Üben in Sozialkunde:Stimmlokal im Klassenzimmer

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Probewählen für den Sonntag: Die Schüler Vinzenz Greinwald (links) und Tobias Gritte geben ihre Stimmen bei der Juniorwahl ab. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Fach- und Berufsoberschule beteiligt sich an Juniorwahl

Von Dorothea Gottschall, Fürstenfeldbruck

Obwohl sie am Sonntag als Erstwähler an der Bundestagswahl teilnehmen werden, versehen Tobias Gritte und Vinzenz Greinwald schon jetzt ihre Stimmzettel mit je zwei Kreuzen, bevor die gefalteten Papiere in der Wahlurne verschwinden. Die beiden 18-jährigen befinden sich im temporären Wahllokal der Fach- und Berufsoberschule und haben soeben an der Juniorwahl 2021 teilgenommen. Die Juniorwahl zählt zu den größten Schulprojekten in Deutschland und soll Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse für demokratische Teilhabe und politische Meinungsbildung motivieren. Das Projekt wird seit dem Jahr 1999 bei Wahlen auf Bundes-, Europa- und Länderebene durchgeführt. Was damals an drei Berliner Schulen seinen Anfang nahm, ist heute eine weitreichende Initiative mitsamt 4400 Bildungseinrichtungen und zahlreichen Partnern. In Bayern beispielsweise wird sie durch das Kultusministerium unterstützt und organisiert. Der Wahlkreis Fürstenfeldbruck/Dachau zählt in diesem Jahr zwölf teilnehmende Schulen, je sechs pro Landkreis.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo selbst wirbt für die Juniorwahl als "hervorragendes Projekt der Demokratieerziehung". Eine ähnliche Sichtweise teilen auch die Schüler Gritte und Greinwald aus der 11 c. Wegen des anstehenden Wahlsonntags hätten sie zwar schon Informationen zu Parteien gesammelt, aber würden sich über ein breiteres Angebot an politischer Bildung im Schulalltag freuen. Dennoch findet Greinwald es gut, dass es die Juniorwahl gibt: "Sie ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung."

Auch wenn es nach Friedemann Wesler geht, würde bildungspolitischen Inhalten mehr Zeit eingeräumt werden: "Leider stand uns in der ersten Schulwoche nur eine Unterrichtsstunde zur Verfügung, um mit den Jugendlichen über die Aktion zu sprechen." Dabei habe man sich vor allem darauf konzentriert, einen Überblick über die Parteienlandschaft und die Bedeutung von Erst- und Zweitstimme zu verschaffen, so Wesler. Gemeinsam mit zwei Kollegen organisiert er die hausinterne Juniorwahl an der Fach- und Berufsoberschule. Sie sind Lehrer im Fach Sozialkunde und integrieren die Vorbereitung auf die Aktion in ihren Unterrichtsstoff, bevor es für die Jugendlichen an die Wahlurne geht.

Was das Vorwissen seiner Schüler angeht, muss sich Wesler stets auf eine Bandbreite an Kenntnisständen einstellen: "Während sich manche fundiert über taktische Wahltechniken mitteilen können, beginnen andere praktisch bei Null. Diese tasten sich erst einmal an die Inhalte der großen Parteien heran." Außerdem beobachte er bei den Jugendlichen eine klare Orientierung an Themen und Inhalten. Weniger wichtig sei eine Identifikation mit einer speziellen Partei.

Für Wesler und seine Kollegen gibt der Lehrplan trotz eines gewissen Grads an Flexibilität zu wenig Zeit für politische Bildung her: "Die Zeitzeugengespräche mit Abba Naor, einem Holocaust-Überlebendem aus Litauen, sind eine tolle Initiative der Schule. Womöglich lässt sich das mit anderen Ideen ergänzen", berichtet der Lehrer zuversichtlich. Noch bis Freitag ist das temporäre Wahllokal der Schule geöffnet. Danach können die Ergebnisse der Juniorwahl auf der Website der Schule unter www.fosbos-ffb.de eingesehen werden.

© SZ vom 23.09.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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