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SZ-Serie: Polit-Paare, Folge 12:Das Vermächtnis

Cornelia Aicher-Leonbacher ist für ihren Mann Michael Leonbacher in den Gröbenzeller Gemeinderat nachgerückt. Er starb 2019 völlig unerwartet. Erst er habe ihr politisches Interesse geweckt, berichtet die 58-Jährige. Seit Mai ist sie FW-Fraktionschefin

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

"Klare Ansage: durch meinen Mann." Die Antwort auf die Frage, was Cornelia Aicher-Leonbachers Interesse an Politik geweckt hat, kommt prompt und lässt keinen Raum für Zweifel. Im Mai 2019 ist ihr Mann Michael Leonbacher mit 57 Jahren völlig überraschend an Herzversagen gestorben. Er war stellvertretender Regierungssprecher der Freien-Wähler-Fraktion im bayerischen Landtag und Gemeinderat in Gröbenzell. Aicher-Leonbacher rückte damals für ihn in den Gemeinderat nach. Zu den Kommunalwahlen im März dieses Jahres kandidierte sie erneut für die Freien Wähler; sie wurde mit 1861 Stimmen (von 9999 Stimmberechtigten) wiedergewählt und führt nun die zweiköpfige Fraktion der Freien Wähler (FW) in Gröbenzell an. Sie betrachte es als ihr Vermächtnis, das Gemeinderatsmandat fortzuführen, erklärt die 1961 geborene Oberstudienrätin.

Michael Leonbacher war auf vielen politischen Ebenen aktiv und bekannt. Als Schulfreund des ehemaligen Emmeringer Bürgermeisters Michael Schanderl, ebenfalls Freie Wähler, verband die beiden Aicher-Leonbacher zufolge eine innige politische Freundschaft. Drei Jahrzehnte engagierte sich Leonbacher für die Freien Wähler, zunächst im Gemeinderat Maisach, bald auch im Kreistag sowie als Kreisvorsitzender. Nach seinem Umzug über Olching nach Gröbenzell trat er dort 2014 als Bürgermeisterkandidat an. Er erhielt 2273 Stimmen. Außerdem engagierte er sich zunehmend auf Landtagsebene, wurde als enger Vertrauter des heutigen Wirtschaftsministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger stellvertretender Regierungssprecher.

Anfang Mai 2019 starb der im Maisacher Ortsteil Malching groß gewordene Michael Leonbacher am Münchner Viktualienmarkt an Herzversagen. Wie sehr ihn seine politischen Weggefährten schätzten, zeigen zwei Zitate zu seinem Tod. Aiwanger nannte ihn auf seiner Facebookseite "einen wunderbaren Freund und großartigen Menschen" und schrieb: "Lieber Michael, großen Dank, dass ich mit Dir zusammenarbeiten durfte!" Auch Hans Friedl, Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der Freien Wähler klang sehr bewegt: "Danke Michael, dass ich dein Freund sein durfte!"

Einen Hund hat Cornelia Aicher-Leonbacher und eine Reitbeteiligung.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Für seine Witwe schaffen die Politik und ihr eigenes politisches Engagement eine Verbindung zu ihrem verstorbenen Mann und helfen ihr, mit dem Verlust besser zurecht zu kommen. Einige Fotos von ihm stehen im Wohnzimmer, neben anderen Familienfotos. Erst durch Michael Leonbacher sei ihr klar geworden, welche unmittelbaren Auswirkungen Politik, nicht zuletzt Kommunalpolitik, auf die Menschen habe. Sie stamme aus einer vollkommen unpolitischen Familie, berichtet die 58-Jährige. Mitte der 1960er Jahre zieht die Familie nach Gröbenzell. Cornelia ist die älteste von drei Geschwistern, sie wird 1966 mit 56 anderen Schülern in einer Klasse an der Ährenfeld-Grundschule eingeschult und macht am Bert-Brecht-Gymnasium in Pasing mit 1200 anderen Abiturienten ihre Reifeprüfung. Sie studiert Chemie und Biologie auf Lehramt, heiratet zum ersten Mal, bekommt zwei Töchter, ist Hausfrau und Mutter. Sie lässt sich scheiden, macht mit 43 noch ihr Referendariat und arbeitet als Lehrerin dort, wo ihre Schullaufbahn endete: am Bert-Brecht-Gymnasium in Pasing.

