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Uneins mit der Stadt:Streit ums Weißbier

Wirt zieht sich vom Olchinger Volksfest zurück

Ein Kulturkampf wütet in der Stadt. Erst ein balinesisch anmutendes Wellness-Spa in Geiselbullach und jetzt das: eine karibische Cocktailbar auf dem städtischen Volksfest. Noch dazu als Ersatz für ein traditionsreiches Bierkarussell. Olchings Bürger laufen Sturm. Das Internet wird aktiviert, die Handys und Laptops werden hervorgeholt und schon ist das Kreuzfeuer auf Facebook eröffnet. "Wer so was macht, hat das Olchinger Volksfest nie geliebt!", ist dort zu lesen. Boykottaufrufe werden laut.

Droht die Stadt nach der Eröffnung eines McDonalds und der Ansiedlung von Amazon endgültig im Strudel der Globalisierung unterzugehen? Ist dies der letzte Kampf um die Tradition?

Dabei ist der Auslöser des Streits so bayerisch, wie er bayerischer kaum möglich scheint: Im Zentrum der Geschichte steht das Bier. Genauer gesagt, Bier aus Olching und aus Maisach. Diese beiden Sorten werden auf dem Volksfest ausgeschenkt. So wollen es die Verträge, die die Stadt mit beiden Brauereien abgeschlossen hat. 2017 dann eine Änderung: Weißbier darf nur noch aus Olching geliefert werden. Daran hielt sich auch der Betreiber von Wiedemanns Weißbierkarussell. Doch offenbar mundete das Getränk aus Olching weniger als das aus Maisach. Etliche Kunden haben nach der anderen Sorte gefragt und gebeten, es wieder ins Sortiment aufzunehmen, heißt es in einer Stellungnahme auf Facebook, die über Dritte veröffentlicht wurde.

Die Folge: Betreiber Wiedemann weigerte sich in diesem Jahr, die Regelung weiter hinzunehmen. Abhilfe war leicht geschaffen: Handschriftlich fügte er einen entsprechenden Satz in den Vertrag mit der Stadt hinzu. Doch so wenig, wie Wiedemann die Biervorschrift annahm, akzeptierte die Stadt die eigenmächtige vertragliche Änderung. Mit durchgestrichenem Satz schickte sie den Vertrag an den Karussellbetreiber zurück. Für ihn war die Geschichte damit gelaufen. Die Schuld sieht er bei der Stadt Olching, die ihm eine freie Bierauswahl nicht genehmigt. Mit einer letzten Nachricht an seine treuen Kunden zieht er sich vom Kampfgeschehen zurück: "Es tut mir leid um die Olchinger Bürger. Sie waren ein tolles Publikum!" Die besagten Olchinger Bürger stehen aber treu zu ihrem geliebten Bierkarussell, bereitwillig führen sie den Streit stellvertretend für Wiedemann weiter: Ein heftiger Beschuss auf die Stadt beginnt. Auf Facebook ist von Protektionismus die Rede, von blindem Dorfpatriotismus.

Doch die Kommune lässt den Angriff nicht auf sich sitzen: Man schließe lediglich einen Bierlieferungsvertrag mit den Brauereien ab, erklärt Volksfestreferent Andreas Hörl. Wer welches Bier liefert, machten diese unter sich aus. Die Idee, die Olchinger Manufaktur 2017 mit ins Boot zu holen, kam außerdem von den Brauereien selbst, sagt Hörl. Zu einem Gespräch mit Wiedemann sei man bereit gewesen. "Aber er ist nicht erschienen." Dass der Betreiber nun auf diese Weise nachtritt, darüber kann Hörl nur den Kopf schütteln. "Das momentan, das ist ein schmutziger Krieg." Ganz verloren scheint die bayerische Kultur überdies nicht: Auch an der "Carlos Bar" wird es neben Cocktails und Aperol Bier geben - aus Olching.

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