Fürstenfeldbruck:Stadiondeal in der Schwebe

Lesezeit: 2 min

Fürstenfeldbruck: Das Gelände des Sportclubs Fürstenfeldbruck an der Klosterstraße verfügt über einen Hauptplatz mit zwei Tribünen (links) mit einem Fassungsvermögen von 4800 Zuschauern.

Das Gelände des Sportclubs Fürstenfeldbruck an der Klosterstraße verfügt über einen Hauptplatz mit zwei Tribünen (links) mit einem Fassungsvermögen von 4800 Zuschauern.

(Foto: Googlemaps)

Oberbürgermeister Erich Raff würde Türkgücü auf dem SCF-Gelände willkommen heißen, pocht aber auf die Erfüllung der Auflagen.

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Stadt reklamiert ein Mitspracherecht bei dem vom SCF genutzten Stadion. Der Fürstenfeldbrucker Fußballverein will es dem SV Türkgücü ermöglichen, bis zu zwölf seiner Heimspiele in der nächsten Regionalligasaison auf der Anlage an der Klosterstraße auszutragen. Der Münchner Verein verfügt über kein eigenes Stadion. Einen Teil seiner Heimspiele darf er zwar im Grünwalder Stadion austragen, aber eben nicht alle. Der finanziell klamme Klub, der in der dritten Liga Insolvenz anmelden musste, sich aber mittlerweile reorganisiert, holte beim Bayerischen Fußballverband (BFV) die Genehmigung ein, einige Spiele in Fürstenfeldbruck austragen zu dürfen. Voraussetzung dafür ist, dass das SCF-Stadion regionalligatauglich wird. Das bedeutet, dass die Bereiche der Gäste- und Heimfans getrennt werden. Laut SCF-Präsident Jakob Ettner ist das gesichert. Auf die Stadt kämen keine Kosten zu, sagt er.

Die Zeit drängt: Bis Ende Juni müssen alle Verträge unter Dach und Fach sein

Bis Ende Juni müssen die Tauglichkeit des Stadions gesichert und alle Verträge unter Dach und Fach sein. Da sich die Vereine und der BFV einig geworden sind und Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) am Rande der vergangenen Stadtratssitzung gesagt hatte, die Stadt als Eigentümer des Stadions sei in dieser Sache gar nicht involviert, schien alles nur noch eine Formsache.

Fürstenfeldbruck: Oberbürgermeister Erich Raff pocht auf den Nutzungsvertrag - die Stadt als Eigentümer müsse die Untervermietung an einen anderen Verein genehmigen. Vor allem aber sei die Stadt als zuständige Behörde involviert, wenn es um Einbauten oder Brandschutz geht.

Oberbürgermeister Erich Raff pocht auf den Nutzungsvertrag - die Stadt als Eigentümer müsse die Untervermietung an einen anderen Verein genehmigen. Vor allem aber sei die Stadt als zuständige Behörde involviert, wenn es um Einbauten oder Brandschutz geht.

(Foto: Günther Reger)

Am Rande der jüngsten Finanzausschuss-Sitzung hörte sich das dann aber anders an. Auf eine kritische Nachfrage des Stadtrats Georg Jakobs (CSU) sagte Raff, eine Prüfung des Nutzungsvertrags zwischen Stadt und SCF durch das Rechtsamt habe ergeben, dass die Überlassung des Stadions an einen anderen Verein nicht durch den Nutzungsvertrag gedeckt sei. Ergo müsste Türkgücü eben doch eine Genehmigung bei der Stadt einholen. SCF-Präsident Jakob Ettner, der auf Einnahmen hofft, sieht das anders. Der Nutzungsvertrag übertrage das Hausrecht auf den SCF, über eine Art "Untervermietung" könne der selbst entscheiden. Auch für Veranstaltungen wie das Benefizspiel zwischen 1860 München und Ingolstadt 2016 oder das Testspiel des FC Bayern 2012 seien die Verträge zwischen den Vereinen geschlossen worden. Mit dem BVTA nutze zudem lange schon ein anderer Verein das SCF-Stadion, ohne dass die Stadt ein Mitspracherecht reklamiert habe. Ettner fürchtet, dass Raff, mit dem er zerstritten ist, Prüfungen und Genehmigungen so lange herauszögern könnte, bis der Deal mit Türkgücü aus Zeitgründen platzt. Nach dem Schema sei es schon 2019 mit dem zur 100-Jahr-Feier des SCF geplanten Spiel gegen eine Legenden-Auswahl des FC Barcelona gelaufen.

Er sehe "persönlich momentan keinen Grund, warum keine Regionalligaspiele im Stadion stattfinden können", sagt der OB

Raff bestreitet dies nachdrücklich und sieht die Verantwortung damals beim SCF und aktuell vor allem beim Verein Türkgücü - der sich nach Bekanntwerden des Wirbels mit seinem Anliegen aber nun im Rathaus gemeldet hat. Seine Aussage in der Stadtratssitzung, die Stadt sei in der Sache "außen vor", sei so gemeint gewesen, erklärt Raff auf Nachfrage der SZ, dass "die Stadt für eine Spielgenehmigung nicht der Ansprechpartner ist". Wenn es um die Auflagen des Verbandes zu Bauaufsicht und Brandschutz gehe, sei sie als zuständige Behörde aber involviert. Wenn Türkgücü München alle Auflagen des BFV erfülle, "sehe ich persönlich momentan keinen Grund, warum keine Regionalligaspiele im Stadion an der Klosterstraße stattfinden können". Und weiter: "Wenn der Verein Türkgücü München die Spielberechtigung für das Stadion an der Klosterstraße bekommt, ist er herzlich willkommen".

Nicht bei allen wäre die Freude gar so groß. Irene Weinberg (BBV) äußerte sich in der Stadtratssitzung skeptisch, weil sie mehr Verkehr und zugeparkte Straßen befürchtet. Ähnliche Sorgen wurden in den sozialen Medien vorgebracht. Andere halten solche Bedenken für übertrieben, weil die hochklassigen Spiele von Türkgücü im Grünwalder Stadion stattfinden werden. Für die "Sportstadt" Fürstenfeldbruck sei es eine Aufwertung.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB