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Tassilo:Musikalische Familie

Stadtkapelle Fürstenfeldbruck

Die Jahreskonzerte der Stadtkapelle Fürstenfeldbruck sind seit einigen Jahren zu richtigen Multimedia-Shows ausgebaut worden. Zu den Stützen des Vereins zählt seit 2005 Dirigent Paul Roh (Mitte).

(Foto: Stadtkapelle)

Die Stadtkapelle Fürstenfeldbruck schafft es seit vielen Jahren, Tradition und Fortschritt zu kombinieren. Und das auf einem hohen Niveau. Seit vor drei Jahren die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt worden ist, ist der Verein noch einmal enger zusammengewachsen

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Es gibt wohl wenige Vereine, die sich so sehr im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne bewegen müssen wie klassische Blaskapellen. Auf der einen Seite spielen sie bei traditionellen Veranstaltungen und müssen ihrem Stammpublikum etwas bieten und es nicht verschrecken, auf der anderen Seite müssen aber auch Nachwuchs gefunden und neue Zuhörer gewonnen werden. Der Stadtkapelle Fürstenfeldbruck ist es in den vergangenen Jahren aufs Beste gelungen, mit innovativen Konzepten neue Räume zu öffnen und alte dabei nicht zu vernachlässigen. "Laptop und Lederhosen, das füllen wir aus", sagt Gabriele Fröhlich, die ehemalige zweite Vorsitzende der Stadtkapelle. Für ihre Arbeit auf hohem musikalischem Niveau ist die Stadtkapelle nun für den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung nominiert.

Im Juli vergangenen Jahres hat der Verein zu einer kleinen Pressekonferenz in seine Räumen eingeladen, mit Abstand, Maske, ganz so, wie es damals eben noch erlaubt war. Man habe sich etwas überlegt. Weil große Konzerte nicht möglich seien und dem Verein einnahmen fehlten, biete man nun einen Mietservice an: Kleine Ensembles aus Mitgliedern der Stadtkapelle die spielen, wo immer sie hin gebucht werden. Zusammengestellt wurden Gruppen für alle Gelegenheiten: Von der Biergartenbegleitung über Firmenfeiern bis hin zum Gottesdienst.

Es war die erste von vielen Ideen, die die Stadtkapelle in den vergangenen Monaten entwickelt und umgesetzt hat. Es wurde auch ein Youtube-Kanal eröffnet, auf dem regelmäßig aktueller und älterer Inhalt erscheint. Höhepunkt war der musikalische Adventskalender, bei dem im Dezemberjeden Tag ein neues Video mit einer Geschichte und Musik veröffentlicht wurde.

Aber nicht erst seit Corona lässt sich der Verein etwas einfallen. Die Jahreskonzerte etwa werden mit multimedialen Shows ergänzt. "Das ist wie bei einem Popkonzert in der Olympiahalle", sagt Fröhlich, die vor Ort die Shows steuert. "Ein bisschen wie früher der Klavierspieler beim Stummfilm."

Mit einem Wechsel 2018 hat sich der Vorstand neu aufgestellt und die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Das mag auch daran gelegen haben, dass der neue Vorsitzende Benedikt Trouw zwar bereits Erfahrung mit der Leitung eines Vereins hatte, zur Stadtkapelle aber als Externer gekommen ist. "Ich bin selbst kein Musiker, aber gesucht war ein Verwaltungsvorstand. Ich habe aber eine Verbindung zum Verein, weil meine drei Kinder alle in den Jugendklangkörpern der Stadtkapelle spielen". Nach der Wahl Trouws wurden verschiedene Referenten eingesetzt. Für die Jugendarbeit, die Presse, Organisation, Soziale Netzwerke, die Tracht des Vereins. "So ein Verein ist schon ein großes Rad. Wenn man die Verantwortungen verteilt und mal jemand ausfällt, muss man nur ein Puzzlestück ersetzen. Außerdem ist so ein Ehrenamt viel Arbeit. Das kann einer vielleicht nach der Pensionierung alles alleine schaffen, aber nicht, wenn man noch einen Job hat", sagt Trouw.

Der musikalische Motor der 1997 neu gegründeten Stadtkapelle ist seit 2005 Dirigent Paul Roh. Ohne ihn, seine Energie und sein Engagement wären sowohl das Engagement jedes einzelnen Musikers als auch die hohe Qualität der Ensembles nicht denkbar, betonen alle, mit denen man aus der Stadtkapelle spricht.

Roh wiederum gibt sich bescheiden und spielt den Ball zurück zu seinen Kollegen: "Wir motivieren uns gegenseitig". Jenseits von Gefühlen und Zuschreibungen zeigen die Mitgliederzahlen, dass bei der Stadtkapelle wohl einiges richtig läuft. Von 2015 bis 2020 ist die Zahl der Mitglieder insgesamt von 205 auf 384 gestiegen. In der Jugend etwa ist die Zahl von 73 auf 123 gewachsen.

"Wir sind über die Jahre zu einer musikalischen Familie zusammengewachsen", sagt Gabriele Fröhlich. "Das ist nicht selbstverständlich. Blaskapellen gibt es rauf und runter". In der Stadtkapelle aber sei jeder für den anderen da. Die Älteren förderten die Jungen und jeder helfe, aus dem anderen das beste herauszukitzeln.

© SZ vom 08.05.2021
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