Süddeutsche Zeitung

Sturmschaden:Aus dem Boden gerissen

Auf dem Maisacher Volksfestplatz wird das Zelt der Fischbraterei zerstört, in und außerhalb der Orte stürzen reihenweise Bäume um.

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Robert Toni Gross sieht, wie der Sturm an seinem Verkaufszelt reißt. Während er selbst versucht, das Vorzelt seines Campingwagens auf dem Volksfestplatz in Maisach zu bergen, bricht das Zeltgestänge seiner Fischbraterei zusammen. Wenige Stunden zuvor ist er damit fertig geworden, seinen Verkaufsstand für die kommenden elf Tage einzuräumen. Schon während des Wahlkampfauftritts von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder an diesem Donnerstag im Festzelt hatte er seinen Steckerlfisch verkaufen wollen. Nun hat er einen Schaden von 10 000 Euro zu verkraften und benötigt ein neues Zelt. Denn Abbauen und Aufgeben, das tut der "Oichinga Fischbroda", wie sich der 55-Jährige nennt, nicht.

"Der Gutachter von der Versicherung war gerade da, das neue Zelt ist schon bestellt und soll am Donnerstag per Expresslieferung kommen", sagt der gebürtige Neu-Estinger und verschwindet wieder unter der zerdrückten Plane. Das massive Stahlgestänge, das den etwa 30 Quadratmeter großen Stand überragte und die Plane trug, ist verbogen, als hätten es Riesen in den Fingern gehabt. Gross deutet auf die Verankerungen im Boden des Volksfestplatzes. Die Erdnägel halten die Bodenhülsen immer noch, doch das geschweißte Gestänge ist herausgerissen, das gesamte Zelt mit der Einrichtung um drei Meter verschoben worden.

Nebenan sind die Arbeiter von Festwirt Ewald Zechner dabei, die Pavillons aus Holz neben dem Festzelt aufzubauen. Sie sägen und hämmern, ein um die andere überdachte Sitzgelegenheit in dem Biergarten wird fertiggestellt. Es gebe bei Ihnen keine Schäden, sie lägen in der Zeit, sagen sie. In der Zeit heißt: Bis Donnerstagnachmittag, 16 Uhr, muss aufgebaut sein, denn dann will die CSU ihren Spitzenkandidaten ins Zelt bringen. Ein Warm-up für den Wirt, denn am Freitagabend beginnt der Festzeltbetrieb.

Darauf hofft auch Robert Toni Gross, der mit zehn Jahren das Steckerlfischbraten gelernt hat und seit acht Jahren hauptberuflich das Geschäft betreibt. Er ist auf Volksfesten und Märkten unterwegs, hat dann immer seinen Campingwagen dabei. Aber solch einen Schaden, wie den in der Nacht zu Mittwoch, so etwas hatte er noch nie. Am meisten Sorgen machte ihm, dass sein Fischkahn, "ein Unikat", kaputt geht. Dort präsentiert und verkauft er die Forellen und Makrelen, die vorher sanft über der Holzkohle gegart wurden. Gross hofft, dass er das schon am Freitag wieder tun kann - in einem neuen Zelt.

Unterstützung in der Not hat der Fischbrater vom Bauhof der Gemeinde Maisach bekommen, die gleich neben dem Volksfestplatz ist. Mit einem Staplerfahrzeug konnte er das Zelt zum Ausräumen anheben. Währenddessen liefern die Bauhofmitarbeiter frisch geschnittene Äste auf einem Lkw an. Sie sind schon den ganzen Vormittag unterwegs gewesen und haben die Schäden an Bäumen und Sträuchern zu beseitigen versucht. Auf den Straßen Maisachs zeigen viele grüne Blätter an, dass es vor allem die Laubgehölze sind, die der Sturm arg erwischt hat. Im Nachbarort Olching liegt ein entwurzelter Baum auf dem Roßhaupter Platz, am Olchinger See sind etliche Bäume umgestürzt. Anscheinend am schlimmsten hat es Emmering erwischt, wo für die Mitarbeiter des Forstreviers Fürstenfeldbruck am Mittwochvormittag noch kein Durchkommen war. Bei Roggenstein liegen entwurzelte Bäume in den Wiesen, selbst auf das Gelände der Feuerwehr hat es abgerissene Äste geweht. Auch an der Amper hat es etliche Bäume geknickt, manche scheinen vorgeschädigt gewesen zu sein.

Während die Behinderungen durch umgefallene Bäume und abgerissene Äste sich im Fluss in Grenzen halten, sind auf den Straßen die Gemeindemitarbeiter und Straßenmeister unterwegs, um Gefahrenstellen zu beseitigen. In Grafrath schneidet ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei Fürstenfeldbruck genau an der Landkreisgrenze eine Fichte ab. Den in die Straße ragenden Wipfel habe wahrscheinlich schon ein vorbeifahrender Lkw weggerissen, meint er. Auch die privaten Waldbesitzer sind laut Revierförsterin Anita Ottmann jetzt zunächst gefordert, angebrochene Bäume und Äste entlang von Straßen und auch Waldwegen zu beseitigen. Denn nach dem Sturm, das wissen die Waldbesitzer, kommt das nächste Unheil, und das heißt in diesem Jahr "Kupferstecher". Zusammen mit dem "Buchdrucker" sind sie die Borkenkäfer, die jedem schwächelnden Baum gerne den Rest geben.

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