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Mein Tag:Mit Hingabe und Herzblut

Lidija Bartels (Mein Tag Brucker Tafel) die Frau mit dem grünen Pullover

Lidija Bartels großer Wunsch ist es, dass es die Tafeln einmal nicht mehr geben muss.

(Foto: oh)

Lidija Bartels feiert an diesem Donnerstag das 15-jährige Bestehen der Brucker Tafel

Von Julia Kiemer

Es gibt Menschen, denen es aus verschiedenen Gründen aus eigener Kraft nicht möglich ist, für sich und ihre Familien zu sorgen. Dafür gibt es seit über 20 Jahren Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige weitergeben. Lidija Bartels ist stellvertretende Leiterin der Fürstenfeldbrucker Tafel, die dieses Jahr ihren 15. Geburtstag feiert. Im Rahmen eines kleinen Festakts wird das Jubiläum am Donnerstag, 28. Mai, um 17 Uhr im Pfarrzentrum der Pfarrei Sankt Bernhard in Fürstenfeldbruck gefeiert.

Bei Lidija Bartels, die als freiberufliche Dolmetscherin arbeitet, ist es mittlerweile zehn Jahre her, seit sie als ehrenamtliche Helferin, damals noch bei der Essensausgabe, angefangen hat. Begonnen hatte alles mit einer Freundin, die bei der Tafel Essen ausgegeben und gefragt hatte, ob sie nicht mithelfen wolle. "Ich wusste, dass es Tafeln gibt, konnte mir aber nicht wirklich etwas darunter vorstellen", sagt die 56-Jährige. Trotzdem kam sie mit, um es sich anzusehen und ist geblieben. Es hat einfach gepasst, die Leute waren sehr freundlich und sie ist damals gut aufgenommen worden. Die Arbeit ist für die Fürstenfeldbruckerin zu einer Bereicherung ihres persönlichen Lebens geworden. Seit drei Jahren unterstützt sie nun Christa Rath, die vorher alleinige Leitung war. Seit Bartels stellvertretende Leiterin der Brucker Tafel ist, gehört die Organisation und Einteilung der ehrenamtlichen Helfer, sei es als Fahrerteam oder bei der Essensausgabe, zu ihren Hauptaufgaben. Es funktioniere alles prima, vor allem weil dahinter jede Menge Teamwork stecke, so Bartels. Die Zusammenarbeit im ganzen Team sei hervorragend. Begeistert ist sie auch von dem festen Kern der Ehrenamtlichen, der aus sieben Damen besteht. "Die sind einfach immer da", merkt sie anerkennend an. Sie beschreibt die Helfer als "Rädchen im Getriebe, die mit ganz viel Herzblut und Hingabe mitarbeiten. Nur so funktioniere das Gesamtwerk.

Mit ihrer Arbeit bei der Tafel möchte die 56-jährige etwas zurückgeben. Ihre eigene privilegierte Lage, ihren Wohlstand und besonders ihre Zeit möchte Bartels nutzen, um anderen, weniger privilegierten Menschen, die in Not sind, damit zu helfen. Jeder Einzelne solle versuchen, das was er hat, sei es beispielsweise ein Organisations- oder Kommunikationstalent, in die Gemeinschaft einzubringen, so erklärt Bartels ihre Überzeugung. Im Grunde genommen wolle sie einfach nur etwas Gutes tun, wenn man das dann zurück bekomme, sei das natürlich toll. Viele der Menschen, die zur Tafel kommen, sind regelmäßige Kunden. Deshalb erfährt die Bruckerin manchmal auch die Geschichten der Menschen. "Man ist betroffen, manchmal nimmt man das Gehörte auch mit nach Hause", so die Bruckerin. Durch die Arbeit schätze man zwangsläufig aber auch den eigenen Wohlstand mehr. Zudem relativiere sich die Wichtigkeit von eigenen "Problemen", wenn man sieht, wie schlecht es anderen geht. Für die Zukunft wünscht sich Lidija Bartels mehr Unterstützung von Seiten des Staats und der Politik. Ein Wunschtraum sei, dass Tafeln in der Zukunft nicht mehr nötig seien. Doch bis dahin hilft sie weiterhin mit viel Engagement bei der Tafel mit.

© SZ vom 28.05.2015
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