Ungeliebtes Handwerk Die Metzgereien sterben aus

Demonstration hinter Glas: Auf regionalen Gewerbeschauen wie hier in Olching werben die Metzger für ihren Beruf.

(Foto: Günther Reger)

Die 18 Innungsbetriebe im Landkreis finden weder Fachpersonal noch Nachwuchs. Obermeister Engelbert Jais sieht vor allem ein Imageproblem. Die Gewerkschaft verweist auf niedrige Löhne

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die Metzger finden weder Personal noch Nachwuchs. In 90 Prozent der Betriebe im Landkreis sei das ein großes Problem, klagt Engelbert Jais, der Obermeister der Innung. Bei den 18 Unternehmen, die dem Verband in Fürstenfeldbruck angehören, absolvieren derzeit nur drei Azubis das dritte Lehrjahr im Metzgerhandwerk und kein einziger Fachverkäufer. Das schlechte Image sei das Hauptproblem, darin sind sich Jais und Kurt Haberl von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) einig. Das zweite Problem ist aus Sicht des stellvertretenden NGG-Landesvorsitzenden die schlechte Bezahlung, während der Unternehmer Jais betont, dass Metzger, die "was im Kopf haben", auch gut bezahlt werden.

Der Obermeister der Innung geht davon aus, dass die Lage richtig dramatisch wird, wenn Metzger und Verkäufer aus den geburtenstarken Jahrgängen demnächst in Rente gehen. Er erzählt von einem Betrieb in Eichenau, der schon zugesperrt hat. Zuletzt sei dort die 70-jährige Mutter des Metzgers hinter der Theke gestanden. Jais selbst beschäftigt in seinen drei Filialen insgesamt 38 Personen, darunter acht Metzger. Drei Azubis könnte er im Verkauf und zwei für die Metzgerei einstellen, findet aber niemanden. Regelmäßig würden sich Innungsmeister auf regionalen Berufsmessen präsentieren. Das Hauptproblem sei, dass Metzger als eine Art "blutrünstige Monster" angesehen würden, erzählt Jais.

Dabei sei das Töten von Tieren nur ein kleiner Teil ihres Berufs. Auch Haberl weist darauf hin, dass Metzger in der Regel mit der Verarbeitung von Fleisch beschäftigt seien, am Schlachtband stünden heutzutage die Werkvertragsarbeiter aus Rumänien. Aber unleugbar gehört das Schlachten nun mal dazu, in der Ausbildung und in der Praxis des Metzgers. Dass Imagepflege eine zentrale Aufgabe für die Metzger ist, um das Handwerk zu retten, darin sind sich der Unternehmer und der Gewerkschafter einig. Allerdings weist Haberl auch auf geringe Löhne und fehlende Perspektiven hin. Haberl zitiert einen Spruch aus Niederbayern, wonach die größte Metzgerei in Dingolfing stünde. Gemeint ist, dass man in der Autofabrik am Band einfach mehr verdient. Das Einstiegsgehalt nach der Lehre liege bei 2400 Euro brutto, im Großraum München brauche man schon 3000 Euro brutto, um über die Runden zu kommen. Bei den Bierbrauern und in Molkereien verdienten Gesellen im ersten Jahr rund tausend Euro mehr.

Dass in der Industrie besser bezahlt wird, gibt Jais schon zu. Er berichtet, dass vor allem große Betriebe und Ketten inzwischen sogar mit übertariflicher Bezahlung locken. Insbesondere die Azubis würden mit 970 Euro im dritten Lehrjahr nicht schlecht verdienen. Neulich habe er eine Anzeige gelesen, in der ein großes Unternehmen sogar 1100 Euro für einen Azubi im ersten Lehrjahr anbot. Der Gewerkschafter bestätigt, dass die Vergütung während der Ausbildung nicht schlecht sei, aber oft nur auf dem Papier stünde. "Viele halten sich nicht an den Tarif", kritisiert der NGG-Vertreter. Für seine Kollegen in der Fürstenfeldbrucker Innung würde Jais die Hand ins Feuer legen. Alle würden nach Tarif bezahlen und sogar noch mehr. "Sonst kriegt man ja gar keinen mehr."

Die Personalnot trifft viele Handwerksberufe, auch die Bäcker, die Elektriker oder Klempner, weil fast die Hälfte der Schüler eines Jahrgang lieber studieren wollen als eine Lehre anzufangen, sagt der Obermeister der Innung. Jais betont, dass man als Handwerker nie arbeitslos werde und ein gutes Auskommen finden könne, manchmal besser als Akademiker.