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SZ-Serie: Polit-Paare, Folge 9:Zwei Brüder, ein Ziel

LANDSBERIED:  Die Familie Bals im Porträt

Michael Bals (links) auf dem Firmengelände seines Bruders Johannes Bals in Landsberied. Johannes Bals ist seit 2010 im Gemeinderat, Michael Bals ist seit Mai dieses Jahres Mitglied.

(Foto: Leonhard Simon)

Johannes und Michael Bals sind in ihrem Heimatort Landsberied vielfältig verwurzelt. Jetzt machen beide Kommunalpolitik im Gemeinderat und wollen bei den nächsten Bürgermeisterwahlen einen eigenen Kandidaten der CSU präsentieren

Von Manfred Amann, Landsberied

"An der Leiten" im Gewerbegebiet in Landsberied entsteht soeben das Betriebsgelände der Bals Bau GmbH. Die Verwaltungsräume sind noch nicht ganz fertig, im Obergeschoss lässt sich in einem geräumigen und lichten Besprechungsraum an einem langen Tisch jedoch schon angenehm mit dem Chef der Baufirma, Johannes Bals, und seinem Bruder Michael plaudern. "Mit dem Baugeschäft habe ich nichts am Hut", betont Michael anfangs, denn er sei ein leidenschaftlicher Banker. Doch auch wenn die Brüder beruflich wenig verbindet, haben sie doch vieles gemeinsam. Wie sich im lockeren Gespräch herausstellt, haben einige dieser Gemeinsamkeiten ihre Wurzeln im Elternhaus. Neuerdings sitzen die Brüder wie vormals ihr Vater Georg Bals für die CSU-WDG (Wählerdorfgemeinschaft) im Gemeinderat und haben hinsichtlich Kommunalpolitik noch einiges vor.

Johannes ist Vorsitzender und Michael Schatzmeister des CSU-Ortsverbandes. So wollen sie zum Beispiel bis zur nächsten Wahl für das ehrenamtliche Bürgermeisteramt einen eigenen Kandidaten finden und zu den fünf Sitzen noch einen oder zwei hinzuzugewinnen.

Dass zu Hause über alles geredet wurde, was im Dorf und rundherum so passiert, daran erinnern sich die Brüder gerne. Als sie ihre beruflichen Wege gingen, seien der Mittagstisch am Sonntag und die Zeit danach der Termin schlechthin gewesen, an dem Neuigkeiten und Meinungen ausgetauscht worden seien. Und auch heute noch wird viel geredet, denn die Eltern und die Söhne mit ihren Familien wohnen nah beieinander. Bals Senior war 24 Jahre lang bis 2014 Gemeinderat und so stets auf dem Laufenden. Außerdem war er bei der Feuerwehr und in Vereinen aktiv. Auch ihre Mutter Ursula sei im Ort ehrenamtlich sehr engagiert gewesen und habe gerne mitdiskutiert, verraten die Brüder. Viele Jahre habe sie mit anderen zum Beispiel die Seniorentreffen organisiert. Als "Stoderin aus Augsburg" habe sie eingeheiratet und ihre Devise sei gewesen "Wenn du dich integrieren willst, dann musst du dich irgendwo anschließen und im und für das Dorf was tun". Diese Einstellung, die Vater und Mutter teilten, "hat natürlich auf uns abgefärbt", darüber sind sich die Söhne einig. Ihr kommunalpolitisches Engagement ist aber nicht der einzige Beleg dafür.

Beide sind "von Jugend auf" Mitglied in den örtlichen Vereinen, Johannes ist mehr der Freiwilligen Feuerwehr zugewandt und Michael wurde unlängst zum Vorsitzenden des Sportvereins gewählt. Johannes Bals, geboren 1983, der ältere der Bals-Söhne, erhielt bei der Wahl 9,31 Prozent der Stimmen und hat schon zehn Jahre Erfahrung als Kommunalpolitiker. 2010 war er als Nachrücker in den Gemeinderat aufgenommen worden und ist seitdem dort verblieben. "Ich möchte mich einbringen und so einen Beitrag dafür leisten, dass Landsberied ein Dorf mit hoher Lebensqualität bleibt und nicht zu einem leblosen Schlafort abgewertet wird" führt er als Motivation an. "Außerdem möchte ich etwas zurückgeben, weil ich es letztlich der Gemeinde zu verdanken habe, dass ich relativ schnell Gewerbegrund erwerben und meinen Betrieb von der Dorfmitte an den Ortsrand verlegen konnte", erzählt der Unternehmer. Als Referent für Ortsentwicklung und gewerbliche Angelegenheiten könne er seine berufliche Erfahrung gut einbringen. Sehr lehrreich sei für ihn gewesen, dass er noch im Gemeinderat unter Altbürgermeister Korbinian Hillmeier habe einsteigen können, und Johann Trischberger sei ihm in Sachen Kommunalpolitik auch ein guter Lehrmeister gewesen.

