Ungewöhnliche Pressekonferenz im Sitzungssaal Spalier für einen Weltmeister

Mit großem Brimborium wird in Fürstenfeldbruck ein Jugendfußballcamp mit dem Brasilianer Edmilson angekündigt

Von Heike A. Batzer

Nichts ist dem Zufall überlassen: Nachwuchsfußballer in einheitlicher Trainingskleidung stehen vor dem Hintereingang Spalier und lassen sich abklatschen, als José Edmilson Gomes de Moraes auf dem Weg zum Fürstenfeldbrucker Rathaus ist. Edmilson war bereits Fußball-Weltmeister, als viele, die da an diesem Samstagnachmittag um ihn herumscharwenzeln, noch gar nicht geboren waren. 2002 war das, mit der Nationalmannschaft Brasiliens. Nun darf er in Fürstenfeldbruck sein Jugendfußballcamp promoten, immerhin im Sitzungssaal der Stadt. Dort, wo sonst die Stadträte tagen, sitzen nun im großen Rund Trainer und Jugendfußballer des SC Fürstenfeldbruck (SCF), auf der Zuschauertribüne Eltern und Begleiter.

Als "Pressetermin" ist die Inszenierung betitelt, die Stadt hat vorab eine auf zwei Seiten in Englisch abgefasste Einladung einer nicht näher benannten "Eagle & Partners Corporation" weitergeleitet. Die gibt sich später irgendwie als Sponsor des Camps zu erkennen, macht nach Auskunft ihres Vorstands Roland Lichtensteiger "hochwertige Textilien zu angemessenen Preisen". Er spricht davon, dass Firmen "soziale Verantwortung" hätten. "Wir wollen die Welt auf diese Weise zu einem besseren Ort machen", verkündet Lichtensteiger in Fürstenfeldbruck.

Draußen haben Nachwuchsfußballer den Weltmeister empfangen.

(Foto: Günther Reger)

Er sitzt neben der dritten Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne), die sich in ihrer Rolle, die Anwesenden begrüßen zu dürfen, nicht richtig wohl zu fühlen scheint. Erst recht nicht, als Lichtensteiger sie um eine Ansprache bittet. Geißler schaut ihn konsterniert von der Seite aus an: "Sorry, es war keine Ansprache geplant." Gerade eben noch hat sie versucht, die städtische Beteiligung an diesem Treffen klein zu reden und mitgeteilt, die Stadt hätte lediglich ihren Sitzungssaal zur Verfügung gestellt, um dem Termin "einen würdigen Rahmen zu geben, wegen des 100-jährigen Bestehens des SCF" in diesem Jahr.

Ursula Valier, Vizepräsidentin des SC Fürstenfeldbruck, der das Fußballcamp mitpromotet, sagt immerhin freiwillig ein paar Worte, unter anderem dass SCF-Präsident Jakob Ettner verhindert, weil krank sei: "Es war ein hartes letztes Jahr." Auch Geißler gibt noch ihrer Hoffnung Ausdruck, der SCF möge nun in "ruhigeres Fahrwasser kommen". Im Vorjahr, daran sei erinnert, entging der Verein nur deshalb einer Insolvenz, weil Finanzamt, Landkreis und Stadt ihm eine sechsstellige Summe an fälligen Steuern erließen.

Großer Auflauf im Rathaus-Sitzungssaal: (von links) Übersetzer Rodrigues Nieto, Edmilson, dritte Bürgermeisterin Karin Geißler, Roland Lichtensteiger von der Firma "Eagle & Partners Corporation", SCF-Vizepräsidentin Ursula Valier.

(Foto: Günther Reger)

Nun, ein Dreivierteljahr später, macht der Verein schon wieder auf Global Player, will im Juli, wie Valier wiederholt, die "FC Barcelona Legends" zum Vereinsjubiläum in der Kreisstadt spielen lassen und präsentiert vom 23. bis 27. April ein fünftägiges Fußballcamp für Buben und Mädchen zwischen sechs und 16 Jahren, das auf den Namen eines Fußball-Weltmeisters getauft ist. Der SCF selbst habe nicht viel davon, erfährt man auf Nachfrage, er wird Valier zufolge lediglich "Gelände und die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen" und die Campteilnehmer über die Vereinsgaststätte bewirten. "Die Jugend soll profitieren", sagt Valier noch.

Wie viele Kinder bereits für die Trainingswoche mit Edmilson, der eigenen Angaben zufolge jeden Tag dabei sein und auch mal eine Autogrammstunde geben wird, bereits angemeldet sind, lässt sich auch auf zweimalige Nachfrage hin nicht klären. Das laufe über Herrn Ettner, lässt Lichtensteiger nach kurzer Rücksprache mit Valier wissen. Sicher ist zumindest, dass die Teilnahme 550 Euro kosten sollte und nun, wie der SCF auf seiner Facebookseite gepostet hat, für 290 Euro zu haben ist - "ein Preis, den fast jeder bezahlen kann", so Lichtensteiger. Er erklärt das so: Man bräuchte 550 Euro pro Teilnehmer für das Budget, die Differenz soll nun über Sponsorengelder gedeckt werden. Hundert Kinder können sich anmelden.

Edmilson sitzt derweil im weißen Edmilson-Camp-Pulli neben seinem Dolmetscher. Rodrigues Nieto übersetzt, als Edmilson erzählt, dass "der Sport mein Leben verändert hat". Ansonsten hätte er wohl Orangenpflücker werden müssen wie seine Eltern, sagt er. Der 41-Jährige ist freundlich, lacht, zählt seine Stationen als Fußballprofi auf (São Paolo, Lyon, Barcelona, Villareal, Palmeiras), berichtet, wie er als jugendlicher Straßenfußballer 10 000 Stunden gekickt hat. Später, als dann auch noch die jungen SCF-Fußballer Fragen stellen dürfen, wird klar, was sie wirklich interessiert. Ob er mit Lionel Messi zusammengespielt habe, will einer wissen. "Messi hat mit mir gespielt", lässt Edmilson übersetzen. Er selbst sei damals 28 und Messi 17 Jahre alt gewesen: "Ich habe ihn wachsen sehen."