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SZ-Serie: Im Märzen der Bauer, Folge 7:Zwischen Stall und Koppel

Bauer Georg Huber mit Pferden

Abends holt Georg Huber die Pferde von den Wiesen. Die Boxenpferde werden eingeschlossen, die anderen können sich im und um den Laufstall frei bewegen.

(Foto: Matthias F. Döring)

Die Pensionspferdehaltung ist ein wichtiger Einkommenszweig für Georg Huber. 28 Stuten und Wallache versorgt er auf dem Kreuthof. Im Herbst werden auch Gräben und Wege gepflegt. Schon bald beginnt die Aussaat des Wintergetreides

Bis unters Dach sind in der rechten Hälfte der großen Halle des Kreuthofs Heu- und Strohballen gestapelt. In der linken Hälfte wird Triticale gekühlt. Ein großer Schlauch steckt in dem Getreide, ein Motor bläst kühle Luft hinein. Jetzt, im September, ist die Ernte weitgehend eingebracht. Heu und Stroh braucht Georg Huber, der Puchheimer Landwirt, dem die Süddeutsche Zeitung ein Jahr lang bei der Arbeit über die Schulter schaut, für seine Pensionspferde.

28 "Ross" - Tinker und Haflinger, Friesen, Warmblüter und ein Araber, ausschließlich Stuten und Wallache sind auf dem Kreuthof zuhause. Sieben leben in Einzelboxen, sie haben Auslauf in einem Paddock-Bereich und auf einer großen Koppel. 20 weitere leben im Laufstall-Bereich. "Das ist die Haltungsform für Bio-Betriebe", erklärt Huber. Vom Stall geht es auf einen weitläufigen Paddockbereich, der mit Rasengittersteinen befestigt ist. Dort finden die Tiere an mehreren Stellen große Heuraufen und Kugeltränken, aus denen sie saufen können. Es schließt sich ein Sandplatz an, bevor es auf die großen Grasflächen geht. Wenn es viel geregnet hat, bleibt die große Koppel einige Tage zu, damit der Boden nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Von 7 bis 18 Uhr haben alle Tiere täglich Koppelgang.

Für die 20 Laufstall-Pferde gibt es einen kühlen Unterstand sowie zwei überdachte Liegeflächen, die mit Strohmatratzen ausgerüstet sind. Dort werden täglich die Pferdeäpfel entfernt und fehlendes Stroh aufgefüllt. So entstehe eine stabile und für die Pferde komfortable Schicht, die Ammoniakbelastung sei sehr gering, sagt Huber. Die Matratze wird alle sechs bis acht Wochen komplett ausgetauscht. Am liebsten aber stünden alle Pferde sowieso draußen, erklärt Huber, auch bei schlechtem Wetter. "Die Pferde können 24 Stunden am Tag alle Bereiche nutzen, bis auf die große Koppel. Das ist es, was den Laufstall ausmacht."

Jeden Morgen um sieben Uhr geht er in den Stall, meist mit seiner Frau Christine. Zu zweit brauchen sie eine Stunde, um alles auszumisten, neu einzustreuen und die Pferde zu füttern. Abends holt er die Tiere herein. Er stellt sich an den Zaun und ruft, meist reicht das, damit alle kommen. Mit großer Ruhe bewegt sich Huber zwischen den Pferden. Viele kommen zu ihm, um ihn zu beschnuppern und sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen. Huber mag die Tiere "unbandig gern", wie er sagt. Er kennt ihre unterschiedlichen Charaktere und Eigenheiten genau. Dabei hat er selber noch nie auf einem Pferd gesessen und besitzt auch keinerlei Ambitionen das Reiten auszuprobieren.

Nicht nur die Pferde, auch ihre Besitzerinnen müssen sich auf dem Hof wohlfühlen. Huber achtet strikt darauf, dass keine irgendwie bevorteilt wird. "Wenn es Extrawürste gibt, gibt es auch Konflikte", sagt er. Deshalb sind die Schränke in der Sattelkammer ebenso identisch wie die Boxen, in denen die Reiterinnen das zusätzliche Futter für ihre Tiere aufbewahren. Grund- und Kraftfutter sowie Einstreu sind im Preis von 375 Euro pro Monat inbegriffen. Die Pensionspferdehaltung mache etwa 40 Prozent seines Einkommen aus, sagt Huber. Sie sei vielfältig mit dem Hof verflochten, vom Futter, das er selbst erzeugt, bis zum Mist, mit dem er die Felder düngt.

Eine wichtige Arbeit im September ist die Pflege von Gräben und Feldwegen. Huber mäht und mulcht etwa für den Amperverband einen Spülgraben, der vom Trinkwasser-Hochbehälter zur Brucker Grube führt und dort versickert. Außerdem ist er dafür zuständig, alles aus dem Graben zu räumen, was den Abfluss behindern könnte. Die Instandhaltung der Feldwege, oft beliebte Spazierwege, organisierten und bezahlten die Landwirte in Eigenregie, erklärt Huber.

Auf dem Weg zu dem Graben kommt er an einem Biotop vorbei, das die Jagdgenossenschaft 2016 angelegt hat, mithilfe der Stadt Puchheim und der Flurbereinigungsgenossenschaft, "und dem Geld der Bauern". Auf einem halben Hektar wurde eine Hecke aus heimischen Wildsträuchern angelegt. Sie sind eingezäunt, damit die Rehe sie nicht verbeißen. Außerdem entsteht eine Benjeshecke, eine Steinmauer und ein Totholzhaufen bieten Lebensräume für Reptilien und Insekten. Die angrenzende Wiese soll zur Streuobstwiese werden. Das Konzept habe ein Wildlebensraumberater für die Jagdgenossenschaft erstellt, sagt Huber, der auch Jagdvorstand ist. Das Biotop soll Niederwild wie Hasen, Rebhühnern und Fasanen Unterschlupf und Nahrung bieten und Rehwild von den Feldern fernhalten.

Noch ist die Ernte nicht beendet. Das Soja hat sich nach dem Hagelschaden gut entwickelt, zur Überraschung der Hagelschätzer, des Beraters vom Naturland-Verband und von Huber selbst. Viele "wieselhaarige" Schoten hängen an den wenigen übrig gebliebenen Pflanzen. Kommt der Altweibersommer, könnte Huber sie Ende September dreschen.

Noch im Herbst wird er Wintergetreide säen, Triticale. Auch Gerste, Weizen und Roggen gibt es als Wintersorten. Je nach Art werden sie zwischen Mitte September und Anfang Oktober gesät. Sie wachsen noch im Herbst einige Zentimeter und brauchen um zu blühen und später Ähren mit Körnern zu bilden, ausgiebige Kältereize, anders als Sommergetreide. Über den Winter bleibt das Getreide unter der Schneedecke geschützt. Nur längere strenge Kahlfröste, also extrem niedrige Temperaturen ohne Schnee, könnten den Pflanzen schaden. Das komme aber praktisch nie vor, sagt Huber. Von Juli an wird Wintergetreide geerntet, ebenso wie Sommergetreide. Weil es aber länger auf dem Feld wachsen kann, bringt es höhere Erträge.

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