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Tödliche Badeunfälle:Warnschilder für Flüchtlinge in sieben Sprachen

In sieben Sprachen wird nun am Emmeringer See vor der Gefahr für ungeübte Schwimmer gewarnt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)
  • Eine knappe Woche nach dem tödlichen Badeunfall im Emmeringer See suchen Vertreter von Wasserwacht, Caritas und der Gemeinde nach Möglichkeiten, so etwas künftig zu verhindern.
  • Noch am Tag des Unfalls wurden mehrere Warnschilder rund um den See aufgstellt, die in sieben Sprachen auf die große Gefahr durch das steil abfallende Ufer hinweisen.

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Eine knappe Woche nach dem tödlichen Badeunfall im Emmeringer See suchen Vertreter von Wasserwacht, Caritas und der Gemeinde Emmering nach Möglichkeiten, so etwas künftig zu verhindern. Noch am Freitag stellten Emmerings Bürgermeister Michael Schanderl und Mitarbeiter mehrere Warnschilder rund um den See auf, die in sieben Sprachen auf die große Gefahr durch das steil abfallende Ufer hinweisen. Hundertprozentige Sicherheit könne es aber nicht geben, räumen alle Experten ein. Am aussichtsreichsten sei eine besser Aufklärung und Information, Verbote hingegen werden als unbrauchbares Mittel verworfen.

Beim zweiten Badeunfall innerhalb eines Monats war am Freitag erneut ein Bewohner der Erstaufnahmestelle am Fliegerhorst, in der zurzeit 413 Flüchtlinge wohnen, ums Leben gekommen. Der 31 Jahre alte Äthiopier war bei sommerlichen Temperaturen etwa 30 Meter vom Ufer entfernt untergegangen, fast an der gleichen Stelle wie am 17. Mai ein 23-jähriger Mann aus dem nordafrikanischen Eritrea.

Doch gerade für die Flüchtlinge aus Nordafrika oder Syrien sind die Warnschilder noch immer nicht lesbar, da ihre Sprache nicht aufgeführt ist. Markus Pree, Referatsleiter des Bürgerservice-Zentrums in Fürstenfeldbruck, sieht da auch noch Handlungsbedarf. "Wir haben uns am Freitag sehr schnell entscheiden müssen. Wir werden die Schilder noch überarbeiten beziehungsweise ergänzen", sagt er er im SZ-Interview.

Gefahr für unsichere Schwimmer

Willi Dräxler, im Brucker Stadtrat und bei der Münchner Caritas zuständig fürs Thema Migration, äußert sich am Montag bestürzt, aber auch ein wenig ratlos. Bereits nach dem ersten Unfall hätten er sowie die Mitarbeiter der Caritas, die für die Asylsozialberatung zuständig sind, immer wieder auf die Gefahren hingewiesen, die die beiden Baggerseen in Emmering und Fürstenfeldbruck für unsichere Schwimmer darstellen. Er habe den Eindruck gewonnen, dass dies auch bei den Bewohnern angekommen sei. Weil diese aber in der Regel nur etwa vier bis sechs Wochen in Bruck bleiben und ihnen dann andere Flüchtlinge nachfolgen, werde man die Aufklärung noch weiter intensivieren - so könnten bereits beim Bezug der Unterkünfte Faltblätter mit erläuternden Piktogrammen verteilt werden. Man könne und wolle den Flüchtlingen aber den Besuch der Badegewässer nicht verbieten.

Das Freibad ist offenbar keine Alternative, weil es schwerer zu erreichen ist und Eintritt kostet. Der zehn bis zwölf Meter tiefe Emmeringer See dagegen ist keine zwei Kilometer vom Fliegerhorst entfernt und bietet 5500 Quadratmeter Liegeflächen. An seinen Ufern hängen Rettungsringe, eine Wasserwachtstation gibt es dort aber nicht.

Vorschläge, den See zu umzäunen oder aufblasbare Schwimmhilfen zu verteilen, halten Dräxler und der Emmeringer Verwaltungschef Markus Pree ebenso für ungeeignet wie Ralph Westenrieder. Der Chef der Kreiswasserwacht bezeichnet auch eine dauernde Präsenz seiner Kollegen in Emmering für kaum machbar: "Wir müssten andernorts Kräfte abziehen." Jenseits der Wochenenden stehen ohnehin kaum ehrenamtliche Kräfte bereit.

Wasserwacht hat besonderes Auge auf Flüchtlinge

Erst vor einer Woche hatte Westenrieder selbst einem Asylbewerber auf dem Mammendorfer See mit Hilfe eines Rettungsbretts geholfen. Dem waren auf dem Weg zur Badeinsel sichtlich die Kräfte geschwunden. Da hatte es sich ausgezahlt, dass die Mitglieder der Wasserwacht neben unbegleiteten Kindern zurzeit vor allem dunkelhäutige Badegäste besonders im Blick behalten. So etwas könne schnell schief gehen, so Westenrieder. Deshalb sei es wichtig, schlechte Schwimmer frühzeitig auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Dies könnte Westenrieder zufolge auch Personal leisten, das nicht über eine Ausbildung als Rettungsschwimmer verfügt.

Gabriela große Holthaus, Sprecherin der für die Erstaufnahmestelle zuständigen Bezirksregierung, weist solche Begehrlichkeiten zurück. Man nehme die Badeunfälle sehr ernst. Für die Betreuung in Alltagsfragen, so auch für die Vermittlung von Verhaltensregeln im Gefahrenfall, sei die Asylsozialberatung zuständig.

"Ein wichtiger Baustein" sei zudem "das ehrenamtliche Engagement", etwa in Form von Schwimmkursen für Asylbewerber, wie sie bis zur sanierungsbedingten Schließung der Amperoase auch die Brucker Trainerin Brigitte Hinz angeboten hatte. Einen Wachdienstmitarbeiter als Aufsicht oder "Bademeister" abzustellen, sei nicht möglich, weil der Wachdienst "gemäß seines vertraglich vereinbarten Auftrags auf das Areal der Unterkunft und deren unmittelbares Umfeld" begrenzt sei.

© SZ vom 16.06.2015/lime
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