Marode SchwimmbäderÜberlebenswichtiges Wasser

Lesezeit: 4 Min.

Das Wasser ist ausgelassen, das Türkenfelder Hallenbad wird saniert.
Das Wasser ist ausgelassen, das Türkenfelder Hallenbad wird saniert. (Foto: Johannes Simon)

Viele Schwimmbäder müssen renoviert werden. Das ist teuer. Auch in der kleinen Gemeinde Türkenfeld gab es Zweifel. Doch nun hat man eine Möglichkeit gefunden, das Becken zu erhalten.

Von Heike A.Batzer, Türkenfeld

Früher, sagen manche, hätte man das Schwimmen eben in einem See gelernt. Dann kam die Zeit, in der viele öffentliche Schwimmbäder entstanden – so auch in kleinen Ortschaften wie Türkenfeld. Etwa 4000 Einwohner hat die Gemeinde im westlichen Teil des Landkreises Fürstenfeldbruck – und eben ein kleines Schwimmbad, entstanden in den Siebzigerjahren im Souterrain der heutigen Mittelschule und mittlerweile arg in die Jahre gekommen. Seit 2022 ist es geschlossen, nun wird es erneuert. Ein finanzieller Kraftakt für eine kleine Gemeinde. Überlebenswichtig indes für viele, die das Schwimmen erst noch lernen müssen.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Immer mehr Kinder könnten nicht schwimmen, warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Die Anzahl der Grundschulkinder in Deutschland, die nicht schwimmen können, stieg einer im Auftrag der DLRG vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführten Umfrage zwischen 2017 und 2022 von zehn auf 20 Prozent. Damit ist jedes fünfte Kind im Alter zwischen sechs und zehn Jahren ein Nichtschwimmer. An Seen und Flüssen kommt es im Sommer immer wieder zu tödlichen Badeunfällen – in allen Altersgruppen. Laut DLRG ertranken im vergangenen Jahr deutschlandweit 411 Menschen, darunter 14 Kinder unter zehn Jahren.

Bekundungen, wie wichtig die Fähigkeit zu schwimmen sei, gibt es viele. Dennoch müssen immer wieder Bäder schließen, weil das Geld für eine Instandsetzung fehlt oder der laufende Betrieb zu viel Defizit einfährt. Ohne ausreichende Sanierung ist laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) unter den Kommunen zu befürchten, dass 16 Prozent der Freibäder und 14 Prozent der Hallenbäder schließen müssen. Davon könnten laut Difu etwa 800 Bäder in Deutschland betroffen sein.

Auch in Türkenfeld hat man lange überlegt, ob man sich die notwendige Generalüberholung des Bades leisten kann. Die Kosten für eine Sanierung wurden 2022 noch auf etwa dreieinhalb Millionen Euro beziffert, mittlerweile liegen sie bei sechseinhalb Millionen, geschuldet vor allem den enormen Bau- und Energiepreissteigerungen der vergangenen Jahre. Der Versuch, Nachbarkommunen an der Finanzierung zu beteiligen, scheiterte.

Im Trockenen sitzen die Gäste des kleinen Festakts, zu dem die Gemeinde Türkenfeld anlässlich des Sanierungsbeginns ihres Schwimmbades geladen hat.
Im Trockenen sitzen die Gäste des kleinen Festakts, zu dem die Gemeinde Türkenfeld anlässlich des Sanierungsbeginns ihres Schwimmbades geladen hat. (Foto: Johannes Simon)

Erst eine Kombination aus Bundes- und Landeszuschüssen machte das Projekt schließlich finanzierbar. An diese Förderung zu kommen, ist nicht immer einfach, eine gute Vernetzung und Hartnäckigkeit helfen. Deren Beantragung und Abwicklung sei „herausfordernd“, sagt denn auch Türkenfelds Bürgermeister Emanuel Staffler (CSU), und vielleicht hilft ihm eine Eigenschaft, die seine Ehefrau, die Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler (CSU), so beschreibt: „Wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat, dann verbeißt er sich in das Thema.“

Neben 1,4 Millionen Euro Förderung von der Bundesebene gibt es nun eine Million vom Freistaat Bayern dazu. Weil das Bad künftig als Betrieb gewerblicher Art geführt werden soll, entfällt auch noch die Mehrwertsteuer auf die Sanierungskosten, was die Gesamtkosten noch einmal um etwa eine Million Euro drückt. Aber „ohne die Beiträge von Land und Bund wäre die Sanierung undenkbar“, sagt Emanuel Staffler. 3,1 Millionen Euro muss die Gemeinde noch selbst schultern.

