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Tag der Menschenrechte:Tödliche Flucht

"Gestrandet im Paradies": Autorin und Asylberaterin Jeanne-Marie Sindani liest aus ihrem Buch.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Eine Gedenkveranstaltung von Amnesty Fürstenfeldbruck macht deutlich, wie gefährlich der Weg nach Europa ist

Weltweit und unabhängig von Hautfarbe, Sprache, Geschlecht, ethnischer und sozialer Abstammung oder sozialem Status sicherten die Vereinten Nationen im Rahmen der Menschrechtserklärung am 10. Dezember 1948 allen Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten zu. Anlässlich der siebzigjährigen Wiederkehr der Verkündung veranstalteten am Montag drei Brucker Vereine einen Gedächtnisabend in der Cafeteria der Volkshochschule am Niederbronner Weg. Mit von der Partie waren die Sozialinitiative "Brucker Brücke - das Wir stärken", die Brucker Ortsgruppe von Amnesty International und das Bündnis "Fürstenfeldbruck ist bunt - nicht braun".

Sabine Wagner-Rauh, öffentliche Kontaktperson der Amnesty-Gruppe Fürstenfeldbruck, zitierte zu Beginn Goethe: "Erfolgreich zu sein, setzt zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen." Gemeint sind die Ziele von Amnesty, die Menschenrechte überall auf der Welt geltend zu machen. Dass sich nicht alle an diese Erklärung halten, ist kein Geheimnis: Flüchtlinge haben unter anderem kein Recht auf Asyl, eines der 30 Menschenrechte, und sterben auf ihrer Flucht, sagte Wagner-Rauh. Die Folgen wiegen schwer. Die Liste der in den vergangenen 25 Jahren gestorbenen Menschen, die sich auf der Flucht befanden, zählt 35 000 Tote. Die zwei Journalistinnen Kristina Milz und Anja Tuckermann nahmen diese Ungerechtigkeit zum Anlass, um das Buch "Todesursache Flucht: eine unvollständige Liste" zu schreiben. Die drei Brucker Vereine griffen die Idee auf, um das Buch gegen eine freiwillige Spende abzugeben und aus der darin enthaltenden Liste vorzulesen. Leider konnte der Verlag die Bücher nicht rechtzeitig zu senden, und so gab Jeanne-Marie Sindani, Asylberaterin der Caritas und Autorin des Buches "Gestrandet im Paradies", sichtlich gerührt die Schicksale der Verunglückten wieder. Unter anderem von drei Männern, ihre Namen sind noch zu nennen. Sie starben 27 Meilen vor der Insel Alboran im westlichen Mittelmeer zwischen Marokko und Spanien, 32 Menschen überlebten.

Auf die Schweigeminute zum Gedenken aller auf der Flucht Verunglückten folgt das Lied "Polarlicht" von Gitarrist Günter Wagenpfeil aus Eichenau und dem Saxofonisten David Jäger aus München. Sie begleiten den Abend immer wieder mit musikalischen Darbietungen. Sei es nach den zwei kurzen Videofilmen "Zwölf Seemeilen - Flucht über das Mittelmeer" und dem Trailer zu dem deutschen Dokumentarfilm "Deportation Class", oder der Lesung von Inge Ammon aus dem Buch "Im Namen der Menschlichkeit: Rettet die Flüchtlinge" von Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Die 87-Jährige engagiert sich seit über 25 Jahren für die Fürstenfeldbrucker Asylarbeit und wird von den Asylsuchenden liebevoll Oma gerufen, fügt Wagner-Rauh an.

"Für uns ist es nur eine Unterschrift, für jemand anderen kann es lebensrettend sein." Mit diesem Satz bat Wagner-Rauh alle Anwesenden, an der Briefaktion von Amnesty teilzunehmen und beendete den Abend.