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U-Bahn-Bau im Münchner Westen:Vorerst nur ein Pfeil auf einer Karte

Das Münchner Planungsreferat bestätigt Germering, dass die Stadt in 20 oder 30 Jahren an das U-Bahn-Netz angeschlossen werden könnte. Aber mehr als eine Vision ist das nicht

Der große rötliche dicke Pfeil ist schon da. In der Grafik, die Frank Frischeisen vom Baureferat der Landeshauptstadt München zeigt, ist der Pfeil auf der Höhe der Autobahnanschlussstelle Germering-Nord platziert und schwenkt dort nach Südwesten. Er soll eine besondere Vision demonstrieren: eine U-Bahn nach Germering-Harthaus. Dieser Pfeil, diese Vision, die Frischeisen und sein Kollege Robert Adam vom Münchner Planungsreferat dem Germeringer Bauausschuss veranschaulichen, löst bei den Stadträten spürbare Zufriedenheit aus. Doch die U-Bahn von Freiham nach Germering ist Zukunftsmusik und wird, wenn überhaupt, vor 2040 oder gar 2050 wohl nicht verwirklicht werden können.

Bisher endet die U5 am Laimer Platz. Die Verlängerung von dort nach Pasing ist vom Münchner Stadtrat beschlossen worden. Doch eine U-Bahn baut sich nicht von heute auf morgen. 2021 soll der Bau der U-Bahn nach Pasing beginnen und 2029 ist die Eröffnung der Strecke vorgesehen. Der Weiterbau der U-Bahn nach Freiham wäre dann möglich. "Erfahrungsgemäß braucht man dafür acht Jahre Planungszeit", gab Frischeisen zu bedenken. Also die Planung der Bahn nach Freiham müsste parallel zum Bau der U-Bahn nach Pasing laufen. Passiert das so, würde die U5 ab 2035 zum Bahnhof Freiham-Zentrum fahren. Frischeisen wollte sich nicht auf das Jahr festlegen lassen. "Mitte 2030 ist realistisch", sagte er dann doch. Als Stationen zwischen Pasing und Freiham-Zentrum nannte er Westkreuz sowie Radolfzeller Straße und Riesenburgstraße im Stadtteil Aubing.

Einen unmittelbaren Weiterbau von Freiham nach Germering hielt Frischeisen für möglich. Doch sicher sei das nicht. Passiert der Weiterbau zum S-Bahnhof Harthaus ab 2035 sofort, wäre eine Fertigstellung Anfang 2040 möglich. Doch das ist zurzeit noch reine Spekulation. Fest steht, dass die ursprüngliche Planung, Freiham, wo um 2030 etwa 20 000 bis 30 000 Menschen wohnen sollen, mit der Straßenbahn zu erschließen, vom Münchner Stadtrat verworfen wurde und jetzt die U-Bahn kommen wird. "Das kommt an in der Bevölkerung", zeigte sich Frischeisen überzeugt.

Fest steht aber noch lange nicht, wie das finanziert werden wird. "Ist die Finanzierung vom Laimer Platz nach Freiham gesichert'?", wollte Wolfgang Andre (CSU), der zweite Germeringer Bürgermeister, wissen. "Nein, bis jetzt nicht", erklärte Frischeisen. "Auch die Strecke von Laimer Platz nach Pasing noch nicht." Bisher hatte der Bund einen U-Bahnbau mit 60 Prozent und der Freistaat Bayern mit 20 Prozent bezuschusst. "Die Förderrichtlinien sind in Bewegung", erläuterte der Vertreter der Landeshauptstadt, was wohl bedeuten soll, dass der Zuschuss wohl nicht mehr in dieser Höhe erfolgen wird. Frischeisen überzeugt: "Notfalls zahlt die Landeshauptstadt die Strecke nach Pasing erst einmal selber."

Maximilian Streicher (ÖDP/Parteifreie) wollte es genau wissen: "Was kostet ein Kilometer U-Bahn?" Die vier Kilometer vom Laimer Platz nach Pasing veranschlagte Frischeisen mit 600 bis 700 Millionen Euro. Das macht einen Kilometerpreis von mindestens 150 Millionen Euro. "Das sind gewaltige Summen", meinte Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU).

Auch er hatte kurz überschlagen, was die etwa 1500 Meter von Freiham nach Harthaus kosten würden und sprach dann auch vorsichtig von einer anzustellenden "Kosten-Nutzen-Rechnung". Auf jeden Fall würde diese U-Bahn-Verbindung unterirdisch verlaufen. Das erklärte Frischeisen auf Nachfrage von Oliver Simon (CSU). "Die würde unter der Autobahn A99 durchgeführt werden", so der Baufachmann. Bis die U-Bahn nach Freiham voraussichtlich im Jahre 2035 fertiggestellt sein wird, verkehren von Freiham nach Pasing Busse. "Können wir uns da dranhängen?", fragte Barbara Hagmann (Die Grünen). "Von Germering-Harthaus nach Freiham - das ist beim Landkreis Fürstenfeldbruck bereits in Planung", versicherte Oberbürgermeister Haas und verwies auf den ÖPNV-Experten Hermann Seifert im Brucker Landratsamt.