bedeckt München 17°
vgwortpixel

Türkenfeld:Vorlesestunde für Alpakas

Alpaka

Frauke Grave macht mit ihren sechs Alpakas in Türkenfeld nur positive Erfahrungen.

(Foto: Günther Reger)

Auf einer Weide in Türkenfeld wird Selbstvertrauen gesteigert

Alpakas zum einen für ihre Belastbarkeit, zum anderen ihre feine Wolle bekannt. Die drollig wirkenden Tiere haben aber noch andere positive Eigenschaften. Frauke Grave, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Türkenfeld, setzt sie seit zwei Jahren erfolgreich in ihren Behandlungen ein.

"Es sind sehr sensible Tiere. Im Gegensatz zu einigen heimischen springen sie nicht gleich auf einen zu. Man muss sich ihr Vertrauen erarbeiten," erklärt Grave. Vor allem für trauernde oder traumatisierte Menschen sei das sehr hilfreich. Das Vertrauensverhältnis zu den Tieren lasse sich leichter aufbauen als zu einer Person, so Grave. Allein durch die Anwesenheit öffneten sich die Betroffenen leichter. Über einen längeren Zeitraum hinweg suche ein Patient sich sogar ein Alpaka aus, zu dem er einen Bezug habe und das ihn in seinem Charakter ergänze.

"Ich habe Patienten, die sehr verschlossen sind. Kaum sind sie bei den Tieren auf der Weide, fangen sie aber an zu reden," erklärt Grave. Zu dem Alpaka sprächen sie über ihre Sorgen und Probleme. In diesem Zusammenhang fielen auch Sätze, wie "Ich weiß, mit dir würde mir so etwas nie passieren." Nachdem sie beim Tier gewesen seien, seien die Menschen weniger gestresst, erklärt die Reittherapeutin.

Der Vorteil beim Alpaka liegt ihrer Ansicht nach in der Exotik der Tiere. "Vor allem Hunde und Pferde werden in der tiergestützten Therapie eingesetzt", meint Grave. Dabei hätten die Menschen im Umgang mit diesen Tieren teilweise negative Vorerfahrungen gemacht.

"Erfahrungen mit Alpakas, noch dazu schlechte, haben jedoch eher weniger Menschen", so Grave. "An diese Tiere hat man keine Erwartungen, und so tritt man viel unbefangener und offener an sie heran." Man baue zu ihnen eine Vertrauensbasis auf, die auch helfe, das Selbstbewusstsein zu steigern. "Zu mir kam ein Kind mit Legasthenie, das einem Alpaka immer vorgelesen hat. Diese Erfahrungen und das Selbstvertrauen hat es dann mit in die Schule genommen, heute traut es sich, auch dort vorzulesen."

Die insgesamt sechs Tiere sind auch für Grave sehr bereichernd. "Ich habe mich sehr intensiv mit ihnen auseinandergesetzt. Jedes von ihnen hat eine besondere Persönlichkeit."

Sie helfen ihr auch selbst, neue Kontakte zu knüpfen. "Wenn ich mit ihnen unterwegs bin, werde ich auf sie angesprochen," sagt Frauke Grave. "Allein durch ihre Anwesenheit sind sie Stimmungsaufheller."

© SZ vom 25.02.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite