Treffen der Bäuerinnen Jenseits des Schweigens

Der Landfrauentag spürt der Dialogfähigkeit der Gesellschaft nach. Einig waren sich im Mammendorfer Bürgerhaus dabei alle: Die Zeit, um miteinander zu reden, sollte man sich immer nehmen

Von Manfred Amann, Mammendorf

Wenn sich Menschen unterhalten, geht es hauptsächlich um andere, dann um Preise, Urlaub oder Wetter, ganz hinten erst rangieren die Sinnfragen des Lebens sowie Kunst oder Kultur. Solche Gespräche sind laut Miriam Rieder, Projektmanagerin für EU-Programme und Unternehmerin aus Südtirol, aber selten Dialoge. Auf dem Landfrauentag im Bürgerhaus in Mammendorf, den Kreisbäuerin Karin Sepp und ihr Team unter den Tenor "Im Dialog bleiben" gestellt hatten, erläuterte die Juristin auf humorvolle Weise, worauf es beim Dialog ankommt und wo Ratsch und Tratsch beginnen. Zudem entlockte die Südtirolerin den Teilnehmern einer Podiumsdiskussion interessante Ansichten zur Bedeutung und zu den Voraussetzungen eines Dialogs.

Und als die freie Journalistin Claudia von Brauchitsch als Mitdiskutierende mit einem Mikrofon ihren Podiumsplatz verließ, um auf amüsante Weise von Landfrauen zu erfragen, wie sie zu den in erörterten Fragen stehen, herrschte ausgelassene Stimmung unter den etwa 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Berufsbereich. Vielen Menschen fehle der Mut überhaupt etwas zu sagen, stellte eine Frau fest. Eine andere rätselte, "wieso können viele nicht mehr richtig zuhören". Und wieder eine andere berichtete von den Erfahrungen, dass manche andere Meinungen gar nicht an sich heranließen. Bezirksrätin Gaby Off-Nesselhauf merkte im Podiumsgespräch dazu an, dass Dialoge im Zuge von politischen Entscheidungsvorbereitungen unabdingbar seien.

Unter den Gästen im Mammendorfer Bürgerhaus ist der Landfrauenchor.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Kreisbäuerin Karin Sepp hatte dazu eingangs schon angemahnt, sich Dialogen trotz aller unberechtigter Beschuldigungen im Zuge des Volksbegehrens nicht zu verweigern. Auch Mammendorfs Bürgermeister Josef Heckl als Hausherr, Landratsstellvertreterin Martina Drechsler und Kreisobmann Georg Huber vom Bauernverband teilten neben ihrem Lob für das Engagement der Landfrauen diese Ansicht und bemängelten in ihren Grußworten, dass es vor Einleitung des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" Dialoge mit den Initiatoren kaum gegeben habe. Dialoge seien in jeder Lebenssituation nützlich, egal ob in Familie, Beruf oder Freizeit, befand Landwirtin Michaela Höfel, man sollte "immer Zeit haben zu reden, wenn es was zu klären gibt".

Unternehmerin und Trainerin Marlene Grill bezeichnete es als "Tool Nummer 1", zuhören zu können und stets nach Möglichkeiten zu suchen, "Sprachlosigkeit zu durchbrechen". Ganz wichtig sei auch, "auf die innere Stimme zu hören", meinte sie, wozu die Bezirksrätin anführte: "Wir Frauen sind da schon empfindsamer als die Männer", was bei den Landfrauen natürlich gut ankam. Einig waren sich die Podiumsgäste, dass sich die Menschen zu wenig Zeit nehmen für gute Dialoge, die laut Referentin Miriam Rieder von Aufmerksamkeit sowie gegenseitiger Wertschätzung geprägt und vorurteilsfrei sein sollten. Erschwert würden gute Gespräche auch durch die sozialen Medien. "Selbst im Alter von Anfang 40 bin ich schon oldscool. Ich lehne es aber ab, mit meinen Kindern per Whatsapp zwischen den Stockwerken zu kommunizieren", sagte Claudia von Brauchitsch und sprach sich für eine "gute Gesprächskultur" aus.

Worauf es bei einem Dialog ankommt, das erläutert die Südtiroler Projektmanagerin Miriam Rieder

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Begonnen hatte der Landfrauentag traditionell mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Wolfgang Huber mit dem Landfrauenchor unter Leitung von Gertraud Schöttl im Bürgersaal gestaltet hatte. Nach dem gemeinsamen Mittagessen nahmen die Landfrauen die gute Stimmung vom Vormittag mit in ein buntes Faschingsprogramm. Einen Bäuerin brillierte mit der "Schönheitskönigin von Schneizlreuth", Georgine Schmid persiflierte über den Tagesablauf einer Landfrau und die stellvertretende Kreisbäuerin Margit Schmölzl informierte "poetisch", was alles in einen Küchenkasten gehört. Überdies sorgte der Auftritt der Kindergarde der Faschingsfreunde Fürstenfeldbruck mit dem Prinzenpaar Vanessa I. und Alexander I. für gute Laune.