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Theater:Peitsche in Suite 647

Theater Alling

Couchgeschichten: Immer wieder müssen sich die Schauspieler in "Doppeltüren" in eine andere Zeit und in ein anderes Alter versetzen.

(Foto: Günther Reger)

Beeindruckende Premiere der Krimikomödie "Doppeltüren" in Alling

Jedem älteren Menschen ist schon einmal in den Sinn gekommen, was er wohl anders machen würde, könnte er die Zeit zurückdrehen. Aber geht das wirklich? In der faszinierenden, manchmal etwas abstrus anmutenden Krimikomödie "Doppeltüren", die der Kultur-und Theaterverein Alling derzeit in beeindruckender Weise unter Leitung von Regisseur Johannes Kalwa und Assistent Thomas Westphal präsentiert, lässt der populäre, britische Gegenwartsdramatiker Sir Alan Ayckbourn zwei Frauen eine sprunghafte Reise in die Vergangenheit antreten und gibt ihnen so Gelegenheit, ihr Schicksal umzusteuern. Man schreibt das Jahr 2024, als Poopay, Spezialfachberaterin in Sachen Sex, von den Stiefeln, die über die Knie gehen, über die Hotpants bis zum Bustier in Lack gekleidet, in einem Londoner Hotel die Suite 647 betritt, um dem alten Reece (Peter Fömpe) ganz nach ihrer Spezialität mit Peitsche und Handschellen die Leviten zu lesen. Magdalena Schachtl interpretiert die Rolle in genialer Weise, als souveräne Frau mit Herrschaftsanspruch, die devote Männer gewohnt ist, als ängstliches, manchmal sogar kindlich jammerndes Mädchen und als Schmusekätzchen.

Doch aus den Peitschenspielen wird nichts, denn Reece will gar keinen Sex, "das würde mir den Rest geben". Er will, dass die Domina seine Unterschrift unter ein Geständnis bestätigt, in dem er seinen jahrzehntelangen Freund Julian (Horst Zanner) bezichtigt, seine beiden Frauen, erst Jessica (Viktoria Contro) und später Ruella (von Angelika Schmid überzeugend und mitreißend gespielt), ermordet zu haben. In ihrem Leben mit betrügerischen Geschäften sei kein Platz für gute Frauen gewesen, lässt der Autor Reece reumütig sagen. "Ich bin wie Faust, ich habe mich mit dem Teufel verbündet". Der böse Julian, der schon seine Mutter tötete, bekommt mit, dass Poopay das Geständnis in einer Kanzlei abliefern soll, und trachtet auch ihr nach dem Leben. Als die verängstigte Domina durch eine Doppeltür fliehen will, steht sie wieder in der Suite 647, aber im Jahr 2004, und trifft dort auf Ruella, eine Frau mit Stil und Niveau, die an diesem Abend eigentlich von Julian vom Balkon gestürzt werden müsste. Nach einem misstrauischen Hin-und-her kann Poopay Ruella von dem bevorstehenden Anschlag überzeugen, und fortan kämpfen die beiden Frauen gemeinsam ums Überleben. Denn Julian mit seinem diabolischen Lachen ist ihnen dicht auf den Fersen. Und es kommt noch verwirrender. Als Ruella durch die Doppeltür geht, gelangt sie auch wieder in die Suite 647, wo der junge Reece gerade mit seiner ersten Frau Jessica (einfühlsam von Viktoria Contro gespielt) die Hochzeitsnacht verbringt, im Jahre 1984. Da hat sie noch sieben Jahre zu leben, bis Julian sie dem Werdegang nach ertränkt.

Doch auch Jessica erkennt schließlich die Gefahr und es kommt zu meist verblüffenden Kontakten zwischen den Zeiten. In die Wirren verwickelt ist auch der Dauer-Sicherheitschef des Hotels, den Hans-Peter Contro als Junger und als Älterer treffend darstellt. Das Theaterstück ist für die Zuschauer anspruchsvoll, ganz besonders aber für die Schauspieler, die sich immer wieder in eine andere Zeit und in ein anderes Alter versetzen müssen. Ausdrucksstark gelingt dies Schmid und ganz besonders Fömpe, der sich einmal als "alter Sack mit Glatzkopf" mehr schleppt als dass er geht, schließlich einen Herzanfall erleidet, andererseits aber als frisch gebackener Hochzeiter mit schönster Haarpracht seine Jessica umgarnt. Ein Lob auch an die Maske (Kerstin Obermeier) sowie an Kostümierung und Requisite (Gila Eckstein, Helga Sistig). Eine zentrale Funktion nimmt die Doppeltür ein, ein technisches Meisterwerk von Bühnenbauer Herbert Weiler. Damit die Zeitsprünge wirkungsvoll rüberkommen, dafür sorgen Max und Johannes Ranftl mit Lichtspielen und passenden Geräuschen.