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Verkehr:Ärger über Tempo 20 in der Einkaufsmeile

An neun Stellen in der Lochhauser Straße sind die Verkehrsschilder angebracht worden. Die Verkehrsberuhigung auf Tempo 20 gehört zum Radverkehrskonzept.

(Foto: Günther Reger)

Die seit dem Herbst geltende Geschwindigkeitsbegrenzung in Pucheim löst vereinzelt Unmut aus. Seit zwei Wochen wird dort nun sogar geblitzt. Der Bürgermeister hält das für gerechtfertigt

Von Peter Bierl, Puchheim

Die Tempo-20-Schilder stehen schon seit dem Herbst in der Lochhauser Straße im Zentrum Puchheims, vom AEZ bis zum Bahnhof gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung und sorgt bei manchen Einwohnern für Unmut. Seit etwa zwei Wochen wird nach Angaben von Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) dort nun auch "geblitzt". Bislang habe man aus Gründen der Kulanz, und um eine Eingewöhnung zu ermöglichen, auf Radarkontrollen verzichtet. Ein SZ-Leser regt sich nun darüber auf. Er hält die ganze Maßnahme für einen Schildbürgerstreich.

"Stellen Sie sich mal an die Straße, dann werden Sie sehen, dass sich niemand dran hält, auch nicht die Busfahrer oder die Radler", berichtet der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die meisten Autofahrer würden weiter mit 50 Stundenkilometern durch die Puchheimer Einkaufsmeile fahren, die Geschwindigkeit der Busse schätzt er auf 40 bis 45, selbst die Radfahrer würden schneller fahren als 20 und E-Bikes kämen sicher über 30 Stundenkilometer. Bislang habe in dem Abschnitt Tempo 40 gegolten, das hätte gereicht, allenfalls wäre noch Tempo 30 akzeptabel gewesen, als Angleichung zur Regelung in den Seitenstraßen. Stattdessen "hagelt es Strafzettel", berichtet der Mann.

Insgesamt seien 54 neue Schilder in unterschiedlichen Größen und Höhen angebracht worden, beginnend etwa beim Einkaufszentrum AEZ bis zur Mitte der oberen Lagerstraße. Für diese "sinnlose Aktion" habe die Stadt in Zeiten knapper Kassen viel Geld ausgegeben. Der SZ-Leser schätzt die Kosten für die Schilder und deren Aufstellung auf etwa 20 000 Euro.

Das sieht der Bürgermeister anders. Der Abschnitt sei als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich ausgewiesen worden, damit habe der Stadtrat einen Vorschlag aus dem Radverkehrskonzept verwirklicht. Der Beschluss sei schon länger getroffen worden, allerdings habe es geraume Zeit gedauert, bis die Schilder ausgeliefert worden sind. Aufgestellt wurden die neuen Verkehrszeichen vor etwa einem halben Jahr. Was den Unmut unter den Bürgern in Puchheim betrifft, der sich etwa in den sozialen Medien regt, räumt Bürgermeister Seidl ein: "Mehr Kommunikation wäre gut gewesen".

Vorher galt im Bereich des AEZ in Richtung Bahnhof tatsächlich Tempo 40, allerdings war der Bereich zwischen Birkengarten und dem Drogeriemarkt Rossmann in der oberen Lagerstraße schon länger als Tempo 20-Zone ausgewiesen, sagt Andre Ameri, der Referatsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadt. Er bestätigte die Zählung des SZ-Lesers, wonach insgesamt neue 54 Schilder aufgestellt wurden und zwar an neun Standorten mit jeweils sechs Hinweisen in verschiedenen Richtungen. Für die Geschwindigkeitsbegrenzung, die vorher in dem Abschnitt galt, seien insgesamt 65 Verkehrsschilder aufgestellt gewesen. Die Kosten für die neuen Schilder bezifferte Ameri auf 6600 Euro.

© SZ vom 12.03.2021
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