Fürstenfeldbruck:Zweifel an der Darstellung des Oberbürgermeisters

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Fürstenfeldbruck: Nicht willkommen ist der Münchner Verein im Stadion an der Klosterstraße (hier Ende Mai bei der Begehung durch Mitglieder der Stadtverwaltung, die auf Wunsch des Oberbürgermeisters unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand).

Nicht willkommen ist der Münchner Verein im Stadion an der Klosterstraße (hier Ende Mai bei der Begehung durch Mitglieder der Stadtverwaltung, die auf Wunsch des Oberbürgermeisters unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand).

(Foto: Stefan Salger)

Türkgücü und SCF weisen der Stadt die Verantwortung für den geplatzten Stadiondeal zu. Derweil sickern pikante Details aus der nicht öffentlichen Stadtratssitzung.

Von Christoph Leischwitz und Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Zutiefst enttäuscht reagieren die beiden beteiligten Vereine auf die Entscheidung des Stadtrats, in der kommenden Saison die Austragung einiger Heimspiele von Türkgücü im Stadion des Sportclubs an der Klosterstraße zu verweigern. Zudem weichen Schilderungen von Teilnehmern der nicht öffentlichen Stadtratssitzung, in der dieser Beschluss gefasst wurde, von der des Oberbürgermeisters ab.

Fürstenfeldbruck: "Ich weiß nicht, was passiert ist": Türkgücü-Präsident Taskin Akkay kritisiert die angeblich sehr schleppende Arbeit im Brucker Rathaus.

"Ich weiß nicht, was passiert ist": Türkgücü-Präsident Taskin Akkay kritisiert die angeblich sehr schleppende Arbeit im Brucker Rathaus.

(Foto: imago sportfotodienst)

Kurz vor Verstreichen der Frist, die der Bayerische Fußballverband den Vereinen gesetzt hat, um ihre Stadien zu melden, scheint der Münchner Verein mit leeren Händen dazustehen. Türkgücü verfügt selbst über keine regionalligataugliche Spielstätte, hat aber bereits die Zusage, den Großteil der Heimspiele im Stadion an der Grünwalderstraße in München austragen zu dürfen. Sieben weitere, als wenig sicherheitsrelevant eingestufte Heimspiele sollten in Bruck ausgetragen werden. Darüber bestand Einigkeit mit dem SCF. Dann aber schaltete sich die Stadt als Eigentümerin des Sportgeländes ein und forderte verschiedene Gutachten. SZ-Informationen zufolge soll die Stadtverwaltung in der Sitzung am Mittwoch dargelegt haben, dass das erforderliche Sicherheitskonzept nicht vollständig vorgelegt worden sei.

Wurde das erforderliche Sicherheitskonzept vorgelegt? Ja, sagt der Münchner Verein

Dem widerspricht nun der Türkgücü-Präsident. "Ich weiß nicht, was passiert ist, welcher Argumentation der Stadtrat gefolgt ist, um eine eigentlich sichere Sache überraschenderweise doch nicht zu unterstützen", sagt Taskin Akkay. Immer wieder habe man gesagt bekommen, eine Nutzungsvereinbarung werde unterstützt, auch vom OB. Laut Akkay hat das Hickhack um die Stadionnutzung nicht nur viele Nerven, sondern auch einen hohen vierstelligen Betrag gekostet. Davon floss ein großer Teil ins Sicherheitskonzept, das man von einer ortsansässigen Firma habe erstellen lassen. Dieses Konzept sei am vergangenen Montag eingereicht worden. Das sei nicht früher möglich gewesen, weil man erst am 17. Juni von der Stadt eine Antwort auf die Frage erhalten habe, wie viele Zuschauer maximal ins Stadion kommen dürfen. In den vergangenen Wochen habe sich mehrmals der Verdacht aufgedrängt, dass es Türkgücü möglichst schwer gemacht werden solle, Termine einzuhalten. Türkgücü wird nun versuchen, bis zum Stichtag am Mittwoch Verträge mit Lohhof unter Dach und Fach zu bringen. Akkay ist optimistisch, weil die Zusammenarbeit mit den Behörden in Unterschleißheim sehr viel schneller ablaufe als in Fürstenfeldbruck.

Fürstenfeldbruck: "Eine absolute Sauerei": SCF-Präsident Jakob Ettner.

"Eine absolute Sauerei": SCF-Präsident Jakob Ettner.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

SCF-Präsident Jakob Ettner schimpft mit Blick auf die Absage kurz vor Torschluss über "eine absolute Sauerei". Man prüfe rechtliche Schritte, weil der Verein mit der Ausrichtung der sieben Heimspiele von Türkgücü einen mittleren fünfstelligen Betrag verdient hätte. Dem Stadtrat will Ettner "keinen großen Vorwurf" machen. Dieser habe vermutlich "auf der Basis von Halbwissen" entscheiden müssen. Überhaupt sei es nicht nötig, den Stadtrat zu fragen, in den vergangenen Jahren habe Raff Entscheidungen bezüglich der Nutzung der Anlage auch alleine getroffen, so auch 2018 über ein Benefizspiel von 1860 München.

Fürstenfeldbruck: "Aus Sicht der Verwaltung gab es derzeit keine ablehnenden Gründe": Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Erich Raff

"Aus Sicht der Verwaltung gab es derzeit keine ablehnenden Gründe": Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Erich Raff

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Dass nicht alle Stadträte sich umfassend und neutral informiert fühlen, trifft nach SZ-Informationen zu. Schilderungen des Ablaufs der nicht öffentlichen Sitzung widersprechen zudem der Darstellung von OB Erich Raff. Der hatte auf eine Anfrage der SZ am Donnerstag geschrieben, der Beschluss sei "mehrheitlich ohne Diskussion abgelehnt" worden, "so dass wir Ihnen die Gründe für die Ablehnung nicht nennen können. Aus Sicht der Verwaltung gab es derzeit keine ablehnenden Gründe."

Nach SZ-Informationen äußerten sich in der Sitzung der Rechtsamtsleiter, ein Stadtrat sowie der OB zur Stadionfrage. Einer Zustimmung, die schließlich mit 17 gegen 16 Stimmen verweigert worden sein soll, sei sinngemäß vor allem das angeblich nicht vollständig vorgelegte Sicherheitskonzept im Wege gestanden, heißt es. Nicht klar gewesen sein soll einigen Stadträten zudem, dass die Frist des Fußballverbandes noch gar nicht abgelaufen ist. Sportlich wäre Türkgücü keine besondere Bereicherung für Bruck gewesen, heißt es vereinzelt. Aber die Art und Weise der Absage sei einer "Sportstadt" unwürdig.

Eine erneute Anfrage an die Stadt zum Thema Sicherheitskonzept blieb am Freitag bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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