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Türkenfeld:Wandel der Geschlechterrollen

Weltfrauentag in Türkenfeld

Gisela Schneeberger (von links), Jutta Mauermann, Nupur Saxena-Buck und Sabeeka Gangjee-Well sprechen über Gleichberechtigung.

(Foto: Günther Reger)

Bei den Grünen geht es zum Weltfrauentag um Gehorsam und Gleichberechtigung

Von Manfred Amann, Türkenfeld

Seit dem ersten Weltfrauentag im März 1911, den die deutsche Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin angeregt hatte, hat sich die Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft stark gewandelt. Von einer Gleichberechtigung der Geschlechter ist die Welt jedoch noch weit entfernt. "Erst wenn es in allen Lebensbereichen völlig egal ist, ob ein Mann oder eine Frau etwas tut und es auch keine Rolle spielt, woher jemand kommt, haben wir Gleichberechtigung".

Diese visionäre Hoffnung stammt von Nupur Saxena-Buck, 35, die mit ihrer Familie mit drei kleinen Kindern in Türkenfeld lebt. Auf einer Podiumsdiskussion, zu der der Ortsverband Türkenfeld der Grünen eingeladen hatte, diskutiert die gebürtige Inderin mit der Schauspielerin Gisela Schneeberger, die 1948 zur Welt kam, und mit der 80-jährigen Ärztin Jutta Mauermann über Veränderungen in der Frauenrolle. Gezielte und teils provozierende Fragen stellt Sabeeka Gangjee-Well. Zu den Kommunalwahlen wünscht sich die Gemeinderätin und Vorsitzende der Ortsgrünen, dass diesmal deutlich mehr Frauen in die kommunalen Gremien gewählt werden. Besonders offensichtlich wird der Wandel in der Frauenrolle durch Erzählungen von Ärztin Mauermann. Sie habe Medizin studiert, sei aber als Hausfrau und Mutter zuhause geblieben. Denn ihr Mann habe gesagt: "Kommt gar nicht in Frage", als sie beruflich habe aktiv werden wollen. "Darauf zu hören war für mich selbstverständlich", sagt sie. "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mir eine Ersatz-Mama oder eine Betreuungsstätte zu suchen, um meinen Beruf ausüben zu können".

Schneeberger erinnert sich an Aussagen in ihrem Umkreis, dass Eltern ein Mädchen nicht studieren lassen wollten, "damit sie uns nicht über den Kopf wächst". Davon könne heute keine Rede mehr sein, wenngleich es ständiger Gespräche zwischen Partnern bedürfe, damit Männer die fraulichen Bedürfnisse nach Verwirklichung akzeptierten, sagt Saxena-Buck, die neben dem Haushalt als Projektmanagerin in der Energiewirtschaft arbeitet.

Auf die Frage, ob weibliche Schauspieler benachteiligt würden, sagt Schneeberger aus: "Allgemein gesehen nicht, aber Frauen bekommen immer noch weniger Gage als Männer". Grundsätzlich hätten sich die Männer geändert, es gebe mittlerweile auch Hausmänner, was vom Staat auch unterstützt werde. Mauermann stellt fest: "Die Männer haben sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg fantastisch entwickelt", wofür es Applaus gibt. Schneeberger sagt, es gebe auch Frauen, die sich einen führungsstarken Macho-Mann wünschten, was der Entwicklung hin zur Gleichberechtigung sicher nicht dienlich sei. Mauermann, in ihrer Studienzeit "etwas rebellisch", berichtet, was ihr ein Arzt damals gesagt habe: "Du wirst es auch noch lernen, gehorsam zu sein". Einig sind sich die Frauen, dass ihrem Geschlecht als Mutter und Arbeitskraft eine Doppelrolle angeboren und Gleichberechtigung nur möglich ist, wenn sich die Frau von dem biblisch unterstützten Rollenverständnis verabschiedet, dem Mann untertan sein zu müssen. Eine Besucherin regt an, Hausfrauenarbeit grundsätzlich zu bezahlen. Die sogenannte Herdprämie sei nur ein "Almosen".

© SZ vom 13.03.2020

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