SZ-Serie: Die Seele des Vereins, Folge 7 Vater der Gemeindepartnerschaft

Jakob Pfannes ist seit einem halben Jahrhundert bei den Veteranen und den Schützen aktiv. Er hat zahlreiche Veranstaltungen organisiert, viele Ämter versehen und die ersten Verbindungen nach Lannach geknüpft. Nur Schützenkönig ist er nie geworden

Von Manfred Amann, Alling

Wenn am 1. Juli der Veteranen- und Soldatenverein Alling (VSV) mit über 40 Freunden vom Österreichischen Kameradschaftsbund (ÖKB) aus Lannach in der Steiermark die vor 30 Jahren begründete Vereinspartnerschaft feiert, kommt Jakob Pfannes wieder einmal zu verdienten Ehren, weil er sich für das Gelingen dieser Vereinsfreundschaft über die Landesgrenzen hinweg erfolgreich eingesetzt hat und auch heute noch hilft, dass die Partnerschaft lebt und der gegenseitige Austausch nicht zum Stillstand kommt. Doch das ist nur eines von vielen Verdiensten, die dem 71-Jährigen zugeschrieben werden. Erst im Mai wurde er vom Vorsitzenden der Parsberger Schützen, Peter Büttner, für seine seit 50 Jahren andauernde aktive Mitgliedschaft mit dem Ehrenzeichen in Gold ausgezeichnet. "Wenn man so lange dabei ist, dann kriegt man halt eine Nadel", spielt Pfannes die Belobigung ganz bescheiden herunter.

Im Kreise der Schützen ist man sich aber einig, dass der "Jackl" diese Würdigung mehr als verdient hat. "Die Ehrung soll nicht besagen, dass er fünf Jahrzehnte lang regelmäßig zum Schießen gekommen ist", weiß die langjährige Schützenkollegin, Monika Metzger. Pfannes habe stets bei Vor- und Nachbereitungen von Veranstaltungen geholfen und sei auch heute immer für die Parsberger da, wenn man ihn braucht. Im Jahre 1967 ging der gebürtige Allinger zu den Schützen, im selben Jahr, trat er nach dem Wehrdienst auch dem VSV bei. Die Parsberger aber beschäftigten ihn mehr. "Ohne den Jackl wäre das Vereinsleben ärmer, ohne sein Engagement, wäre vieles sicherlich auch nicht so einfach zu bewältigen gewesen", ist aus dem Vorstand zu hören. Für Pfannes war es eine Selbstverständlichkeit, sich den Vereinen anzuschließen, denn "Zusammengehörigkeitsgefühl und Kameradschaft" waren ihm "schon immer wichtig".

Der 71 Jahre alte Jakob Pfannes ist für seine Verdienste um die Partnerschaft mit Lannach mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden.

(Foto: Johannes Simon)

Durch die häufigen Schießabende und Veranstaltungen, die es bei den Schützen stets zu organisieren galt, sei er sozusagen "wie von selbst in die Vereinsarbeit hineingewachsen". "Es war mir und ist mir auch heute noch wichtig, nicht nur hinzugehen und Schießübungen zu absolvieren, sondern ich will auch mein Scherflein dazu beitragen, dass alles funktioniert", hebt der Luftgewehrschütze hervor, dem es jedoch in dem halben Jahrhundert nicht ein einziges Mal vergönnt war, Schützenkönig zu werden. Seiner Ehefrau Brigitte schon. "Einmal war ich ganz knapp dran, dann hat mich der letzte Schütze doch noch weggeputzt, so dass ich nur Zweiter wurde", erinnert sich Pfannes und tröstet sich mit dem Hinweis, dass der Sieg nicht das Wichtigste sei. Damals, vor 50 Jahren, war der Verein gerade erst ins Gasthaus Grichter umgezogen und Konrad Furtner Schützenmeister, ein Jahr später übernahm dann Liselotte Heinisch, die spätere Bürgermeisterin von Alling das Amt und führte es bis 1976 weiter. Pfannes erinnert sich auch, dass gleich am Anfang seiner Mitgliedschaft das erste Gauschießen mit 28 Ständen in einem Zelt zu organisieren war, zwei weitere dieser Großveranstaltungen des Kreisverbandes sollten seinen Einsatz in den fünf Jahrzehnten noch erforderlich machen. Viele Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit erforderte dann der Aufbau neuer Schießräume, nachdem die Gemeinde die Mehrzweckhalle hatte errichten lassen, so dass 1977 bereits erstmals "im eigenen Bereich" geschossen werden konnte. Wie sich Pfannes erinnert, hatte man zuvor beim "Grichter" an jedem Schießabend die Stände auf und abbauen müssen, in der Halle habe man nun eine feste Anlage gehabt.

