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Urban Gardening:Junges Gemüse in Puchheim

Big-Bags

Übergroße Transporttaschen, sogenannte Big Bags, haben Schüler bemalt. In ihnen werden kleine Beete angelegt.

(Foto: Günther Reger)

Das Projekt "Essbare Stadt" soll im Frühjahr mit Bürgeräckern und Anwohnergärten starten. Nach Meinung der Stadt soll es zur Nahrungsmittelproduktion kommen, die CSU befürchtet dagegen Vandalismus

Von Peter Bierl, Puchheim

Das Projekt "Essbare Stadt" wird in Puchheim im Februar starten. Monika Dufner vom Umweltamt hat am Dienstag erste Projekte vorgestellt, mit denen die Aktion beginnen könnte. Essbare Stadt bedeutet, dass auf innerstädtischen Brachen, Dächern, Gärten, Fassaden und in Parks Obst und Gemüse angebaut werden, die die Bürger ernten können. Vor dem Quartiersbüro im Planie-Viertel stehen bereits einige "Big Bags", große Taschen aus wiederverwertbarem Material und mit Erde gefüllt, die bepflanzt werden können.

Im ersten Jahr könnte man eine Streuobstwiese mit Bienen, eine Fläche, auf der frisch vermählte Paare einen Hochzeits-Obstbaum pflanzen, dazu kleine Gärten an der Josefstraße, einen Bürgergarten am Bahnhof mit Hochbeeten ähnlich dem "Pflanzlgarten" in Gröbenzell sowie "Bürgeräcker" anlegen nach dem Vorbild der "Fürstenäcker", die seit zwei Jahren im Brucker Norden bewirtschaftet werden. Solche könnten nach Angaben Dufners am kleinen Ascherbach auf zwei kleinen Ackerstreifen im Norden oder auf einer Fläche am Büchlweg eingerichtet werden. Alle drei Flächen gehören der Kommune. Außerdem sei ein Bauer bereit, eine Fläche nahe der Kreisstraße 11 zur Verfügung zu stellen.

Drei Big Bags, die auf Paletten stehen, wurden von Kindern am Tag der offenen Tür des Quartierbüros bereits bemalt, erzählte Dufner. Bei der Flüchtlingsunterkunft an der Siemensstraße werden sieben aufgestellt sowie jeweils eine Tasche am Gymnasium und an der Grundschule Süd, die im kommenden Jahr ein Projekt "essbare Schule" startet. Die Anfrage bei den großen Immobilienunternehmen in der Planie, ob sie Flächen für Gärten zur Verfügung stellen würden, sei bisher kaum auf Resonanz gestoßen, berichtete Dufner. Lediglich die Hausverwaltung Harbeck stelle an der Josefstraße eine Fläche zur Verfügung, wo zwei bis drei Hochbeete angelegt und von zwei Familien, die dort wohnen, bewirtschaftet werden.

Die Hochschule München konnte als Kooperationspartner gewonnen werden. Im Rahmen eines Projekts Lebensweltanalyse werden sich Studenten mit dem Puchheimer Vorhaben beschäftigen und im Juli ihre Ergebnisse präsentieren. Noch im Dezember könnten auf der Wiese am Büchlweg die ersten Beerensträucher gepflanzt werden, meinte Dufner. Die Auftaktveranstaltung für die Bürger ist für Mitte Februar geplant. Von März bis Mai könnten dann die Bürgeräcker und Bewohnergärten bestellt werden. "Es sind am Anfang nur ein paar Flächen, aber es sind sicher noch andere vorhanden", meinte Dufner.

SPD-Stadträtin Marga Wiesner berichtete von Irritationen in der Planie über die Big Bags. "Manche meinen, das sind Mülltüten", erzählte sie. Auch Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) meinte, die Taschen könnten in dem Viertel nur ein Provisorium sein. Er hofft, dass mit den Starter-Projekten der Einstieg geschafft wird. Wichtig ist ihm, dass das Projekt "am Ende viele Leute erreicht, die sich engagieren" Seidl möchte eine echte Nahrungsmittelproduktion und dass die Früchte am Ende nicht verfaulen wie die Äpfel in seinem Garten.

CSU-Vertreter wiederholten ihre Skepsis. "Ich teile die Euphorie nicht", sagte Fraktionssprecher Thomas Hofschuster. Puchheim sei eine grüne Stadt mit vielen Gärten und Krautgärten, sodass der Bedarf als gering eingeschätzt wird. Gleichwohl unterstütze die CSU die Idee, vor allem für die Planie. Hans Georg Stricker (CSU) sagte Enttäuschungen voraus und warnte vor einem "Chaos", das hinterlassen würde. Der kleine Ascherbach führe im Sommer obendrein zu wenig Wasser, als dass man daraus noch etwas für Kleingärten entnehmen könnte.

Dagegen lobte Erich Pürkner (CSU) das Projekt als pfiffig und mutig, fürchtet jedoch den Vandalismus. Er schlug deshalb vor, dass die Stadt die Bürger zu Disziplin und nachhaltigem Engagement auffordern sollte. Vertreter von Grünen, SPD und UBP lobten die Vorarbeit des Umweltamts. Die drei Parteien hatten das Projekt im Juli im Stadtrat beantragt und durchgesetzt.

© SZ vom 16.12.2015

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