Tassilo-Preisträger 2025„Musik ist nicht Wissenschaft, sondern Leidenschaft“

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Tassilo Probst aus Emmering hat den Tassilo-Preis zugesprochen bekommen. Der  23-Jährige startet gerade als Solo-Violinist international durch.
Tassilo Probst aus Emmering hat den Tassilo-Preis zugesprochen bekommen. Der  23-Jährige startet gerade als Solo-Violinist international durch. (Foto: Arlet Ulfers)
  • Der 23-jährige Violinist Tassilo Probst aus Emmering erhält den Tassilo-Preis 2025 und startet gerade international als Solo-Violinist durch.
  • Probst tritt weltweit auf, von Kapstadt bis New York, und möchte seine Zuhörer vor allem emotional berühren statt technisch beeindrucken.
  • Im Januar 2026 erscheint seine zweite CD mit verschiedenen Werken, darunter die erstmalige Einspielung eines Konzerts des litauischen Komponisten Joseph Achron.
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Tassilo-Preisträger Tassilo Probst aus Emmering ist weltweit als Solo-Violinist gefragt. Seine Zuhörer möchte er mit seinem Spiel vor allem berühren.

Von Ingrid Hügenell, Emmering

Das schönste Kompliment? Für Tassilo Probst kam es von einem Konzertbesucher, der sich bei ihm bedankte, weil die Musik ihm zwei Stunden ohne Nachdenken ermöglicht habe. „Er konnte in dieser Zeit alle Sorgen vergessen“, erinnert sich Probst. „Und das hat mich sehr gefreut.“ Denn das ist das Ziel des 23-jährigen Violinisten aus Emmering: Die Zuhörer zu berühren, sie anzustecken mit seiner eigenen Leidenschaft für die Musik. „Das ist das schlimmste Vorurteil über Musik, dass man sich damit auskennen muss. Das ist absoluter Käse“, sagt er. „Verstehen muss man nichts. Sondern: reinsetzen, zuhören, zurücklehnen, den Kopf ausschalten.“ Schließlich sei Musik keine Wissenschaft, sondern eben Leidenschaft.

So spielt Probst auch: mit vielen Emotionen. „Die Technik muss stimmen, dann kann man sich aufs Musikmachen konzentrieren“, erklärt er. Und mit der Musik Gefühle verkörpern, Geschichten erzählen. Es müsse nicht immer alles hundertprozentig perfekt sein, sondern er wolle Spaß haben und mal was Spontanes machen können, auch auf der Bühne. „Musik ist ja nicht Buchhaltung.“

Musik ist jedoch der Beruf, mit dem Tassilo Probst seinen Lebensunterhalt bestreitet, und das nicht als Orchestermusiker, sondern als Solist. Und keineswegs nur in Deutschland oder Europa, sondern weltweit. Locker erzählt der junge Mann mit der akkuraten Frisur von Auftritten in Kapstadt, wo er im September auf Tournee war, in New York, wo er Ende Juni und Anfang Juli gespielt hat, von Konzerten in Australien und Südkorea. Selbstverständlich kommt der Rising Star auch in Deutschland herum, wie bei der Neujahrstournee mit der Neuen Philharmonie Westfalen im Januar.

Obwohl er gerade richtig durchstartet und schon viele Preise gewonnen hat – dass er heuer mit dem Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet wird, bedeutet Tassilo Probst viel. „Das ist allein schon lustig wegen des Namens“, sagt er grinsend, und fügt gleich hinzu: „Es ist eine große Ehre, diesen Kulturpreis zu bekommen.“ Er freue sich schon auf die Preisverleihung am 26. November.

In der Musikszene ist er bestens vernetzt

Probst mag noch relativ jung sein, in der Musikszene ist er jedoch bestens vernetzt. Neben den ausgezeichneten Lehrern ist ein Grund dafür, dass er an zahlreichen Wettbewerben im In- und Ausland teilgenommen hat und bis auf zweimal immer unter den Preisträgern war. 20 bis 30 Wettbewerbe werden es wohl gewesen sein, schätzt er. Dabei habe er eben viele andere Musiker und Menschen kennengelernt, konnte sich ein Netzwerk aufbauen.

Seit fünf Jahren arbeitet er mit Jonas Grunau zusammen. Der mache als Manager einen „super Job“, das sei „hilfreich für eine Karriere“. Diese Karriere als Solist habe sich schon früh abgezeichnet, sagt Probst, mindestens seit dem ersten bezahlten Solo-Auftritt mit 14 Jahren. Damals spielte Probst schon seit zehn Jahren Geige – mit vier Jahren begann er. Sein Vater habe das vorgeschlagen, „und ich habe aus dem Bauch heraus ja gesagt“.

