Er ist der Jogi Löw der Trialfahrer: Alois Thoma ist Weltmeistertrainer. 2007 hat er Iris Krämer (heute Oelschlegel) zum größten aller möglichen Titel in dieser Motorsportdisziplin mit dem Geländemotorrad geführt. Nach seiner internationalen Karriere als Bundestrainer von 2005 bis 2011 kümmert sich der in Emmering im Landkreis Fürstenfeldbruck wohnende 62-Jährige als Leiter der Trialabteilung des TuS Fürstenfeldbruck mittlerweile vor allem um den Nachwuchs und betreut zudem ein eigenes Leistungsteam mit 13 Jugendlichen. In einer Sportart, die im Gegensatz zum Fußball nicht im öffentlichen Fokus steht – obwohl sie spektakuläre Bilder zu bieten hat.
Beim Trial gilt es, einen mit Hindernissen wie Felsbrocken oder Baumstämmen gespickten Parcours mit stollenbereiften Spezialmotorrädern zu bewältigen, ohne einen Fuß abzusetzen. Im Seniorenbereich werden vor allem Viertakter mit 300 Kubik eingesetzt, im Nachwuchsbereich sind bereits Fahrzeuge mit Elektroantrieb üblich.
Mit sieben oder acht Jahren geht es für Nachwuchsfahrer los in dieser langsamsten und deshalb auch sichersten Disziplin des Motorsports. Denn statt Speed sind Körperbeherrschung und Gleichgewicht gefragt. Steile Anstiege und nahezu vertikale Sprünge mit dem Vorderrad Richtung Himmel sind für die Könner ihres Fachs ebenso wenig ein Problem wie auf der Stelle zu stehen.
Zu diesem Kreis zählt auch Thoma, der in vier Jahrzehnten fast tausendmal selbst am Start war bei Wettkämpfen. So auch bei 16 Weltmeisterschaften. Bis heute hält sich Thoma mit Joggen und auf dem Mountainbike fit. Sein Plan: Mit dem Trialfahren „erst aufhören, wenn ich 70 bin“. Thoma wurde in Hutthurm bei Passau in eine motorsportbegeisterte Großfamilie hineingeboren. Seine Brüder fuhren entweder Motocross oder Trial. Als 14-Jähriger baute er eine Zündapp mit 50-Kubik-Zweitaktmotor um und nahm mit dem Moped erstmals an Wettkämpfen teil.

In der Szene genießt Thoma einen exzellenten Ruf. Wegen seiner ruhigen Art ohne Starallüren. Aber auch wegen seiner Geduld, seiner Kompetenz und der Bereitschaft, sein Wissen an andere Fahrer weiterzugeben. Iris Oelschlegel, 44, die sich inzwischen im Auftrag des Motorradweltverbandes um die Streckenführung bei internationalen Titelkämpfen kümmert, lobt den damaligen Bundestrainer in den höchsten Tönen: „Er war immer unglaublich engagiert, topmotiviert und mit dem Herzen dabei.“
Wenn man mal einen schlechten Tag erwischt habe, „hat er uns immer aufgebaut“. Sie erinnert sich gut an Thomas unkonventionellen Fahrstil unter dem im Trial eigentlich ungewöhnlichen Motto „Geschwindigkeit bringt Sicherheit“ – was eher als Appell für eine flüssige und selbstbewusste Fahrweise ohne viele Ecken und Kanten zu verstehen ist.

Am Rande eines Schnuppertrainings auf dem TuS-Trialgelände hinter dem Fürstenfeldbrucker Feuerwehrhaus wird deutlich, dass der erfolgreiche Sportler und Trainer sehr geerdet ist. Der Schreinermeister, der hauptberuflich in der Fürstenfeldbrucker Caritas-Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeitet und nebenher Händler von Trial-Motorrädern ist, schwärmt von seinem Sport und blickt mit Stolz auf die Früchte der Nachwuchsförderung.

Die 15-jährige Magdalena Hubner zählt zu den größten Talenten im Verein. Gemeinsam mit ihren Klubkollegen Lukas Peukert, 15, und Clara Petz, 14, wurde sie in den bayerischen Landeskader berufen und nahm vor gut einer Woche an den Trial-Europameisterschaften im französischen La Bresse teil. Hubner startete als Jüngste in der Erwachsenenklasse und schaffte es als Neunte unter die Top Ten, Petz war ebenfalls jüngste Starterin in der Klasse bis 18 Jahre und gewann sogar ihre beiden Läufe. Ebenso wie Hubner bereitet sich Thoma gerade intensiv auf die Deutschen Meisterschaften am 14. und 15. Juni im sächsischen Thalheim vor, wo der Routinier in seiner Altersklasse wieder zum Favoritenkreis zählt.

Um seinen Sport weiter voranzubringen, haben sich Alois Thoma und der stellvertretende Abteilungsleiter Alexander Reinshagen erfolgreich um Fördermittel bemüht. 2023 gab es erstmals einen Zuschuss aus dem Innovationsfonds des Deutschen Motorsportbunds. Die Mittel wurden für Jugendförderung, Trainingscamps, die Qualifizierung von Trainern und Betreuern sowie für den Umbau des Vereinsgeländes und die Anschaffung zweier Motorräder mit E-Motor eingesetzt. Mit dem Trialsport in Fürstenfeldbruck geht es also weiter voran: zunehmend emissionsfrei und leise. Und weiterhin flüssig, selbstbewusst und losgelöst von der Erde – ohne Fußaufsetzen.
Jeden zweiten Samstag, von März bis Oktober, wird auf dem Trialgelände des 160 Mitglieder zählenden TuS Fürstenfeldbruck ein Schnuppertraining für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten. Leihmotorräder stehen zur Verfügung. Wer tiefer einsteigen will, muss mit etwa 500 Euro für die Schutzausrüstung rechnen (Helm, Schutzjacke und -hose, Rückenprotektoren, Stiefel, Handschuhe) und mit 3000 Euro für ein erstes gebrauchtes Motorrad. Weitere Strecken von Trial-Klubs in der Münchner Region gibt es bei Holzkirchen, Grasbrunn und auf dem Flughafengelände.

