Umzug aus München Post stellt Pläne für Briefzentrum vor

Im Germeringer Gewerbegebiet Nord soll das Verteilzentrum für den Großraum München errichtet werden. Die Grünen lehnen das Vorhaben wegen des zusätzlichen Verkehrs ab

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Die Deutsche Post will erneut in Germering bauen. Direkt neben dem DHL-Paketzentrum an der Lise-Meitner-Straße im Gewerbegebiet Nord soll das neue Briefzentrum für den Großraum München entstehen. Das Projekt stellt die Post am Freitag in einer Veranstaltung in der Stadthalle der Presse und der Öffentlichkeit vor. Per Postkarte hat sie alle Germeringer zu dieser Vorstellung eingeladen. Bei der Stadt Germering zeigt man sich erstaunt über das Tempo, das die Post in der Sache vorlegt. Denn im Rathaus ist die Angelegenheit noch nicht in den Stadtratsgremien behandelt worden. Deshalb gibt es bislang keine Änderung des Flächennutzungsplans, und auch die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Areal im Gewerbegebiet ist noch nicht erfolgt.

Der Post allerdings ist es eilig. Sie hat das Münchner Postgelände in der Arnulfstraße mit dem darauf befindlichen Briefzentrum bereits verkauft, ebenso das Briefzentrum in Schorn bei Starnberg. "Dafür soll im Germeringer Norden eine neue Niederlassung, die Postversorgung für den Großraum München übernehmen", heißt es. Die Postkarte, die jeder Germeringer Haushalt erhalten hat, zeigt die Grafik eines langen flachen Gebäudes. Eigentümer der für das Gebäude notwendigen Flächen ist die Post bereits.

In Sachen Änderung des Flächennutzungsplans und Aufstellung eines Bebauungsplans sieht Stadtbaumeister Jürgen Thum kein großes Problem. "Wir haben eine Rahmenplanung, dass auch diese Fläche Gewerbegebiet werden soll", sagt er. "Die Rahmenplanung passt auch für die Niederlassung der Post." Für Thum müssen im Rahmen des Bebauungsplans auch Verkehr und Immissionen "vernünftig ablaufen", wie er sagt. Auch das könnte der Investor wohl gewährleisten.

Das Briefzentrum würde im Dreischichtbetrieb arbeiten. Über tausend Arbeitsplätze wird es, so der Informationsstand von Bauamtschef Thum, am neuen Standort der Post geben. Da es sich nicht nur um ein Briefverteilzentrum handelt, sondern um eine Niederlassung, die Verwaltung erfordert, werden auch etwa 200 Vollzeitarbeitsplätze in Germering platziert. Aufgrund des Schichtbetriebs wird es sich bei der großen Mehrheit der Arbeitsplätze um Teilzeitbeschäftigungen handeln. Allerdings soll die Anzahl der geringfügig Beschäftigten unter hundert liegen.

Germerings Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) sieht sich, wie so oft bei größeren Bauvorhaben in der Stadt, ausdrücklich als "Moderator des Prozesses", um möglichst alle Stadtratsfraktionen zu einer gemeinsamen Entscheidung zu bewegen. Seine Position zum Vorhaben der Post will er nicht verraten. "Ich bilde mir eine Meinung im Laufe und nach Abschluss der Beratungen im Stadtrat", verkündet er im Gespräch mit der SZ. Man müsse alle Argumente zwischen Arbeitsplätzen und Gewerbesteuer auf der einen und der Verkehrsbelastung und der Dimension der Niederlassung auf der anderen Seite abwägen. Haas ist sicher: "Es zählen die Germeringer Interessen." Natürlich könne man die Gewerbesteuer, "die jedoch schwer vorhersehbar ist", so Haas, gut brauchen. Über die Informationsveranstaltung der Post wurde die Stadt kurzfristig informiert. "Das ist das Objekt der Post, soll sie das vorstellen", meint Haas dazu spürbar gelassen.

Agnes Dürr, Fraktionssprecherin der Grünen im Stadtrat, hat dagegen bereits eine feste Position. Sie lehnt für die Grünen das Projekt ab. Dürr hält das geplante Gebäude "für Germering viel zu groß dimensioniert". Die Stadträtin sagt: "Das ist eine Riesenhalle, die größer als die in München ist." Ihr Hauptkritikpunkt ist der zusätzliche Verkehr, den das Briefverteilzentrum anziehen wird. "Die Mitarbeiter, die aus dem Süden kommen, fahren über die Spange zur Arbeit", sagt Dürr. Auch das Argument Gewerbesteuer überzeugt sie nicht: "Da weiß man nicht, wie viel für Germering übrig bleibt. Das ist keine sichere Einnahme."

SPD-Fraktionssprecher Robert Baumgartner hält sich mit seiner Meinung noch zurück. "Ich gebe dazu keine Stellungnahme ab", sagt er auf Nachfrage. Ihm lägen Informationen vor, die bisher "unter Verschluss gehalten werden". Baumgartner will abwarten, bis die Sache erstmals "öffentlich im Bauausschuss diskutiert wird", wie er sagt. "Das wird erst nächstes Jahr stattfinden", teilt Haas mit. Die ganze Sache brauche einige Vorbereitungszeit in der Verwaltung, und die Tagesordnungen der Gremiensitzungen sind in diesem Jahr bereits ausgereizt.

Die Informationsveranstaltung der Post in der Stadthalle Germering dauert von 14 bis 19 Uhr. Als Gesprächspartner stehen unter anderen die Leiter des Projekts zur Verfügung.