Überacker-Auffangstation vor dem AusBrucker Tierschutzverein sucht Rettung in Passau

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Eine marode Unterkunft in Überacker, kein Kreistierheim, knappe Kassen: Der Tierschutz im Landkreis Fürstenfeldbruck steht am Scheideweg.
Eine marode Unterkunft in Überacker, kein Kreistierheim, knappe Kassen: Der Tierschutz im Landkreis Fürstenfeldbruck steht am Scheideweg. (Foto: Leonhard Simon)

Jahrelang versucht die Allianz der Tier- und Naturfreunde aus Maisach die Kommunalpolitiker dazu zu bewegen, ein Kreistierheim zu errichten. Ohne Erfolg. Warum die Lösung ausgerechnet 160 Kilometer entfernt liegen soll.

Von Heike A. Batzer, Maisach

Zieht sich die Allianz der Tier- und Naturfreunde aus der Tierschutzarbeit im Landkreis Fürstenfeldbruck zurück? Mitglieder des Vereins äußerten sich bei der Jahreshauptversammlung besorgt, denn die Vereinsführung hegt Fusionspläne mit dem Tierschutzverein/Tierschutz-Aktiv Passau und Umgebung im niederbayerischen Landkreis Passau. Das klingt, zumindest räumlich, erst einmal unvereinbar, und vielleicht ist es das auch. Zunächst sollen beide Tierquartiere bestehen bleiben. Aber kann das klappen? Die Mitglieder sind skeptisch.

Es spricht eine gehörige Portion Frustration aus den Worten von Andrea Mittermeir, die seit fünf Jahren die Allianz der Tier- und Naturfreunde (früher Tierfreunde Brucker Land) führt und soeben für weitere zwei Jahre wiedergewählt wurde. Es seien sehr „intensive fünf Jahre“ gewesen, sagt sie: „Aber es tut sich halt nichts, es gibt kein Ergebnis.“

Der Verein betreibt eine Auffangstation im alten Wasserhaus des Maisacher Ortsteils Überacker, das ihm die Gemeinde kostenfrei gegen den Auftrag überlassen hat, sich um die Fundtiere in der Gemeinde zu kümmern. Doch die Unterkunft ist marode und eigentlich weder den Tieren zumutbar, die dort untergebracht sind, noch den Menschen, die dort tätig sind. Man habe sich zwar mit den Problemen arrangiert, sagt Andrea Mittermeir der SZ, „aber das ist nichts Langfristiges“.

Es gibt bislang kein zentrales Kreistierheim

Doch eine Lösung, ein neues, zeitgemäß ausgestattetes Tierheim, gibt es nicht. Der Landkreis Fürstenfeldbruck verfügt über kein zentrales Kreistierheim. Beim derzeit laufenden Versuch der Kommunen, gemeinsam einen Bau zu planen, zu errichten und zusammen mit freiwilligen Spendern zu finanzieren, sieht sich die Allianz der Tier- und Naturfreunde übergangen. Sie hatte Interesse als Betreiberin eines solchen Tierheims bekundet, doch die Kommunen wollen erst abwarten und einen künftigen Betreiber über eine Ausschreibung finden.

Das macht es freilich für beide Seiten unberechenbar. Das Vorhaben der Allianz der Tier- und Naturfreunde, in Olching ein eigenes Tierheim zu bauen, scheiterte an den Grundstückskosten, die sich Mittermeir zufolge plötzlich von Verkäuferseite erhöht hatten. Weitere potenzielle Areale, etwa am alten Reitstall in Fürstenfeldbruck, in Schöngeising, in Bergkirchen oder bei Geltendorf, waren entweder nicht geeignet oder aus anderen Gründen nicht realisierbar.

Andrea Mittermeir (rechts), seit fünf Jahren Vorsitzende der Tierfreunde Brucker Land, ist jetzt für zwei Jahre wiedergewählt worden. Genauso wie Schriftführerin Andrea Wagner.
Andrea Mittermeir (rechts), seit fünf Jahren Vorsitzende der Tierfreunde Brucker Land, ist jetzt für zwei Jahre wiedergewählt worden. Genauso wie Schriftführerin Andrea Wagner. (Foto: Jana Islinger)

Die Allianz der Tier- und Naturfreunde versorgt Kleintiere, 583 waren es 2023 und 494 im Jahr 2024. Hunde gehören nicht dazu. Es gibt einen Aufnahmestopp, aber was heißt das schon, wenn Tierschützer auf Tierleid treffen? Sie helfen dann halt doch.