Christian Bernreiter, bayerischer Bauminister, setzt schonmal symbolisch den Schlagbohrer an.
Christian Bernreiter, bayerischer Bauminister, setzt schonmal symbolisch den Schlagbohrer an. (Foto: Johannes Simon)

Zum symbolischen Spatenstich, zu dem fürs Foto ein paar Schlagbohrmaschinen gereicht wurden, ließ sich sogar Christian Bernreiter, der bayerische Bauminister, für eine halbe Stunde nach Türkenfeld fahren, um einem kleinen Festakt im leer gepumpten und mit Schwimmnudeln und aufblasbaren Palmen dekorierten Becken beizuwohnen. Die Landesmittel stammen aus einem 2019 aufgelegten Sonderprogramm mit Namen Schwimmbadförderung. Allerdings erst eine Verdoppelung der Fördersätze im Jahr 2023 habe dann zu einem regelrechten Run auf den Fördertopf geführt, berichtete Bernreiter. Seit dem Start des Sonderprogramms wurden bayernweit 100 Schwimmbäder mit etwa 150 Millionen Euro unterstützt.

Die Schüler müssen vorübergehend pendeln

Geplant ist in Türkenfeld nun eine Kernsanierung der Betonteile mit Betoninstandsetzung sowie die Sanierung von Sanitäranlagen und Umkleiden. Die Fliesen im 16 mal acht Meter großen Schwimmbecken sollen durch eine Edelstahlwanne ersetzt, das gesamte Bad soll barrierefrei werden.

Viele Jahrzehnte lang wurde im kleinen Türkenfelder Hallenbad geschwommen und getaucht. Mittlerweile ist das Wasser abgelassen.
Viele Jahrzehnte lang wurde im kleinen Türkenfelder Hallenbad geschwommen und getaucht. Mittlerweile ist das Wasser abgelassen. (Foto: Leonhard Simon)

Dass das wohnortnahe Schwimmbad erhalten bleiben soll, darüber sei man an der Mittelschule sehr erfreut, sagt deren Leiter Markus Istenes. Es sei schon „ein Schlag für die Schule“ gewesen, als sie 2022 den Schwimmunterricht einstellen musste. Schwimmstunden gab es dort für alle Schülerinnen und Schüler des Schulverbandes Türkenfeld, zu dem auch die Nachbarkommunen Grafrath, Kottgeisering und Moorenweis zählen. Vorübergehend erhalten sie jetzt in Grafrath Unterricht, das ebenfalls ein kleines Schwimmbad besitzt. Man habe die Kinder gerade noch so untergebracht, sagt Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei). Auch er weiß, dass es schwierig ist, ein solches Bad zu erhalten. Zuletzt seien in Grafrath dreimal in Folge die Eintrittspreise erhöht worden. Das eigentliche Problem an öffentlichen Einrichtungen seien die Betriebskosten, weil sie eben regelmäßig anfielen, betont Kennerknecht. Er würde sich wünschen, dass es auch für Betriebskosten Zuschüsse gäbe.

Auch in Moorenweis ist man „heilfroh, dass es in Türkenfeld weitergeht“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Christoph Gasteiger (CSU). Derzeit weichen Moorenweiser Schüler nach Mammendorf ins Freibad aus, doch das ist nur im Sommer möglich.

SZ Good News
:Gute Nachrichten aus München – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Mehr positive Neuigkeiten im Alltag: Die Süddeutsche Zeitung verbreitet jeden Tag auf Whatsapp ausschließlich schöne und heitere Nachrichten aus München und der Region. So können Sie ihn abonnieren.

Im Herbst 2027 soll die Sanierung fertig sein. Die Nutzer stehen schon in den Startlöchern. Neben Schulen und privaten Badegästen suchten in der Vergangenheit auch Sportvereine und Schwimmschulen regelmäßig das Türkenfelder Bad auf. Anke Wagner, die Babyschwimmen in mehreren Bädern im Kreis Fürstenfeldbruck anbietet, will das auch im renovierten Türkenfelder Bad tun. Für die Kleinen ab drei Monaten braucht sie besonders warmes Wasser. Ihre Kurse sind in verschiedene Altersgruppen unterteilt. Babys ab acht Monaten lernen dann, sich allein aufzurichten, um im Zweifelsfall nicht mit dem Gesicht im Wasser liegenzubleiben.

„Wir raten allen Eltern, ihre Kinder frühzeitig an sicheres Verhalten im Wasser heranzuführen, ihnen die Unterschiede zwischen Hallenbad und Freigewässern aufzuzeigen und nach Möglichkeit Schwimmkurse zu besuchen“, empfiehlt der CSU-Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch in seiner Rolle als Vorsitzender der Wasserwacht Oberbayern. Auch Matthias Heimbach, Geschäftsführer der Schwimmschule Flipper, ist nach Türkenfeld gekommen. Im großen Einzugsgebiet rund um München ist er ständig auf der Suche nach weiteren Wasserflächen, denn er müsse mit seinen Schwimmkursen dorthin gehen, „wo die Familien hinziehen“.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Kommunalwahl 2026
:Der Dauerbrenner

Thomas Karmasin ist seit bald 30 Jahren Landrat im Kreis Fürstenfeldbruck – und zum Verdruss seiner politischen Gegner kein bisschen amtsmüde. Warum will er eigentlich immer noch weitermachen?

SZ PlusVon Heike A. Batzer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: