Haftungsrisiko weitgehend reduzieren. Denn haftungsrechtliche Fragen waren offenbar einer der schwierigeren Punkte bei dem zunächst als Testlauf angedachten Projekt. "Es war nicht so einfach, wie ich mir das am Anfang vorgestellt habe", berichtet der Gröbenzeller Bürgermeister dem guten Dutzend Anwesenden, darunter Mitarbeiter der Rathausverwaltung wie die Fahrradbeauftragte Lina Wenzel, einige Gemeinderäte sowie Gottfried Obermair. Den Vorsitzenden des Energiewendevereins Ziel 21 interessiert die umweltfreundliche und unkomplizierte Art der Mobilität.

Wie Schäfer erläutert, mussten zunächst ein Konzept ausgearbeitet und juristische Fragen geklärt werden, etwa wer bei einem Unfall mit einem Leihrad haftet. Das war nach seinem Wissen auch der Punkt, an dem Pleils Idee in Fürstenfeldbruck damals scheiterte. Die Gemeinde Gröbenzell beauftragte daher eine Rechtsanwaltskanzlei, Kostenpunkt: etwa die Hälfte der 5500 Euro Gesamtkosten. Für das Projekt kann die Gemeinde Gröbenzell als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommune allerdings noch bis zu 80 Prozent Zuschuss erhalten. "Vielleicht gibt es Nachahmer, dann freu' ich mich", wirbt der Bürgermeister. Ein recht überzeugt wirkender Obermair verspricht, für die Freileihräder zu werben.

Auch über alle möglichen Eventualitäten hat man sich im Voraus Gedanken gemacht. Sollten die Zahlenschlösser mit dem wechselnden Code zu oft fehlen, werden sie an die Räder geschraubt. Werden die Räder nicht zu den Stationen zurückgebracht und irgendwo gesehen, können Bürger sie der Gemeinde zur Abholung durch den Bauhof melden. "Wir werden uns nicht beim ersten Vandalismus demoralisieren lassen", aber wenn nach ein paar Wochen keines der von Eugen Schlegel ehrenamtlich hergerichteten Leihräder mehr da sei, "können wir natürlich nicht weitermachen", betont er.

© SZ vom 02.07.2020

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