Germering:Schattentheater, Schwarzlicht und Flashmob

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Schülerinnen und Schüler der Wittelsbacher Schule Germering zeigen bei der Preisverleihung einen Ausschnitt aus ihrer Theaterarbeit. (Foto: Matthias Balk / Bayerisches Kultusministerium )

An der Wittelsbacher Mittelschule in Germering gehört Theaterarbeit fest zum Unterricht. Dafür wurde die Schule jetzt mit einem Staatspreis ausgezeichnet.

Von Johannes Kiser, Germering

Die Lokalität für die Verleihung könnte kaum besser gewählt sein. Der Saal X auf dem Gelände des Münchner Kulturzentrums Gasteig HP8 dient als perfekte Kulisse für die Ehrung von vier Schulen aus dem Freistaat, welche die Schauspielerei auf der Bühne erfolgreich mit dem schulischen Alltag verbinden und so die kreativen Seiten der Schülerinnen und Schüler fördern. Neben zwei Preisträgern aus dem Frankenland und einem aus München war bei der überhaupt erst zweiten Vergabe des „Staatspreises für Theaterarbeit an den bayerischen Schulen“ diesmal auch ein Vertreter aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck mit von der Partie: die Wittelsbacher Mittelschule aus Germering.

Ausgezeichnet: Für die Wittelsbacher Schule aus Germering gibt es den Staatspreis für Theaterarbeit an bayerischen Schulen. (Foto: Foto: Matthias Balk / Bayerisches Kultusministerium)

Die Schule widmet sich seit Jahren der aktiven Förderung von Theaterarbeit, und das Potenzial des Bühnennachwuchses zeigt sich schon bei der Eröffnung des Festakts. Während Kultusministerin und Schirmherrin der Veranstaltung, Anna Stolz (Freie Wähler) mit der schwarzen Limousine vorfährt, postieren sich die vier Gewinner auf dem Platz vor dem großen Gasteig HP8. Eine Lehrerin der Wittelsbacher Schule verrät, dass man einen kleinen Flashmob geplant habe und die Ministerin Teil davon sein soll. Und ehe Stolz sich versieht, ist sie schon mittendrin in der Menge. Die Germeringer Schülerinnen und Schüler sind an diesem Tag in Schwarz-Weiß gekleidet und stechen aus der Masse heraus. Ein weiteres Merkmal, das sie von den anderen Schulen unterscheidet, ist das breit gefächerte Altersspektrum.

In der Wittelsbacher Mittelschule gibt es Theater für die Jahrgangsstufen fünf bis zehn. Sofia und Ajla, beide 15, gehören da schon zu den Älteren, was sie allerdings nicht davon abhält, mit den Jüngeren auf die Bühne zu gehen: „Mir macht es so oder so Spaß. Wir waren ja auch mal jung, und jetzt können wir den Kleinen zeigen, wie es geht“, sagt Sofia. Ihre Freundin Ajla geht sogar noch weiter und teilt mit, dass sie später eine künstlerische Ausbildung machen möchte, da ihr das Spielen auf der Bühne so viel Freude bereite.

Kultusministerin Anna Stolz (Mitte) gerät bei der Ankunft in einen Flashmob. (Foto: Foto: Matthias Balk / Bayerisches Kultusministerium)

Nach der Einlage im Freien geht es rein in den dunklen Theatersaal, in dem schon alles für die feierliche Übergabe der Auszeichnung vorbereitet ist. Begleitet von live gespielter Pianomusik wird Platz genommen, und die Schülerband „The Icons“ der Münchner Mittelschule Eduard-Spranger-Straße steigt nach dem Klavierspiel ein mit einem etwas nachdenklichen und ruhigen Song. Nach der Begrüßung durch die Kultusministerin übernehmen die Moderatoren. Etwas unerwartet betreten die in Abendrobe gekleideten Rebecca und Oscar aus der fünften Jahrgangsstufe des Münchner Albert-Einstein-Gymnasiums die Bühne und führen gekonnt durch das Programm, das die ein oder andere Überraschung parat hält. So bekommt jede Schule die Möglichkeit, eine kurze Live-Performance hinzulegen. Dabei gehört der vierte und letzte Akt der Festlichkeit den Germeringern. Sie folgen dem Aufruf der beiden Jungmoderatoren und begeben sich durch die Stuhlreihen schleichend in Richtung Spielfläche.

Unisono schreien die 16 Schülerinnen und Schüler: „Lasst uns auf die Bühne gehen“. Oben angekommen werden vier Leitern aufgestellt, auf die sich Mädchen in schwarzen Outfits stellen, der Rest der Theater AG wickelt sich am Boden liegend in einen großen Fallschirm ein. Von den Sprossen erschallt die Frage nach dem Sinn des Lebens: „Was wollt ihr? Geld, einen guten Job oder große Reisen?“ Die Antwort kommt erst verhalten, dann aber bestimmt. Die Eingewickelten befreien sich aus der stofflichen Umklammerung und konfrontieren den Konsumgedanken mit dem Wunsch nach Geborgenheit, Optimismus und Zufriedenheit. Was auffällt: Die Suche nach dem Glück zieht sich durch die ganze Veranstaltung. Auch die Beiträge der anderen Schulen wollen darauf aufmerksam machen, dass es im Leben nicht immer nur um das neueste Smartphone oder die teuerste Luxusbekleidung geht, sondern ein einfaches Lächeln auch schon Freude schenken kann.

Bühnenauftritt beim Festakt im Kulturzentrum HP8. (Foto: Foto: Matthias Balk / Bayerisches Kultusministerium )

Bei der individuellen Lobrede für die Wittelsbacherschule erwähnt Rednerin Therese Seifner Funke, dass die große Vielfalt an verschiedenen Darstellungsformen ein Grund für die Ehrung gewesen sei. Neben Schattentheater und Schwarzlichttheater werde auch die Improvisationskunst gefördert, und Flashmobs auf dem Schulhof seien keine Seltenheit, so die Laudatorin. Um die Freude an der Schauspielerei schon den Jüngsten zu vermitteln, wirbt die Mittelschule mit expliziten Theaterklassen in der fünften und sechsten Jahrgangsstufe der Ganztagsschule. Hier wird versucht, durch Unterrichtsformen wie Frei- oder Gruppenarbeit den Horizont zu erweitern und gerade in den Fächern Deutsch und Musik mündet diese Art des Lernens oft in theatralem Schauspiel. Laut Schulleitung entwickelt sich dann in Zusammenarbeit mit dem normalen Schulbetrieb eine produktive Theatergemeinschaft, die in ganz Bayern und im regionalen Bereich an Kulturveranstaltungen teilnimmt.

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