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Veranstaltung:Puchheims Musiker spielen auf

Der Kulturverein feiert sein 40-jähriges Bestehen und lädt dazu Ensembles ein, die er fördert

Es sind gerade die ersten Töne von "We Will Rock You" erklungen, da schießen die Smartphones in allen Ecken des Béla-Bartók-Saals in die Höhe. Kein Elternpaar will es versäumen, den ersten großen Auftritt seines Kindes im Kulturzentrum Puc festzuhalten. Viele der 26 Schüler, die zur Bläserklasse der Puchheimer Grundschule Süd gehören, lernen ihr Instrument erst seit September. Dennoch haben es die Musiklehrer Dieter Kanzleiter und Bea Juttner geschafft, drei bühnenreife Stücke mit den Nachwuchsmusikern einzustudieren. Vorgeführt haben die Kinder das Erlernte nun im Rahmen des Festkonzerts "Mit Pauken und Trompeten", mit dem der Kulturverein Puchheim am Samstag sein 40-jähriges Bestehen feierte. Insgesamt traten aus diesem Anlass elf unterschiedliche Musikgruppen auf, die auf die eine oder andere Weise mit der Arbeit des 1979 gegründeten Vereins verknüpft sind.

Junge Kultur zu fördern, ist ein erklärtes Ziel des Vereins. Deswegen pflegt man im Vorstand auch engen Kontakt zu Musikschulen und Pädagogen. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Puchheim als außergewöhnlich stark herausgestellt, was die Formation von Jugendorchestern angeht. Mit dem Jugend-Jazz-Streichorchester "Bluestrings" und dem, aus dem Kulturverein hervorgegangenen, Puchheimer Jugendkammerorchester gibt es mindestens zwei Ensembles, die mittlerweile über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt sind. Beide traten nicht auf. Doch dazu zählen darf man auch die Bigband des Gymnasiums. Für sie war es der dritte Samstag in Folge auf der Puc-Bühne. Unter der Leitung von Reinhard Friedl gab es Swing, Rock und Samba zu hören, darunter Larry Neecks "Swing Machine" und "Brazil" von Ary Barroso.

Neben der Bigband war das Gymnasium auch mit seinem Sinfonieorchester, der Salsaband und dem Trommel-Ensemble "Drumtastics" vertreten. Für das Sinfonieorchester hat der Posaunist und diesjährige Abiturient Lukas Born den dritten Satz aus dem Posaunenkonzert von Nikolai Rimski-Korsakow für die andere Besetzung umgeschrieben. Diese Leistung betont Friedl ausdrücklich. Auch stellt er jeden der zahlreichen Schüler, die während der Konzerte eine Solo-Einlage spielen, später namentlich vor. Was Friedl da tut, ist pädagogisch sehr wertvoll. Es ist gewiss keine leichte Aufgabe, junge Menschen dauerhaft für kulturelles Engagement, vor allem im scheinbar wenig aufregenden lokalen Rahmen, zu begeistern. Während die Grundschüler ihre Notenständer noch voller Enthusiasmus auf die Bühne tragen und ihren Eltern begeistert von dort zuwinken, flaut die Lust an solchen Aktivitäten oft irgendwann ab. Dass am Gymnasium Puchheim jedoch insgesamt mehr als 300 Schüler - nicht alle waren im Puc dabei - in mehreren Musik-Formationen mitwirken, ist nicht zuletzt dem Engagement von Kultur-Aktiven zu verdanken, die häufig auch einen großen Teil ihrer Freizeit dafür aufbringen.

Innovativ denkende Musiklehrer wie Friedl sind solche Aktiven. Auch die anderen musikalischen Gäste des Abends, wie der Puchheimer Posaunenchor oder das Blasorchester, die die Kultur im Ort am Leben halten, gehören dazu. Und die Mitglieder des Kulturvereins, die seit 40 Jahren Kunstausstellungen, Konzerte und andere Aufführungen realisieren, sowieso. Ihnen dankte Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) in seiner Ansprache ganz besonders. Es sei ein Glück, einen solchen Verein in Puchheim zu haben, so Seidl, denn Kultur fördere auch Toleranz im sozialen Miteinander. Natürlich, da stimmt er mit der Vorsitzenden Elke Paulus überein, sei ein Generationenwechsel erwünscht. Denn alle Vorstandsmitglieder befinden sich inzwischen im Rentenalter. Bei so viel Jugend auf der Bühne wäre es für den Anfang schon erfreulich gewesen, wenn sich in dem, gerade in der zweiten Hälfe des Abends gut besuchten, Saal auch noch ein paar mehr junge Leute unter das Publikum gemischt hätten.