Süddeutsche Zeitung

Verkehr:Alternative Antriebsformen

Global denken, aber lokal handeln gilt insbesondere für die Wege, die alle zurücklegen. Bei der Europäischen Mobilitätswoche im Landkreis sollen die Besucher mit vielen Beispielen und Möglichkeiten die Gelegenheit bekommen, das eigene Verhalten zu überprüfen

Von Dorothea Gottschall, Fürstenfeldbruck

Während auf die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in der bayerischen Landeshauptstadt derzeit die kontroversesten Meinungsbilder projiziert werden, steckt Montserrat Miramontes aus Fürstenfeldbruck inmitten der letzten Vorbereitungen für die diesjährige Europäische Mobilitätswoche (EMW) im Landkreis.

Von Donnerstag, 16. September, bis Mittwoch, 22. September, ist die Kreisstadt unter ihrer Leitung zum dritten Mal in Folge Austragungsort dieser Veranstaltung, das europaweit in zahlreichen Städten stattfinden wird. Gemeinsam mit Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Erich Raff und dem Vorsitzenden von Ziel 21, Gottfried Obermair, stellte sie am Dienstag das Programm vor.

Das sich jährlich ändernde Motto lautet diesmal: "Aktiv, gesund und sicher unterwegs". Es soll zeigen: Nicht nur für den Einzelnen wirkt sich eine Fortbewegung zu Fuß, mit dem (Lasten-)Rad und öffentlichen Mobilitätsformen positiv auf die mentale und physische Gesundheit aus. Auch die Natur profitiert von einem geringeren Ausstoß der Lärm-, Schadstoff- und Treibhausgasemissionen. Nicht zuletzt können platzsparendere Arten der Fortbewegung neue Nutzungsmöglichkeiten für den Stadtraum schaffen, der bisher dem motorisierten Individualverkehr weichen musste. Miramontes selbst denkt da etwa an begrünte Straßen, Spielplätze oder Parkanlagen.

Am Freitag, 17. September, dem internationalen Park(ing) Day, verwandeln insgesamt 16 Künstler, Vereine und Organisationen die Parkplätze entlang der Hauptstraße zwischen Amperbrücke und Pucher Straße in kleine Parkabschnitte. Mit dieser Aktion soll gezeigt werden, wie die jeweils zur Verfügung stehenden 15 Quadratmeter innovativ genutzt werden könnten. Beim Lastenrad-Festival am Sonntag, 19. September, soll unter Beweis gestellt werden, wie vielfältig die Räder genutzt werden können. Unter dem Motto "Cake'n'Cargo" sollen Teilnehmer ein Tortenstück per Lastenrad so heil und schnell wie möglich ins Ziel bringen. Somit erlebt der Weg rund um die Aumühle in Fürstenfeldbruck eine Transformation zur Rennstrecke der besonderen Art. Außerdem möchte der Münchener Verein Freie Lastenradl über die weiteren - und mit Sicherheit alltagstauglicheren - Nutzungsmöglichkeiten von Lastenrädern aufklären und auch Testfahrten anbieten. Wer teilnehmen möchte kann sich unter cake@freielastenradl.de anmelden.

Ein besonders vielseitiges Event erwartet die Besucher der EMW am Dienstag, 21. September, im Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck. An diesem Abend, der ganz im Zeichen des Radfahrens steht, werden zunächst die sportlichen Leistungen des Brucker Stadtradelns 2021 gewürdigt. Im Anschluss an diese von Oberbürgermeister Raff arrangierte Siegerehrung darf sich das Publikum auf die Vorstellung der Reisedokumentation "So weit" freuen. Der im Jahr 2020 gedrehte Film begleitet den Musiker Till Seifert auf seine 1400 Kilometer lange Radtour von der Zugspitze bis nach Flensburg. Wer dann noch nicht genug hat, kann sich an der Podiumsdiskussion zum Thema "Fahrradfahren und Freizeit" beteiligen, die Lutz Bäucker, Mitbegründer der BR-Radltour und stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Bayern, moderiert. Tickets und weitere Informationen gibt es auf www.kino-ffb.de. Schließlich wird am Mittwoch, 22. September, der Fokus vor allem auf die Kinder und Jugendlichen im Landkreis gelenkt. Der internationale "Autofreie Tag", soll Schüler und ihre Eltern dazu einladen, neue Möglichkeiten des Schul- und Arbeitswegs auszuprobieren. Neben den Veranstaltungen in Fürstenfeldbruck, verweist Organisatorin Miramontes auch auf die Kommunen im Umfeld, die in der EMW eine Möglichkeit sahen, ihre ganz eigenen Ideen zu entwickeln. Gröbenzell beispielsweise ruft die Bürger dazu auf, das Auto bewusst daheim zu lassen und diverse Freizeitaktivitäten mit einem alternativem Fortbewegungsmittel zu erledigen. Wer davon den originellsten Schnappschuss einfängt, wird mit einem Preis belohnt. Einsendungen an veranstaltungen@groebenzell.de. Auch Puchheim beteiligt sich mit einem eigens erarbeitetem Programmkonzept. Alle Details finden sich auf www.puchheim.de.

Miramontes hegt sie die Hoffnung, dass die innovativen Ideen im Landkreis Anerkennung finden und als wegweisende Schritte in eine lebenswerte Zukunft betrachtet werden. Nicht zuletzt sei die EMW eine lokale Möglichkeit, um zu zeigen: "Die Mobilitätswende startet im Kopf."

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Quelle:
SZ vom 09.09.2021
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