Anfang des Jahrtausends lernt sie Michael Leonbacher kennen, sie heiraten. Bevor sie ihren Mann kennen gelernt habe, habe sie gerade einmal gewusst, wer der Bürgermeister ist. Doch Michael Leonbacher, der selbst zwei Söhne mit in die Beziehung bringt, weckt ihre Begeisterung für Politik. Er erklärt Zusammenhänge und Hintergründe. Als Amtsrat im Notardienst kann er viele der komplizierten Abläufe gut erläutern. So wächst Cornelia Aicher-Leonbacher nach und nach in den Politikbetrieb hinein. 2008 wird sie als Schriftführerin in den Vorstand der FW Gröbenzell gewählt, bei den Kommunalwahlen 2014 kandidiert sie hinter ihrem Mann Michael Leonbacher auf Rang acht der Gemeinderatsliste der FW.

Die Politik spielte laut Aicher-Leonbacher eine große Rolle in der Beziehung. Oft seien am Frühstückstisch aktuelle Themen erörtert worden, etwa wenn die Zeitungen über einen politischen Vorgang berichteten. Im schnelllebigen Polit-Alltag habe er freilich nicht jede Entscheidung mit ihr vorher abgesprochen.

Aicher-Leonbacher ist außerdem bei allen wichtigen politischen Anlässen, zumindest im Landkreis, dabei: Neujahrsempfänge, Wahlabende, "das Hoffest bei Herrn Schanderl" sowie die diversen Besuche in den Partnerstädten Garches und Pilisvörösvar, bei denen sie ihren Mann, den Partnerschafts-Referenten, begleitet. Aber auch stets beim Politischen Aschermittwoch der Freien Wähler in Deggendorf, meist in Verbindung mit einem Kurztrip.

Cornelia Aicher-Leonbacher und Michael Leonbacher

Mit ihrem Mann Michael Leonbacher, der voriges Jahr mit 57 Jahren plötzlich gestorben ist, war Cornelia Aicher-Leonbacher auch viel auf Reisen, etwa in Paris. Anders als er bevorzugt sie in der Politik die leiseren Töne.

(Foto: Privat)

Bei all den vielen Anlässen hat sich Aicher-Leonbacher ein Bild des Politikbetriebes machen können. Da habe sie manches als reine Show erkannt, etwa das Gehabe nach Wahlen: "Da sagt halt wieder jeder, wir haben gesiegt, obwohl die gar nicht gesiegt haben." Die Biologin in ihr sieht da ganz klare Parallelen zur Fauna. "Im Grunde ist es nicht anders als im Tierreich. Der Hirsch mit dem größten Geweih kriegt die Schönste." Derartiges Gehabe liegt Cornelia Aicher-Leonbacher nicht, die einen Hund und eine Reitbeteiligung hat und bestätigend lacht zu der Bemerkung, dass sie eine Frau der leisen Töne sei. Sie müsse sich auch im Gemeinderat nichtextra noch zu Wort melden, wenn bereits ein anderes Mitglied in etwa das gesagt habe, was ihr selbst wichtig sei, nur um der eigenen Wortmeldung willen. Tatsächlich gibt es derartige Wiederholungen recht häufig.

Inhaltlich sind Cornelia Aicher-Leonbacher Natur und Umwelt, Nachhaltigkeit wichtig. "Ich finde, wir sind wahnsinnig verschwenderisch." Sie engagiert sich bei der neu gegründeten Gruppe "Gröbenzell for Future" und will, dass ihr Heimatort lebens- und liebenswert bleibt. Das hat sie mit ihren Geschwistern gemeinsam, die sich inzwischen ebenfalls politisch engagieren, ihre Schwester auch bei den Freien Wählern, ihr Bruder bei der Unabhängigen Wählergemeinschaft Gröbenzell. Also liegt das politische Bewusstsein doch in der Familie? "Wir sind alle drei in Gröbenzell verwurzelt", begründet sie das spät erwachte Interesse in ihrer Familie.

Bisher erschienen: Peter und Hannelore Münster, Eichenau (8./9 August), Familie Off-Nesselhauf, Germering (14./15./16. August), Erwin und Markus Fraunhofer, Jesenwang (18. August), Barbara Lackermeier und Gerhard Jilka, Schöngeising (22./23. August), Wolfgang und Sandra Andre, Germering (25. August), Katrin und Emanuel Staffler (29./30. August), Gisella Gigliotti und Manfred Sengl (1. September), Michael und Valentin Schanderl (5./6. September), Michael und Johannes Bals (8. September), Agnes und Sepp Dürr (12./13. September), Josef und Maximilian Gigl (15. September)

© SZ vom 19.09.2020

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