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TV-Team dreht in Mammendorf:Hammer-Kreisel

Die Gemeinde schafft es ins Fernsehen

Von Manfred Amann, Mammendorf

Seit über 15 Jahren ist der Mini-Kreisel in der Kreuzung Bahnhof-/Michael-Aumüller-Straße für die Gemeindepolitiker ein Dauerärgernis. Nicht erbaut sind Bürgermeister Josef Heckl (Bürgergemeinschaft) und Gemeinderat, dass das Kreisel-Dilemma nicht nur in der Presse und in den sozialen Medien belächelt wird, sondern auch die Aufmerksamkeit des Fernsehens auf sich zog und als "Hammer der Woche" bundesweit gezeigt wird. Dafür befragte das ZDF-Team einige Mammendorfer. Am Samstag, 8. Mai, um 17.05 Uhr im ZDF-Länderspiegel, und am Sonntag, 9. Mai, um 10.30 Uhr auf Phönix wird ein Beitrag darüber gesendet. Bekannt wurde die Geschichte dem ZDF-Reporter Ludwig P. Klug durch den Brief einer Bürgerin aus Mammendorf.

Der Hauptgrund der Probleme ist, dass eine Vielzahl Autofahrer den Kreisverkehr ignorierten, schnurgerade darüberfuhren und so vor allem Radfahrer, die die Kreisabschnitte ausfuhren, gefährdeten. Da mehrere Umbauten kaum Wirkung zeigten, ließ die Gemeinde die Fahrbahn zuletzt mit einem elf Zentimeter hohen Bordstein von der Innenfläche abgrenzen, um den Autofahrern das Überfahren zu verleiden. Diese Maßnahme war offensichtlich des Guten zu viel, denn die beiden Busunternehmen des ÖPNV weigerten sich, dort drüber zu fahren, weil die Schleppkurven zu eng seien und beim Ein- und Ausfahren über den Bürgersteig gefahren werden müsse. Außerdem wurden Befürchtungen geäußert, Karosserien und Reifen könnten Schaden nehmen. Auch LKW-Fahrer und Landwirte hatte darüber geklagt.

Nun lässt die Gemeinde den Kreisverkehr erneut umbauen. Schon am 17. Mai sollen Busse wieder auf ihrer planmäßigen Linie den Kreisverkehr passieren können. Die Gemeinde hatte nach häufigen Gefährdungen und Beschwerden die Abgrenzung der Fahrbahn zu Kreiselscheibe auf elf Zentimeter erhöht, obwohl nur fünf Zentimeter zulässig sind. Laut Bürgermeister Heckl haben sich Vertreter der Gemeindeverwaltung, von Polizei, ÖPNV, Gemeinderat und Busunternehmen nun darauf verständigt, das "vorschriftswidrige Hindernis" wieder zurückzubauen, der Gemeinderat stimmte zu. Man wolle das leidige Thema schnell und endgültig vom Tisch haben, argumentierten Ratsmitglieder. Den Vorschriften entsprechend wird nun innerhalb der ebenen Granitreihen, mit dem die Fahrbahn abgegrenzt ist, ein vier bis fünf Zentimeter hoher, überstehender Bordstein eingebaut, der oben abgerundet ist und den Innenbereich des Kreisels von der Fahrbahn deutlich abhebt.

"Dieses Bord ist von Großfahrzeugen und Bussen ohne Probleme überfahrbar, soll für Autos aber ein Hindernis sein", erklärte der Rathauschef mit Skepsis. Dabei räumte er Fehler von Gemeindeverwaltung und Ingenieurbüro ein, weil das "Regelwerk für Minikreisverkehre" nicht beachtet worden sei. "Diesen Fehler müssen wir uns ankreiden lassen. Nun muss ich und auch der Gemeinderat mit Häme und Spott umgehen. Damit kann ich aber leben. Mich ärgern mehr die circa 18 000 Euro Steuergelder, die wir wohl verbraten haben", sagte Heckl. Der Kreisverkehr sei umgebaut worden, um die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu schützen. Einen Monat nach dem Umbau sei für ihn eindeutig feststellbar: "So diszipliniert und sicher ist es dort nie zugegangen". Ratsmitglieder teilten Heckls Ansicht, dass "einfach zu viele Auto- und auch Busfahrer nicht mit angemessener Geschwindigkeit und oft ohne Rücksicht über die Kreisverkehrsinsel gefahren" seien und die Polizei öfter hätte kontrollieren sollen.

Statistisch möge es kein Unfallschwerpunkt sein, aber es habe jeden Tag mehrere brenzlige Situationen gegeben, die letztlich ein Handeln der Gemeinde dringend erforderlich gemacht hätten, rechtfertigte Heckl die Umbauten. Da die Linienbusse den Mini-Kreisverkehr und damit die Schule nicht mehr anfahren wollten, bleibe aber nichts anderes übrig als der Rückbau. "Von der Verweigerungshaltung der Busunternehmen und auch des ÖPNV bin ich sehr überrascht", alternative Streckenführungen seien nicht näher untersucht worden, sagte der Bürgermeister. "Vielleicht ist das eine Retourkutsche, weil wir sie im Vorfeld der Baumaßnahme nicht im vollen Umfang eingebunden haben". Besonders ärgert Heckl, dass sich das Landratsamt bei einer Pressemitteilung nicht an eine Absprache gehalten habe und so Berichte ohne Stellungnahme der Gemeinde auch in den sozialen Medien auslöste. "Nicht nachvollziehen" kann Heckl die öffentliche Äußerung von Altbürgermeister Johann Thurner, die Gemeinde habe mit dem letzten Umbau "in den Dreck gegriffen", zumal der Kreisverkehr in dessen Amtszeit gebaut worden sei.

Ganz vom Tisch ist das Dilemma nach dem Rückbau nicht. Auf Antrag von Werner Zauser (FW) beschloss der Gemeinderat mit elf gegen sechs Stimmen, dass der Rechnungsprüfungsausschuss den Vorgang unter die Lupe nimmt. "Wir wollen keine Schuldigen finden, sondern lediglich Klarheit haben, damit so etwas nicht wieder passiert", sagte Zauser.

© SZ vom 08.05.2021
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