Jahrzehntelang lag es im Verborgenen: das Salettl im Herzen Türkenfelds, laut Gemeinde „ein denkmalgeschütztes Juwel“. Erst als 2021 Rahmen der Dorfentwicklung die Bahnhofstraße ausgebaut wurde und dafür Bäume und Büsche gerodet wurden, wurde es wieder sichtbar. Kürzlich hat die Gemeinde das rund 250 Jahre alte Gebäude gekauft, wie es in einer Mitteilung heißt. „Die Gemeinde wird das Salettl nicht selbst sanieren. Vor dem Hintergrund vieler anderer Großprojekte würde dies den Haushalt zu stark belasten“, erklärt Bürgermeister Emanuel Staffler (CSU). Vielmehr soll für die Sanierung und künftige Nutzung ein Projektpartner gefunden werden.
Das Salettl wurde vermutlich im 18. Jahrhundert errichtet und ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele dieser typisch ländlich-geistlichen Bauform in der Region. Es war ursprünglich ein Ökonomiegebäude der Türkenfelder Pfarrer und diente der Lagerung von Naturalabgaben (Zehent). Unten befand sich ein Gewölbekeller für Kartoffeln, im Obergeschoss war ein Getreidespeicher.
Die Zeit seit dem letzten Umbau hat es fast unverändert überdauert. Im Laufe der Zeit wurde das Salettl bereits mehrfach modifiziert und erweitert. Um 1917 wurde das Obergeschoss abgebrochen und durch einen Holzaufbau ersetzt. So entstand eine Terrasse für Hauswirtschaftszwecke, unter anderem zum Wäschetrocknen. Der markante Aufbau und die Umnutzung stünden exemplarisch für die funktionale Anpassungsfähigkeit historischer Bausubstanz im Wandel der Zeiten, heißt es in der Projektbeschreibung. Allerdings sei der bauliche Zustand schlecht.
„Aus bauhistorischer Sicht stellt das Salettl ein wertvolles Objekt der Dorfgeschichte dar“, erklärt Staffler. „Es bietet nicht nur architektonische Einblicke in vergangene Nutzungsformen, sondern zeigt auch, wie sich kirchlich geprägte Bauten über Jahrhunderte ins Ortsbild integriert und weiterentwickelt haben.“ Für Türkenfeld wirke das Salettl identitätsstiftend und ermögliche eine zukünftige Nutzung im Sinne der Gemeinschaft.

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So sehen das wohl auch viele Türkenfelder. „Aus der Bürgerschaft gab es seit der Freilegung immer wieder die nachvollziehbare Forderung, dieses im Ortsbild sehr präsente, aber gleichzeitig marode Gebäude zu sanieren und damit zu erhalten“, sagt Staffler. Nun hätten sich die Gemeinde, die Diözese Augsburg und der zuständigen Pfarrpfründe-Stiftung geeinigt, was sowohl Staffler als auch Pfarrer Bernhard Maurus Mayer freut. Kürzlich haben sie beim Notar die Verträge unterzeichnet.
Erbpacht auf 75 Jahre
Geplant ist, dass ein Projektpartner das Gebäude in Erbpacht für 75 Jahre übernimmt, es denkmalkonform saniert und dann sinnvoll nutzt. Eine Ausschreibung mit detaillierten Informationen ist auf der Gemeinde-Homepage abrufbar. Bewerbungen sind bis Mitte November möglich. Als Ansprechpartner – auch für Besichtigungen potenzieller Interessenten – steht Bürgermeister Emanuel Staffler zur Verfügung. Zu erreichen ist er per E-Mail an E.Staffler@tuerkenfeld.de. Wer den Zuschlag bekommt, entscheidet der Gemeinderat Anfang 2026.
„Worauf wir Wert legen, sind ein schlüssiges Nutzungskonzept, Expertise im Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bewerber“, erklärt Staffler. Eine wichtige Bedingung: Der während der Dorfentwicklung vor dem Gebäude errichtete öffentliche Parkplatz soll dauerhaft bestehen bleiben.

