Tag der Menschenrechte Mutige Frauen in Gefahr

Die Amnesty-Gruppe Puchheim und Campo Limpo setzen sich mit einer Briefaktion und einem Schweigekreis für Kämpferinnen gegen Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit ein

Von Zoe Englmaier, Puchheim

Die Menschenrechtsverteidigerin Nonhle Mbuthema lebt in der Provinz Ostkap in Südafrika und wehrt sich dort gegen das Bauunternehmen "Transworld Energy and Mineral Resources". Die Firma möchte auf dem traditionellen Land der Amadiba Titan abbauen, was die Existenzgrundlage von etwa 5000 Menschen bedroht. Obwohl Mbuthema friedlich gegen das Unternehmen kämpft, steht sie auf einer Todesliste und fürchtet um ihr Leben. Einen Anschlag hat sie bereits überlebt. Ungeachtet der Gefahr gibt sie nicht auf, denn für sie ist ihr Land ihre Identität.

Gedenken am Nord-Süd-Forum: Mitglieder der Amnesty-Gruppe Puchheim und des Vereins Campo Limpo erinnern an die Erklärung der Menschenrechte vor 70 Jahren und an die weltweiten Verstöße gegen sie.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mbuthemas Geschichte ist eine von zehn Fällen, die in Form von Briefen für den Briefmarathon der Organisation Amnesty International ausgewählt wurden. Die Aktion fand weltweit am 10. Dezember anlässlich des internationalen Tages der Menschenrechte statt. 2017 wurden damit insgesamt 5,5 Millionen Briefe, E-Mails, Appelle und Unterschriften gesammelt. Werner Boltz von der Amnesty International Gruppe erklärt, dass es zwar nicht immer zu einer Freilassung komme, jedoch bisher verwehrte Besuche von Angehörigen, Anwälten oder Ärzten aufgrund der Briefe gewährt werden. Das allein sei schon eine große Hilfe für die ungerecht behandelten Menschen.

Post für Verfolgte: Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl nimmt einen Brief für die Amnesty-Aktion entgegen.

(Foto: OH)

Dieses Jahr stehen Frauen im Mittelpunkt, die sich gegen Zerstörung, Ungerechtigkeit und Bad Governance wehren. Bad Governance ist eine schlechte Regierungsführung, die sich durch Korruption, fehlende Transparenz und Partizipation auszeichnet. "Die Briefaktion soll ein Signal setzen", sagt Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). Es solle ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es anderen Menschen auf der Welt nicht so gut geht.

Anlässlich der Briefaktion und des internationalen Tages der Menschenrechte treffen sich Mitglieder des Vereins Campo Limpo und der Amnesty-Gruppe seit 27 Jahren am Abend des 10. Dezember zu einem Schweigekreis. "Dieses Jahr ist sehr besonders", erklärte Augustin Lay, Gruppensprecher von Campo Limpo. Vor 70 Jahren wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Dieses Jahr orientiert sich der Schweigekreis an dem Appell: "Menschenrechte vor Profit", von der Organisation Attac. Es solle in Ruhe an Betroffene weltweit gedacht werden, so Lay. Vor Beginn verwies Walter Ulbrich, Gründer des Vereins, auf aktuelle Meldungen über den Landraub in Brasilien. Das Militär brenne ganze Dörfer ab und erschieße oder vertreibe die Menschen. "In einem Kreis von 30 Leuten kann man gute Gedanken bündeln, die mehr bewirken, als wenn man laut schreit", so Ulbrich.

So ist Mbuthmeas Brief einer von drei Fällen von Menschenrechtsverletzungen aus Südafrika, der Ukraine und dem Iran, die im Puchheimer Rathaus ausgestellt sind. Bis einschließlich Montag, 17. Dezember, besteht die Möglichkeit sich während der Öffnungszeiten an der Aktion zu beteiligen. Denn einen einzelnen Brief können die Behörden ungelesen wegwerfen, aber Tausende, die sich für die Erhaltung der Menschenrechte einsetzten, lassen sich nicht ignorieren, so das Amnesty-Journal.