Süddeutsche Zeitung

SZ-Serie: Bodenschätze, Teil 9:Frühe Fernkampfwaffe

Auf einem Acker bei Alling wurde eine Pfeilspitze mit Widerhaken aus der Bronzezeit gefunden

Überall im Brucker Land sind unter der Erde Schätze verborgen, die viel über die Entwicklung des Landkreises und der menschlichen Zivilisation erzählen. Mit seiner weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten archäologischen Abteilung schafft es der Historische Verein, dass diese Schätze geborgen, erforscht und erhalten werden. In einer großen Ausstellung präsentiert der Verein nun in jeder Kommune mindestens ein für den Ort bedeutendes Fundstück. In einer SZ-Serie werden in den kommenden Wochen alle Ausstellungsstücke vorgestellt.

Mit der Möglichkeit, Metal zu verarbeiten, entwickeln die Menschen in der Bronzezeit auch eine ihrer wichtigsten Waffen weiter: Pfeil und Bogen. Seit der Steinzeit dienten sie als sichere Fernkampfwaffe. Vor allem die Pfeilspitzen wurden immer weiter verbessert, mit jedem neuen Material und jeder neuen Technik. Die ältesten Funde im Landkreis, die als Pfeilspitzen identifiziert werden können, sind mehr als 11 000 Jahre alt. Die auf einem Feld bei Alling gefundene Bronzespitze freilich ist wesentlich jünger und wird auf die ausgehende Bronzezeit datiert.

Das neue Material war deutlich robuster und schwerer als die bis dahin verwendeten Werkstoffe. Dadurch hatten die Pfeile eine stabiliere Flugbahn. Die Form war vom jeweiligen "Verwendungszweck" abhängig: es gab spezielle Spitzen für die Pelztier- und Vogeljagd und für den Kampf gegen Feinde, die Schutzkleidung trugen.

Die Allinger Spitze haben an ihren Enden nur kurze Widerhaken, dafür ist aber der Ansatz eines Dornes zu sehen, der offensichtlich abgebrochen ist. Solche Dorne haben eine lange Tradition, schon in der Mittelbronzezeit begannen die Menschen, hinter der dreieckigen Spitze solche Widerhaken anzubringen. Sie bestanden entweder aus Knochen und Holz und waren angeklebt und umwickelt. Die Archäologen gehen davon aus, dass sie das Herausziehen des Pfeiles erschweren sollten. Wahrscheinlich war vorgesehen, dass sie beim Versuch abbrechen und so schwere sich entzündende Wunden hinterlassen. Spekuliert wird auch darüber, ob die Pfeile sogar vergiftet waren.

Während der Bronzezeit begannen die Menschen, die Dorne gemeinsam mit der Pfeilspitze zu gießen, die Holz- und Knochendorne verloren an Bedeutung. Hergestellt wurden die Spitzen in einem Kerngussverfahren mit einer zweiteiligen Steinform und einem eingelegt Kern für die sogenannte Tülle, also den Hohlraum, mit dem die Spitze schließlich auf den Pfeil gesteckt wird. Einige dieser Gussformen sind zumindest in Bruchstücken überliefert. Versuche mit Formen aus dem Schwarzmeergebiet haben ergeben, dass ein bronzezeitlicher Gießer mit Helfern innerhalb einer Woche die beeindruckende Zahl von bis zu 10 000 Pfeilspitzen in einer Woche herzustellen.

Welchem Zweck die Allinger Spitze gedient hat, ob sie bei der Jagd oder einem Kampf eingesetzt oder einfach nur verloren wurde, lässt sich nicht rekonstruieren, weil sie ein sogenannter Feld-, also ein Oberflächenfund ist. Ohne den Befundzusammenhang ist eine Einordnung nicht möglich.

Ausstellung "Bodenschätze", bis 27. September. Die Pfeilspitze ist zu sehen in der Sparkasse Alling, Gilchinger Straße 29. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 12.30 Uhr, zusätzlich montags und dienstags von 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 14 bis 19 Uhr und freitags von 8.30 bis 15 Uhr. Alle Ausstellungsorte finden sich im Internet unter www.historischer-verein-ffb.de. Erschienen ist zudem ein lesenswerter Katalog

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URL:
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Quelle:
SZ vom 01.08.2019
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