Im Landkreis Passau gibt es einen Verein, der eine neue Leitung sucht

Andrea Mittermeir hat nun mit dem Tierheim Buch bei Tiefenbach (Kreis Passau) eine Einrichtung gefunden, die ein Grundstück mit Hunde- und Wohnhaus hat und Platz für eine Erweiterung. Der Verein dort sucht eine Nachfolge. Das passt auch zu den Plänen der Österreicherin, aus privaten Gründen wieder näher an ihre Heimat Linz heranzurücken. Unterstützung erhält sie vom Deutschen Tierschutzbund, der auch daran interessiert ist, dass es in Buch weitergeht und der Verein sich nicht auflösen muss.

Eine Fusion der Vereine sei „in unserem Sinne“, sagt deshalb Christian Schönwetter, Jurist beim Tierschutzbund und Gast bei der jüngsten Jahreshauptversammlung der Allianz der Tier- und Naturfreunde. Denn wenn der Verein sich dort auflöse, sei er „für den Tierschutz verloren“. Schönwetter räumt allerdings die Schwierigkeit ein, dass die Vereine „nicht benachbart“ seien. Auch Mittermeir weiß um die Tatsache, dass in ihrem eingespielten Team in Überacker jeder „weiß, wer was macht“.

„Sitzenbleiber“ sollen nach Passau

Auf die Befürchtung eines Mitglieds, dass man das bestehende Tierquartier im alten Wasserhaus dann wohl auflösen müsse, sagt Mittermeir, dass es ohnehin infrage stehe, „wie man das hier sinnvoll betreiben kann“. Die vielen „Sitzenbleiber“ im Tierheim, also jene Tiere, die nicht an neue Besitzer vermittelt werden können, könnten Mittermeir zufolge zum Beispiel nach Passau gebracht werden.

Eine mögliche Auflösung der Einrichtung in Überacker müsse nicht die Auflösung des Tierschutzes vor Ort bedeuten, betont Schönwetter. Wie eine solche Fusion zweier Tierschutzvereine, die gut 160 Kilometer Luftlinie auseinander liegen, im Detail aussehen könnte, kann aber auch er nicht sagen. Für eine Fusion braucht es eine Entscheidung mit Zweidrittelmehrheit in beiden Vereinen.

Überall ist es eng im Tierquartier im Maisacher Ortsteil Überacker. Das Foto zeigt den Eingangsbereich und dahinter die Küche.
Überall ist es eng im Tierquartier im Maisacher Ortsteil Überacker. Das Foto zeigt den Eingangsbereich und dahinter die Küche. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Das Problem mit den Fundtieren im Landkreis Fürstenfeldbruck ist dann freilich nicht geregelt, „doch das ist es jetzt auch nicht“, sagt Schönwetter. Mittermeir macht regelmäßig die Erfahrung, dass die Kommunen, die rechtlich für die Fundtiere zuständig sind, sich vor ihrer Verantwortung drücken. Weil sie der Umgang mit Fundtieren logistisch vor Herausforderungen stellt, lassen sie die Arbeit in der Regel von Tierschutzvereinen erledigen. Dafür ordentlich honoriert werden die Vereine in der Regel nicht.

Fragliche Zahlen bei den Fundtieren

Für die Kommunen ist die Rechnung diese: Gibt es nur wenige Fundtiere, muss weniger Geld fließen. Ein Problem, das es nicht nur im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt. Die Zahlen zu Fundtieren, die Behörden vorlegten, „stimmen meistens nicht“, sagt Schönwetter.

Die unzureichende Bereitschaft der Kommunen zur Mitfinanzierung hatte schon die vorherige Führung der damaligen Tierfreunde Brucker Land zum Aufgeben gebracht. Auch Andrea Mittermeir beklagt die mangelnde Kommunikation mit den Kommunalpolitikern. „Wir sind den Politikern nachgelaufen, aber es hat sich nichts getan.“ Von der Gemeinde Maisach erhielt die Allianz, wie auf der Versammlung verlesen wurde, im vergangenen Jahr als freiwillige Leistung 168 Euro. Die Anwesenden lachten spöttisch über den Betrag. „Es ist mehr als alle anderen Kommunen geben“, sagt Andrea Mittermeir.

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