Ein zweites Mal, im Jahr 2012, opferte der Familienvater für die Parsberger viele Stunden, als er mithalf, im Zuge der Sanierung und Erweiterung der Mehrzweckhalle die neu zugewiesenen Räumlichkeiten mit eigenem Vereinsstüberl in Eigenleistung auszubauen und einzurichten. Als es galt, das 80. Gründungsfest des Vereines mit einer Fahnenweihe zu feiern, wirkte Pfannes im Festausschuss mit, von 1999 an bekleidete er das Amt des Zweiten Festwarts. "Viel Spaß und Freude, aber auch Arbeit und Einsatz" brachte ihm immer wieder der legendäre Weiberfasching der Parsberger Schützen, an dem er sich seit 1978 beteiligt. Und im Dezember wird man den aktiven Ruheständler, der bei der Stadt München beschäftigt war, wieder auf dem Hartplatz an der Mehrzweckhalle sehen, wenn der Schützenverein zum achten Mal den Allinger Christkindlmarkt ausrichtet.

Mehrere Anfänge

Aus der Chronik der Parsberger Schützen geht hervor, dass das Anfangsschießen am 18. Januar 1899 stattfand. Es ist aber nicht überliefert, wer damals die Initiatoren waren. Die Aufnahmegebühr betrug zur Jahrhundertwende eine Mark und der Monatsbeitrag belief sich auf 30 Pfennig. Das letzte Schießen vor dem Ersten Weltkrieg gab es im November 1911. Ein Neuanfang startete im September 1927 und dann war ab Dezember 1931 wieder Schluss. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde im Januar 1952 eine Schützenabteilung im TSV Alling gegründet. Am 21. Oktober 1954 trafen sich 16 der Schützen und beschlossen die Trennung vom TSV und die Gründung des "Schützenvereins Parsberger" Alling. Der Verein ist dem Schützengau Fürstenfeldbruck angegliedert und beteiligt sich an Meisterschaften und Gauschießen. Besonders stolz ist die Vorstandschaft unter Leitung von Peter Büttner auf die effektive Jugendarbeit. So können neben den Erwachsenen auch die Nachwuchsschützen bei Wettkämpfen immer wieder beste Ergebnisse erzielen. Bei der Gaumeisterschaft 2016 gingen neun von zwölf Teilnehmern aus der Parsberger Schützenjugend in den Disziplinen Luftpistole und Luftgewehr als Sieger hervor. 2016 war auch das von den Parsberger Schützen organisierte 36. Gau-Wanderpokalschießen für Luftpistole mit 221 Teilnehmern ein großer Erfolg. kwg

"So ein Engagement ist natürlich nur möglich, wenn die Familie mitspielt", ist sich Pfannes bewusst, der mittlerweile auch von den Enkelkindern gefordert wird. Momentan hat der engagierte Sportschütze anderweitig zu tun. Er hilft den Veteranen bei den Vorbereitungen des großen Freundschaftsfestes, mit dem die Gründung der Vereinspartnerschaft des VSV mit dem ÖKB Lannach gefeiert wird, die letztlich nur möglich wurde, weil Jakob Pfannes im Zusammenspiel mit dem damaligen ÖKB-Chef Alfred Tacheron die offizielle Verbrüderung einfädelte. Der rührige Allinger war damals Vorsitzender des VSV und hatte nach einem ersten Kontakt mit den Lannachern die Initiative ergriffen, aus der Freundschaft eine Partnerschaft zu schmieden. Mit seiner Ehefrau Brigitte und den Kindern besuchte er immer wieder das steirische Schilcherland, organisierte Gegenbesuche und erreichte im Einvernehmen mit der Vorstandschaft des VSV vor 30 Jahren die offizielle Vereinspartnerschaft. Damit war aber noch kein Ende in den Aktivitäten des Jakob Pfannes. Da sich die Vereinsfreundschaft sehr positiv entwickelte, setzte er sich bald dafür ein, dass sich auch seine Heimatgemeinde Alling und der Markt Lannach verschwistern. Im Jahr 2000 war es soweit, bei einer großen Feier wurde die Gemeindepartnerschaft offiziell in Lannach besiegelt und 2002 in Alling bekräftigt.

2010 wurde Jakob Pfannes anlässlich des zehnjährigen Gründungsjubiläums der Gemeindepartnerschaft für seine Verdienste um sie mit der Allinger Bürgermedaille ausgezeichnet. "Ohne dich würde es die Gemeindepartnerschaft nicht geben", würdigte Bürgermeister Frederik Röder. "Natürlich empfindet man Stolz und Zufriedenheit, wenn man sagen kann, für das Gelingen einen Beitrag geleistet zu haben, wichtig aber ist doch, dass die Freundschaft lebt und gepflegt wird", meinte Pfannes in seiner bekannten Bescheidenheit dazu. Da hatte er aber schon seine nächste Fahrt ins Schilcherland im Blick und bei den Parsberger Schützen gab es auch wieder einiges zu tun.