Veränderte Naturlandschaft Das verschwundene Rückhaltebecken

Als Schutz vor Hochwasser gedacht, nun mit Erde aufgefüllt: eine Ackermulde zwischen Loitershofen und Nassenhausen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mammendorfs Gemeinderat fürchtet um den Hochwasserschutz an der Maisach, weil ein Landwirt eine große Ackermulde aufgefüllt hat. Landratsamt will die Erdarbeiten dennoch nachträglich genehmigen

Von Manfred Amann, Mammendorf

Auch wenn das Landratsamt anders entscheiden wird, lehnt der Gemeinderat von Mammendorf weiterhin einstimmig das Auffüllen einer Ackermulde in den so genannten "Garewiesen" ab. Da die Erdarbeiten auf dem Grundstück bereits ausgeführt wurden, fordert die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt zwar nachträglich umfangreiche Kompensationsmaßnahmen, um den "erheblichen Eingriff in die Naturlandschaft" etwas abzumildern. Nach Ansicht der Ratsmitglieder wird dies aber kein Ausgleich für den durch die Auffüllung beeinträchtigten Hochwasserschutz sein können. Bei Überschwemmungen im Bereich von Maisach und Moosgraben habe die Mulde als Rückhaltebecken eine wichtige Funktion, so die einhellige Meinung im Gemeinderat.

Dass die Auffüllung nachträglich zu genehmigen sei, begründet das Kreisbauamt mit der Feststellung des Sachbereichs Wasserwirtschaft, dass gegen die Aufschüttung aus bauplanrechtlicher Sicht keine Einwände erhoben werden können. Vorhaben dieser Art könnten im Einzelfall zugelassen werden, wenn ihre Ausführung oder Benutzung öffentliche Belange nicht beeinträchtige und die Erschließung gesichert sei, heißt es in der Verfügung. Die Untere Naturschutzbehörde (UNS) bewertet diese Auffüllung indes als Veränderung der Gestalt der Grundfläche sowie als Beeinträchtigung der Leistungs- und Funktionstätigkeit des Naturschutzes und macht dem Bauherrn erhebliche Auflagen.

Bürgermeister Josef Heckl (Bürgergemeinschaft) erinnerte in der jüngsten Ratssitzung daran, dass die Auffüllung der etwa 6560 Quadratmeter großen Ackermulde, die etwas abseits der Ortverbindungsstraße zwischen Loitershofen und Nassenhausen liegt, um 20 Zentimeter im Frühjahr vergangenen Jahres vom Gremium abgelehnt worden sei, um den Hochwasserschutz nicht zu beeinträchtigen. Dass die Entscheidung vom Landwirt nicht beachtetet wurde, die Bedenken des Gemeinderates nun vom Landratsamt als unbegründet zurückgewiesen werden und die Genehmigung nachträglich erteilt werden soll, stieß bei den Ratsmitgliedern auf wenig Verständnis. Altbürgermeister Johann Thurner (BGM) verurteilte das Schreiben der Kreisbauverwaltung sogar als "Aufforderung zu Schwarzbauten", da Antragsteller damit rechnen könnten, dass das Landratsamt Ablehnungen der Gemeinde ersetze, wenn bereits vollendete Tatsachen geschaffen worden seien.

Faktisch sei das Gelände Überschwemmungsgebiet, die Sorge, dass es nun leichter zu Überschwemmungen kommen könne, weil die Ackermulde als Sammelbecken ausfällt, seien trotz der geforderten Ausgleichsmaßnahmen sicherlich nicht ausgeräumt. In dem vom Landratsamt in Aussicht gestellten Genehmigungsbescheid muss der Bauherr auf einem Grundstück auf Hattenhofener Flur als Ausgleich eine 1100 Quadratmeter große "Seige" (Mulde) neu anlegen und mit heimischem Saatgut für feuchte Standorte mit 30 Prozent Kräuteranteil einsäen.