Umweltprojekte tun nicht nur Tieren und Pflanzen gut, sondern auch den Menschen. In der Stadt Puchheim wird das mit dem Projekt "Stadtnatur" besonders augenfällig. Seit 2016 hat das Umweltamt unter der Leitung der Biologin Monika Dufner und mithilfe zahlreicher ehrenamtlich tätiger Bürgerinnen und Bürger unter anderem essbare Stadtbeete angelegt, Bürgeräcker vergeben, einen Stadtnaturpfad und einen Wildbienengarten angelegt sowie, zusammen mit der Volkshochschule, einen kleinen Permakultur-Garten.
Mit vier Projekten haben sich Stadt und Volkshochschule Puchheim für den Umwelt- und Klimapreis der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck und der Süddeutschen Zeitung beworben. Jedes für sich wäre preiswürdig gewesen, vergeben hat die Jury einen Sammelpreis. Das Preisgeld soll in neue Projekte fließen, in den Apfeltag im Herbst zum Beispiel und in einen Eingang zum Wildbienengarten, der voriges Jahr eröffnet wurde - eines der jüngsten Projekte in einer langen Reihe, von denen auch die Puchheimerinnen und Puchheimer profitieren, die in einer immer grüneren, lebensfreundlicheren Stadt zuhause sind.
Im Jahr 2016 wurden die ersten Stadtbeete vergeben. Im Stadtgebiet verteilt, können die Puchheimer auf kommunalen Flächen pflanzen und ernten. "Das klappt sehr gut", versichert Dufner. Die Flächen würden nicht zerstört oder verschmutzt, wohl auch, weil zahlreiche Ehrenamtliche es unterstützen. "Das gemeinsame Gärtnern steht im Vordergrund", erklärt Dufner. Es fördere den Gemeinsinn, die Integration und die Identifikation mit der Stadt als Lebensraum. Die umweltschonende Produktion von Lebensmitteln und ein bewusster Konsum spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. "Durch den Anbau von Nahrungsmitteln vor Ort und die kurzen Transportwege leistet das Projekt einen Beitrag zum Klimaschutz."

Die Buben und Mädchen, die von der Grundschule Süd über den Planieweg nach Hause gehen, haben seit drei Jahren einen interessanteren Schulweg. Dort ist 2019 der Stadtnaturpfad entstanden. Direkt neben der wenig befahrenen Straße habe es damals einen weiteren asphaltierten Weg gegeben, der aber nicht genutzt wurde, sagt Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). "Der Verzicht darauf war schmerzfrei." Der Asphalt wurde entfernt, der Weg mit grobem Kies aufgeschüttet, trittfeste Magerrasenarten ausgesät. Auf 600 Quadratmetern entstand so ein langer, schmaler Lebensraum. Dass es Wildbienen dort gefällt, zeigt ein sehr gut besetztes Insektenhotel am Weg.
Und auch die Buben und Mädchen freuen sich, wie Dufner berichtet. Vor allem die drei Holzschafe am Weg haben es ihnen angetan - sie sind ein Symbol für die Bedeutung der Landwirtschaft, laden zum Klettern und Ausruhen ein. Für Leute, die mehr über Insekten und Wiesen, Landwirtschaft, Stadtbeete und Fassadenbegrünung wissen wollen, gibt es an vier Stationen Infotafeln, eine Bienenbeute, die man genau unter die Lupe nehmen kann, weil darin keine echten Bienen leben, sowie zwei bepflanzte "Tischbeete". Und wer sich einfach ein bisschen hinsetzen und die Ruhe genießen will, für den stehen Bänke bereit.

Schafe, Sitzbänke, Beete, Informationstafeln - das meiste haben die Bauhofmitarbeiter der Stadt hergestellt. "Alles Low Budget", sagt Seidl. "Der Aufwand hält sich in Grenzen." Dufner erklärt, es sei nicht nur wichtig gewesen, die Biodiversität zu fördern und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, sondern auch, "einen Bereich mit Aufenthaltsqualität zu schaffen". Das direkt anschließend an den Stadtnaturpfad eine extensiv genutzte Wiese liegt, sei ein glücklicher Zufall.
Ebenfalls gut angenommen wird der Wildbienengarten - auch von den Bienen selbst. Die etwa 1200 Quadratmeter große Fläche wurde in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz angelegt. Sie liegt etwas außerhalb der Stadt, an der Alten Bahnhofstraße/Ecke Mühlstetterweg. Rund um ein großes Sandarium wurden Blumenwiesen und eine Kräuterspirale angelegt, eine Nisthilfe und ein Totholzbereich für die Wildbienenarten errichtet, die ganz unterschiedliche Ansprüche haben. Viele von ihnen legen ihre Nester im Boden an, wie man auf der großen, ovalen Fläche sehen kann, die das Sandarium bildet.

2021 wurde Puchheim als "Bienenfreundliche Kommune" vom Bezirk Oberbayern ausgezeichnet. Die Projekte strahlen aus, wie Dufner weiß - in die Nachbargemeinde Eichenau ebenso wie auf Privatleute. Viele gestalten nun ihre Gärten insektenfreundlicher. Dabei hilft die angebotene kostenlose Gartenberatung und die ebenfalls kostenlose Broschüre "Mehr Arten im Garten", von der schon die zweite Auflage herauskommt. Auch Bürgermeister Seidl hat sich von der Idee anstecken lassen, etwas für Insekten zu tun, und in seinem Garten eine Blühwiese angesät. Leider ist sie nicht so schön geworden wie erhofft. Dufner weiß Rat: Vielleicht lag es am Saatgut? Es war wohl nur für einjährige Pflanzen. Sie empfiehlt ihrem Chef Passenderes.
Und auch für die Stadt fällt der Leiterin des Umweltamts und ihren Mitarbeiterinnen immer noch etwas Neues ein. "Die Ideen gehen uns nicht aus", sagt Monika Dufner. "Ich bin froh, dass ich die hier verwirklichen darf."
Die Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck und die Fürstenfeldbrucker Süddeutsche Zeitung haben in diesem Jahr erstmals einen Klima- und Umweltpreis vergeben. Das Preisgeld in Höhe von 4000 Euro hat die Sparkasse gespendet. Die vier Preisträger und zwei Empfänger eines Sonderpreises werden in loser Folge vorgestellt. Den Anfang machte der Fürstenfeldbrucker Verein "Turmgeflüster" , es folgte das "Gebrauchte Haus" der Familie Lambertz.
