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Tierschutz in Germering:Asyl für "Gretl"

Um die 500 meist zuvor misshandelte Tiere finden Zuflucht auf dem Gut Streiflach. Darunter ist auch die einst völlig abgemagerte und verstörte Kuh, die dem Schlachthof entkommen ist und nun einen festen Platz auf dem Gnadenhof gefunden hat

Von Rafaela Steinherr, Germering

Immer häufiger sind in den vergangenen Jahren Fälle von Tierquälerei publik geworden. Auch Tierversuche angeblich im Dienste der Wissenschaft werden von den Aktivisten der Gewerkschaft für Tiere aus Germering angeprangert. "Nicht reden, sondern handeln" ist das Motto des 1993 gegründeten Vereins, der die Entwicklung nicht tatenlos hinnehmen will. Das wurde auch am Samstag auf der Hauptversammlung in der Germeringer Stadthalle deutlich. Vorstandsvorsitzender Arpád von Gaál begrüßte 39 Mitglieder und beschrieb die aktuelle Lage in den beiden Gnadenhöfen, die von der Gewerkschaft für Tiere gegründet wurden und kontinuierlich erweitert werden.

Auf dem Gut Streiflach bei Germering haben über 500 Tiere mittlerweile ein neues Zuhause gefunden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Einer der beiden Höfe ist das Gut Streiflach bei Germering. Über 500 Tiere haben dort mittlerweile ein neues Zuhause gefunden. In den vergangenen Jahren gab es dem Bericht des Vorstandes zufolge 154 Neuzugänge. Sie befanden sich vor ihrer Aufnahme auf dem Gut meist jahrelang in Notlagen, bedingt durch eine nicht artgerechte Haltung. Oder sie waren geradewegs auf dem Weg zum Schlachthof. Es könne viele Jahre dauern, bis die Tiere wieder Vertrauen schöpften zu den Menschen und ein normales Verhalten zeigten. Betreut werden sie auf dem Gut Streiflach zurzeit von zehn Tierpflegern. So berichtete von Gaál von 24 Ziegen, die kürzlich neu auf den Hof kamen. Unter ihnen befand sich der verhaltensauffällige Bock "Hui Buh" getauft hatte. Seine Besitzerin hatte ihn mit der Flasche aufgezogen, mit ins Haus genommen und im Bett schlafen lassen. Auch bei Autofahrten hatte die Frau ihren Ziegenbock immer an ihrer Seite.

Die Gnadenhöfe können jederzeit besucht werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Wegen nicht artgerechter Haltung wurde ihr das Tier weggenommen. Und es gab die Kuh "Gretl" aus Ottobrunn. Sie war auf dem Weg zum Schlachter, als eine Tierschützerin auf sie aufmerksam wurde. Das Tier sei aufgrund schwerer Misshandlungen durch den Halter von Wunden geradezu übersät und stark abgemagert gewesen. Die Tierschützerin kaufte "Gretl" und rettete sie auf diese Weise. Bis sie ins Gut Streiflach umziehen konnte, wurde sie im Garten untergebracht.

Für Arpád von Gaál, den Vorsitzenden der Gewerkschaft für Tiere, ist es ein Herzensanliegen, geschundene Kreaturen wieder gesund zu pflegen und artgerecht unterzubringen.

(Foto: Günther Reger)

Auf dem zweiten Gnadenhof, dem Gut in Hart bei Bad Füssing, leben Arpád von Gaál Gyulai zufolge derzeit 15 Bären. Zuletzt hatte die Gewerkschaft dort einen Bären aus einem Hotel in Litauen aufgenommen. Er war dort zur Bespaßung der Gäste ausgenutzt und ausschließlich mit Abfällen des Hotels gefüttert worden. Vor allem in osteuropäischen Ländern wie Albanien oder Litauen verzeichnen die Tierschützer immer wieder eklatante Tierquälereien. Oftmals fehle es der Bevölkerung am entsprechenden Bewusstsein und an der Unterstützung durch lokale Behörden.

Aktuell ist die Erweiterung des Bärengeheges geplant, um ein weiteres Tier aufnehmen zu können. Zusätzlich wird nach Angaben des Vorstandes ein neues Fahrzeug zur Fütterung der Bären benötigt. Auch auf dem Gut Streiflach soll unter anderem das Hundegehege ausgebaut werden. Geplant ist außerdem der Bau einer Weidehütte für den Rinderstall sowie die Erneuerung der Dächer für die Stallungen und der Koppelzäune. Arpád von Gaál, der sich mit großer Leidenschaft für den Tierschutz einsetzt und seit 2006 Vorsitzender ist, wurde ebenso wie der gesamte Vorstand einstimmig in seinem Amt bestätigt. "Der Einsatz für die Tiere hat bei unserer Arbeit immer höchste Priorität", betonte er. Ein glückliches Gesicht der Tiere sei das, wofür er und seine Kollegen kämpften.

Die Gnadenhöfe können jederzeit besucht werden. Der Tierschutzverein berichtet zudem in seiner Zeitschrift "Brennpunkte", die dreimal jährlich erscheint. Unterstützen können Tierfreunde die Gewerkschaft durch Mitgliedsbeiträge, Spenden oder Tierpatenschaften.

© SZ vom 13.10.2020

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