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Verkehr Fürstenfeldbruck:Schlecht überbrückt

Grüne und Freie Wähler kritisieren das CSU-"Pilotprojekt" eines schnellen dreigleisigen Ausbaus der S-Bahnlinie 4. Für einen vierten Schienenstrang müssten 14 Überführungen umgebaut werden

Michael Pausch (FW) und Martin Runge (Grüne) fordern einen sofortigen viergleisigen Ausbau der S4 zwischen Pasing und Fürstenfeldbruck. Es sei unsinnig, wenn die CSU-Landtagsabgeordneten einen dreigleisigen Ausbau bis Eichenau plus eine Machbarkeitsstudie für ein späteres viertes Gleis unterstützen, lautet ihr Tenor. Bei dieser Kombination müssten bis zu 14 Brückenbauwerke wieder umgebaut werden. Pausch und Runge reagieren damit auf die Ankündigung eines "Pilotprojekts für einen beschleunigten Ausbau der S4" durch Benjamin Miskowitsch und Alex Dorow.

Der aktuelle Stand ist, dass die Bahn AG ab 2025 ein drittes Gleis bis Eichenau verlegen soll, während vor Pasing auf vier Gleise erweitert wird. Dorow und Miskowitsch wollen, dass dieses dritte Gleis "deutlich früher" als 2030 in Betrieb geht. Sie lobten ihren Antrag als "Blaupause" für andere Projekte in Bayern. Wann die Machbarkeitsstudie für ein viertes Gleis bis Bruck vorliegt, die Verkehrsminister Hans Reichart (CSU) angekündigt hat, ist ungewiss. Während das Ministerium jetzt behauptet, der dreigleisige Ausbau behindere ein späteres viertes Gleis nicht, weisen Kritiker darauf hin, dass die Regierung jahrelang das Gegenteil erklärt hatte. Der Landtagsabgeordnete Runge hat deshalb eine detaillierte Anfrage eingereicht. Er fragt nach, welche Maßnahmen für die Brücken zwischen Pasing und Eichenau aktuell für das dritte Gleis vorgesehen sind. Außerdem will Runge wissen, welche Grundstücke vom Freistaat oder der Bahn AG seit 2007 zwischen Buchenau und Pasing verkauft wurden, die für einen viergleisigen Ausbau gebraucht werden würden.

Zunächst für drei Gleise und später erneut für den vierten Schienenstrang müssten Brücken entlang der S4 umgebaut werden, dazu gehört unter anderem die Unterführung am Eichenauer Bahnhof.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Anlass sind Bemerkungen der CSU-Politiker Dorow und Miskowitsch, wonach ein viergleisiger Ausbau nicht ohne Eingriffe in private Grundstücke möglich wären. Die Machbarkeitsstudie von 2004/2005, für die die Regierung damals etwa 120 000 Euro ausgegeben hat, sah vier Gleise bis Buchenau ohne Probleme vor.

Dass Dorow und Miskowitsch von "Beschleunigung" und "Pilotprojekt" schreiben, halten Pausch und Runge für einen schlechten Witz. "Die CSU im Landkreis hat den Ausbau der S4 seit drei Jahrzehnten nicht vorangebracht, obwohl die CSU im Land immer regiert hat", sagt Pausch, der einer landkreisweiten FW-Arbeitsgruppe zum Bahnausbau angehört. Runge erinnert daran, dass die Bundesbahn schon 1991 den Auftrag erhielt, die Infrastruktur für einen Zehn-Minuten-Takt bis Buchenau herzustellen. Davon war nicht mehr die Rede, seit feststand, dass die Kosten für die zweite S-Bahnröhre in München explodieren, die CSU, FDP und SPD unterstützten. "Von Beschleunigung zu reden, ist schon reichlich skurril", sagt Runge.

Die Bürgerinitiative "S4-Ausbau jetzt" freut sich zwar über das "Pilotprojekt", das die CSU-Abgeordneten eingebracht haben, und unterstützt die Initiative, allerdings sei der zweite Teil des Antrages "viel zu schwammig und unkonkret formuliert", betont Mirko Pötzsch (SPD), einer der Sprecher. So mahnt die Initiative eine "Konkretisierung" an und will wissen, wie es mit den Brückenbauwerken aussieht.

Sollte die neue, zweite Machbarkeitsstudie zum viergleisigen Ausbau nicht bloß eine "Beruhigungspille" für die Pendler sein, wie Pausch argwöhnt, so würde zuerst fünf bis sechs Jahre an einem dritten Gleis bis Eichenau gearbeitet und ein paar Jahre später würde wieder eine Baustelle für den vierten Schienenstrang eingerichtet. Für alle Fahrgäste bedeutete das zweimal ein langjähriges Chaos, weil solche Bauten den Fahrplan durcheinanderbrächten und Stationen zeitweise geschlossen werden müssten - abgesehen von höheren Kosten.

Die Überführung der Kreisstraße 11 Puchheim ist ebenfalls Ziel der Umbauarbeiten.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Grünen-Politiker Runge fürchtet, dass in Puchheim die Brücke der FFB 11 sowie die Unterführung im Zentrum, in Eichenau die Unterführung für Radler und Fußgänger am Bahnhof und die Unterführung der Staatsstraße gleich wieder neu gebaut werden müssten. Das wäre ein Schildbürgerstreich, weshalb Pausch wie Runge davor warnen, einen dreigleisigen Ausbau für Jahrzehnte zu zementieren.

Runge fordert, zum ursprünglichen Ziel eines Zehn-Minuten-Takts zurückzukehren. Die Regierung soll sofort einen viergleisigen Ausbau bis Bruck angehen. Drei Gleise bis Eichenau seien "bahntechnischer Unsinn, nicht zukunftsfähig, Geldverschwendung und ignorant gegenüber den Bedürfnissen der Bevölkerung", sagt Pausch. Beim vierten Gleis müsse man nicht bei null beginnen, sondern könnte an die Vorplanung der Bahn AG von 2007 anknüpfen, sagt Runge. Ein viergleisiger Ausbau wäre "der beste Beitrag des Landkreises zur CO₂-Einsparung im Verkehrssektor", sagt Pausch. Weitere Gutachten, um der Bevölkerung drei Gleise als ausreichend zu verkaufen, seien überflüssig.

Pausch empfiehlt außerdem ein Sofortprogramm. Die Bahn AG könnte die Engpässe bei Pasing beseitigen, insbesondere das eingleisige Nadelöhr, wo Gegenverkehr und Mischbetrieb von S-Bahn und Regionalzügen zu Verspätungen führen. Außerdem könnte man die drei Bahnübergänge in Aubing beseitigen und die neuen Unterführungen gleich für vier Gleise auslegen, ebenso die Bahnhöfe in Bruck und Puchheim umbauen. Außerdem schlägt der Ingenieur zwei Bauabschnitte vor und würde mit dem Abschnitt zwischen Pasing und Puchheim starten. Die Initiative "S4-Ausbau jetzt" fordert nach dem viergleisigen Ausbau bis Bruck einen weiteren Ausbau bis Geltendorf.