Seither gibt es kaum einen Tag, an dem er nicht gespielt hat. Er studierte an der Hochschule für Musik und Theater München, machte währenddessen auch noch mit 16 Jahren Abitur und schloss mit 19 sein Bachelorstudium ab. Es folgte ein Master-Studiengang im Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. An der Geige schätze er Mythos und Klang, die vielen Emotionen, die er dem Instrument entlocken könne – von „wütend bis romantisch“. Aber auch das „Riesen-Repertoire“ sei sehr hilfreich, bei tausenden Konzerten und Sonaten lerne man nie aus, sondern könne immer weiter an der Technik und den Nuancen feilen. „Daran kann ich noch 60 oder 70 Jahre arbeiten.“

Tassilo Probst mit zwölf Jahren. Damals war er Jugend-musiziert-Preisträger. Kurz darauf nahm er das Musikstudium auf.
Tassilo Probst mit zwölf Jahren. Damals war er Jugend-musiziert-Preisträger. Kurz darauf nahm er das Musikstudium auf. (Foto: Johannes Simon)

Rückschläge musste das Ausnahmetalent bisher nicht verarbeiten. „Ich hatte sehr viel Glück“, sagt Probst, fügt aber gleich hinzu: „Es steckt auch viel Arbeit dahinter.“ Er wolle immer 110 Prozent geben beim Auftritt, „und dann muss man halt so üben, dass man auch abliefern kann“.

Das tut Probst seit Dezember 2022 auf einer neuen Geige, die er bei Florian Leonhard in London erworben hat. „Ich liebe dieses Instrument.“ Er habe es bei einem „blind tasting“ entdeckt, sozusagen einer Blindverkostung mit etwa einem Dutzend der besten Instrumente führender Geigenbauer, darunter mehrere Stradivaris.

Probst probierte alle durch und entschied sich für ein „unfassbar gutes“ Instrument, das ihm mit Abstand am besten gefallen habe. Er hielt es erst für eine Original-Stradivari, bis er erfuhr, dass es sich um einen Nachbau der Abergavenny von Antonio Stradivari aus der Werkstatt von Florian Leonhard handelt, gebaut mit künstlich gealterten Hölzern. „Die Geige hat einen tollen Klang, kernig und strahlend“, schwärmt Probst. „Ich kann mich mit dem Gewicht des Armes in den Bogen hängen. Man kann sich im Klang suhlen – das kann nicht jede Geige“. Und sie sei natürlich viel günstiger zu haben gewesen als das Original. Seine Giovanni Grancino habe er der Deutschen Stiftung Musikleben zurückgegeben, „ich habe sie nicht mehr gebraucht“.

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Wer sich als Musiker einen Namen machen möchte, braucht Einspielungen auf Tonträgern. 2022 hat Probst zusammen mit Maxim Lando die CD „Into Madness“ vorgelegt. Im Januar 2026 erscheint nun seine zweite CD, eingespielt in diesem Jahr in Thessaloniki mit dem Thessaloniki State Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Geiss, dem Generalmusikdirektor der Philharmonie Neubrandenburg und des Landestheaters Neustrelitz.

Darauf ist ein Konzert des 1897 in Brünn geborenen Komponisten Erich Wolfgang Korngold, der für seine Filmmusiken zweimal den Oscar erhielt, unter anderem 1938 für „Robin Hood – König der Vagabunden“ mit Errol Flynn. Erneut vertreten ist auch Joseph Achron. Das dritte Konzert des litauischen Komponisten „mit einer riesigen, hoch virtuosen Kadenz im ersten Satz“ habe er weltweit erstmals eingespielt, sagt Probst.

Arnold Schönberg bezeichnete Achron als „einen der am meisten unterschätzten modernen Komponisten“, wie Probst erzählt. Schon auf „Into Madness“ findet sich die weltweit erste Einspielung einer seiner Sonaten. Die Noten des nun eingespielten Konzerts seien nicht einmal gesetzt gewesen, sagt Probst, man habe erst eine Kopie des Originals in der israelischen Nationalbibliothek erbitten müssen.

Im Februar steht erneut eine Einspielung an

Ebenfalls vertreten ist der zeitgenössische griechische Komponist Christos Samaras, der bei der Einspielung selbst anwesend war. Die CD wird bei mehreren Konzerten in Neubrandenburg und in Thessaloniki vorgestellt, und auch in München werde es ein Konzert geben, verspricht Probst. Und schon im kommenden Februar steht erneut eine Einspielung an, diesmal beim Bayerischen Rundfunk und erneut mit dem Pianisten Maxim Lando.

Am Sonntag, 23. November, ist Tassilo Probst in München zu erleben, bei einem Matinée-Konzert mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Olivier Tardy in der Isarphilharmonie. Das Motto ist „Bella Italia“, Udo Wachtveitl moderiert, Beginn ist um elf Uhr.

Kultur verbindet, Kultur bewegt – und Kultur braucht unsere Unterstützung: Zum dreizehnten Mal verleiht die Süddeutsche Zeitung den Tassilo-Kulturpreis. Diese Auszeichnung würdigt Arbeit und Wirken von Künstlerinnen, Künstlern und Kulturschaffenden im Großraum München. Hier stellen wir Ihnen die Preisträger vor, die die Jury, bestehend aus Kulturredakteurinnen und -Redakteuren der SZ, in diesem Jahr ausgewählt hat. Verliehen werden drei Hauptpreise sowie fünf Förderpreise. Außerdem stiftet das Spendenhilfswerk der Süddeutschen Zeitung, SZ Gute Werke, einen Kulturpreis, der besonderes soziales Engagement würdigt. Welchen Preis die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten, wird bei der Verleihung am 26. November bekanntgegeben.

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