Michael Bals indes ist Neuling im Gemeinderat. Mit 731 Stimmen lag er bei der Wahl nur 32 hinter seinem politikerfahrenen Bruder und wurde mit der Aufgabe betraut, sich um das Kinderhaus und um die Jugend zu kümmern. "Die Ortspolitik als Mitverantwortlicher zu betrachten, ist für mich etwas ganz Neues", erzählt er, und dass er schon nach wenigen Monaten einen anderen, sicher objektiveren Blick für das Geschehen im Ort bekommen habe. "Es macht mir Spaß, mit anderen zielgerichtet zu diskutieren und bei Entscheidungen mitzuwirken, wenngleich es nicht immer leicht ist. Und ich lerne auch dazu."

Mit der Aussage "Eigentlich sind wir beide berufliche Spätzünder", weist Michael Bals in Selbstbetrachtung auf eine weitere Gemeinsamkeit hin. 1986 erblickte er das Licht der Welt und nach seiner Schulzeit absolvierte er bei der Volksbank in Fürstenfeldbruck die Lehre zum Bankkaufmann. "Und dann machte ich mehrere Fortbildungen und arbeitete mich in 18 Jahren hoch bis zum stellvertretenden Marktbereichsleiter", erzählt er stolz. In der Zeit habe er auch geheiratet und sei mittlerweile Vater von drei Kindern.

Und da ist schon wieder eine Gemeinsamkeit zwischen den Brüdern. Auch Johannes Bals ist Familienvater von drei Kindern. Sein beruflicher Lebensweg begann mit einer Lehre als Mauerer und Betonbauer. Und weil ihm die Arbeit gefiel und er, wie er sagt, "mehr daraus machen wollte", besuchte er erst die Fachschule für Bautechnik in München, erwarb den Meisterbrief für Maurer und für Betonbau, um dann noch den Abschluss "staatlich geprüfter Bautechniker" draufzusatteln. Beschäftigt war er in dieser Zeit bis 2011 bei der Allinger Baufirma Vilgertshofer. Es war eine schöne wenn auch anstrengende Zeit", erinnert sich Johannes Bals, aber er habe noch mehr gewollt. Im Dezember 2011 machte er sich selbständig und gründete die Bals Bau GmbH. "Ich fing mit vier Mitarbeitern an, heute habe ich durchschnittlich 20 Beschäftigte im Einsatz." Dass sich die Brüder gut verstehen, wird im Gespräch schnell deutlich. Daher ist ihnen auch zuzutrauen, dass sie in Landsberied oder auch darüber hinaus noch einiges bewegen werden. "Leider ist mir der Einzug in den Kreistag diesmal nicht gelungen", bedauert Michael, aber man werde sehen, was die Zeit bringe. Gemeinsam beteuern die Brüder, dass sie weiterhin nicht nur politisch, sondern auch im Dorf, soweit es die Zeit zulässt, ehrenamtlich aktiv bleiben wollen. Ihr Engagement für die Gemeinschaft ist nach der Familie "eigentlich auch unser Hobby"."

Bisher erschienen: Peter und Hannelore Münster, Eichenau (8./9 August), Familie Off-Nesselhauf, Germering (14./15./16. August), Erwin und Markus Fraunhofer, Jesenwang (18. August), Barbara Lackermeier und Gerhard Jilka, Schöngeising (22./23. August), Wolfgang und Sandra Andre, Germering (25. August), Katrin und Emanuel Staffler (29./30. August), Gisella Gigliotti und Manfred Sengl (1. September), Michael und Valentin Schanderl (5./6. September)/

© SZ vom 08.09.2020

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